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Stahnsdorf Frische Bilder für den Alltag
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf Frische Bilder für den Alltag
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19:36 22.11.2018
Fabian Waldmann aus Teltow malt nicht nur gern, er hat auch einen Roman und mehrere Lyrikbände geschrieben. Im Gemeindezentrum in Stahnsdorf zeigt er derzeit eine Auswahl seiner Bilder. Quelle: Gesine Michalsky
Stahnsdorf

Ein Fahrradunfall riss Fabian Waldmann aus einem vielversprechenden Leben. Er stieß als junger Mann in Potsdam mit der Straßenbahn zusammen und erlitt schwere Kopfverletzungen. Seitdem ist Fabian Waldmann behindert und musste lernen, damit zu leben. Die Malerei half ihm dabei.

Jetzt zeigt der 42-Jährige im Gemeindezentrum Stahnsdorf beeindruckende Bilder. „Keine Ruhe ohne Malerei“ heißt die Ausstellung, die heute von Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers (Bürger für Bürger) offiziell eröffnet wird. Es ist die dritte Ausstellung des psychisch beeinträchtigten Künstlers im Gemeindezentrum „und es lohnt sich wieder“, sagt Fabian Waldmann. „Das sind die besseren Bilder, weil ich mich weiterentwickele.“

So sieht Fabian Waldmann seine Kollegen in der Teltower USE-Digitaldruckerei. Quelle: G. Michalsky

„Als ich die Bilder zum ersten Mal sah, habe ich sofort gesagt, die stellen wir aus“, bestätigt der Stahnsdorfer Maler Eberhard Trodler. Auch Albers begeistern die Farben und die Fantasie in den Zeichnungen. Im Ausstellungsgespräch heute ab 18.15 Uhr können Gäste den Künstler kennenlernen, der sich nicht unterkriegen lässt. „Im Gegenteil, er arbeitet unentwegt und bringt Frische in unseren Alltag“, ist sich Trodler sicher.

Künstler setzt sich immer neue Ziele

Elvira Waldmann begleitet ihren Sohn oft und unterstützt seine Kreativität: „Er schöpft die Bilder ganz und gar aus seinen Gedanken und Erinnerungen“, sagt die Güterfelderin. Sie sorgt für professionelles Zubehör und gemeinsam verpassen sie keine Ausstellung im Barberini. Einen Kämpfer nennt die Mutter ihren Sohn, der sich durch die Kunst immer wieder neue Ziele setzt. Vor allem erhebliche Konzentrationsschwierigkeiten behindern ihn. Auch dank der Hilfe des Vereins „Türklinke“ aus Kleinmachnow führt er inzwischen ein eigenständiges Leben in der Teltower Altstadt in einem Haus für Menschen mit Beeinträchtigungen. Einmal wöchentlich schaut ein Betreuer vorbei und hilft bei Amtsangelegenheiten.

Auch Autor eines Romans und mehrerer Lyrikbände

Fabian Waldmann wurde am 19. März 1976 in Potsdam geboren. Trotz seines schweren Unfalls konnte er sein Abitur ablegen. Dafür wurde ihm mehr Zeit eingeräumt.

An der Universität Potsdam schloss er 2005 ein Romanistik-Studium ab.

Das Malen lernte Fabian Waldmann in der Akademie „2. Lebenshälfte“, in der er den Stahnsdorfer Künstler Eberhard Trodler kennenlernte.

Bereits drei Mal stellte er im Gemeindezentrum aus, 2014 auch in der Biomalzfabrik.

Einen Roman und Lyrikbände veröffentlichte seine Familie im Jahr 2004.

Vor dem Unfall wollte Fabian Waldmann Schauspieler werden, eine Musikerkarriere als Oboist war sogar abzusehen. Karl Butthof, bekannter Oboist und Lehrer an der Kleinmachnower Kreismusikschule, unterrichtete ihn mit großem Erfolg. „Als Solo-Oboist hatte ich Konzertauftritte“, erinnert sich Fabian. Aber das ist vorbei. Inzwischen spielt er begeistert Gitarre und telefoniert trotzdem täglich mit seinem 93-jährigen Musiklehrer.

Bei der Union Sozialer Einrichtungen (USE) in der Teltower Biomalzfabrik hat er einen Job in der Digitaldruckerei, und da man hier Rücksicht nimmt, mag er ihn gern. Er schreibt sogar gerade einen Roman über seine Arbeit und seine Kollegen – Titel: „Der Taubenschlag“. Zuhause ist dann die Küche sein Arbeitsplatz – dort malt er mit Pastellfarben. Italien, das er vor seinem Unfall gern bereiste, und vor allem Gesichter.

„Keine Ruhe ohne Malerei“, Ausstellung von Arbeiten des Teltower Künstlers Fabian Waldmann, mit Lesung aus seinen Gedichtbänden, musikalische Begleitung von Janina Lehmann (Querflöte) und Gerrit Friedrich (Gitarre), heute, 18.15 Uhr, Foyer des Gemeindezentrums Stahnsdorf, Annastraße 3. Der Zugang (nicht behindertengerecht) ist nur auf der Rückseite des Gebäudes möglich.

Von Gesine Michalsky

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