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Stahnsdorf Bäkedamm ab 9. Juli gesperrt
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf Bäkedamm ab 9. Juli gesperrt
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00:21 01.07.2018
Die Potsdamer Allee in Stahnsdorf soll ab dem 9. Juli komplett umgebaut werden. Quelle: Stephan Laude
Stahnsdorf

Zeit für eine emotionale Abkühlung blieb nicht am Mittwochabend in der Aula der Heinrich-Zille-Grundschule in Stahnsdorf. Mit dem Schlusspfiff des Deutschlandspiels um 17.59 Uhr wurde der Beamer abgeschaltet, um 18 Uhr wurden die Stühle auf dem Podium besetzt – ohne Umschweife begann die Versammlung von Anwohnern der Potsdamer Allee und des Bäkedamms. Da schlugen, jedenfalls zeitweise, die Emotionen auch noch einmal hoch.

Der Beginn verlief aber unaufgeregt. Der Landkreis Potsdam-Mittelmark und die Gemeindeverwaltung Stahnsdorf informierten über die Einzelheiten des bevorstehenden Umbaus von Potsdamer Allee und Bäkedamm, jenes Straßenzuges, der seit Jahrzehnten eine Schneise in Stahnsdorf bildet und in seiner ganzen Breite nicht mehr gebraucht wird. Der Durchgangsverkehr zwischen Potsdam und Schönefeld verläuft jetzt über die neue Landesstraße 40. Für 10 500 Fahrzeuge innerhalb von 24 Stunden brauche man keine vier Fahrstreifen, da reichten zwei, sagen die Planer. Der Umbau soll am 9. Juli dort beginnen, wo Bäkedamm, Wilhelm-Külz- und Wannseestraße aufeinander treffen. Die gesamte Ausbaulänge erstreckt sich von dort über etwa 2500 Meter bis zur westlichen Ortsgrenze von Stahnsdorf.

Die Planung sieht den Rückbau der vorhandenen Fahrbahn auf nur noch einen Fahrstreifen pro Richtung vor, einschließlich Radfahrstreifen. Auf dem größten Teil des Streckenabschnitts entsteht ein teilweise überfahrbarer und ansonsten begrünter Mittelstreifen. Die Baumaßnahme umfasst zudem den Neubau des Regenwasserkanals, des südlichen Gehwegs und dreier kleiner Kreisverkehre. Außerdem werden die Beleuchtung erneuert und die Trinkwasserleitung ausgewechselt. Bis Ende Juli 2020 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Umbau kostet knapp 11 Millionen Euro

Die frühere Landesstraße 76 wurde im Januar 2016 vom Landkreis Potsdam-Mittelmark übernommen. Er ist jetzt Straßenbaulastträger der Potsdamer Allee und des Bäkedamms in Stahnsdorf.

Der Zustand der Fahrbahn ist schlecht. Zur Finanzierung der Baumaßnahmen waren langwierige Verhandlungen mit dem Landesbetrieb Straßenwesen nötig gewesen.

Die Gesamtkosten für alle Bauarbeiten werden mit knapp 11 Millionen Euro beziffert. Für den Landkreis liegen sie bei 8,5 Millionen Euro. Diese Summe wird zu 75 Prozent gefördert. Die Gemeinde Stahnsdorf ist mit 2,9 Millionen Euro dabei. Den Rest trägt der Wasser- und Abwasser-Zweckverband „Der Teltow“.

Informationen zu den jeweiligen Bauabschnitten und Sperrungen werden über die Homepage der Gemeinde Stahnsdorf und Handzettel an die Anwohner übermittelt.

Die Anwohnerversammlung am Mittwoch war bereits die zweite. Die erste fand im März 2017 statt. Viele der damaligen Anregungen seien berücksichtigt worden, versicherten die Planer. Trotzdem fehlte es in der Aula nicht an heftigen Missfallensbekundungen. Es sei eine Frechheit, schimpfte ein Anwohner, den Verkehr künstlich langsamer zu machen, indem man auf Haltestellenbuchten für die Busse verzichte, also hinter den haltenden Fahrzeugen warten müsse. Gegenargument der Planer: Für das problemlose Ein- und Aussteigen von mobilitätseingeschränkten Personen müsse der Bus exakt parallel an der Bordsteinkante halten können. Dazu müsse die Bucht fast 90 Meter lang sein, was zu Lasten der Stellplätze ginge, außerdem seien die dicht beieinander liegenden Grundstückseinfahrten ein Problem. Zudem gehen die Planer davon aus, dass mit dem Neubau der Landesstraße 77 und der Biomalzspange der Verkehr auf der Potsdamer Allee weiter abnehmen wird.

Die Gesamtkosten der Baumaßnahmen werden sich nach den aktuellen Berechnungen auf knapp elf Millionen Euro belaufen – deutlich mehr, als ursprünglich vorgesehen. Damit werden auch die Anliegerbeiträge steigen. Auf welche Höhe konnte Frank Piper, Fachbereichsleiter für Verkehrs- und Grünflächen in Stahnsdorf, noch nicht sagen. Aber nach den Sommerferien würden die Zahlen vorliegen. Angesicht der Kontroversen erkundigte sich ein Anwohner vorsorglich schon mal, ob es zur Konfliktlösung einen Mediator gebe. Nein, den gibt es nicht, aber jeden Montag um 9 Uhr stünde die Tür des Baubüros für die Anwohner offen.

Gewerbetreibende an der Potsdamer Allee in Stahnsdorf haben eine Initiative gestartet, mit der sie ihre Kunden auch während der Bauzeit halten wollen. Quelle: Stephan Laude

Linienbusse und Rettungswagen werden den Straßenzug auch während der Sperrung befahren können. Für alle anderen gilt: Umleitung. Der Durchgangsverkehr sollte den Bereich weiträumig umfahren. Dass die Anwohner auf ihre Grundstücke kommen müssen, ist klar. Es kann aber sein, dass sich auch die Entleerung der Mülltonnen etwas schwieriger gestaltet. Piper versprach, es werde alles versucht, das von manchen im Saal befürchtete Chaos zu vermeide. Bürgermeister Bernd Albers (Bürger für Bürger) fasste die Debatte – deren Konfliktlinien auch innerhalb der Anwohnerschaft verlaufen – mit der Bemerkung zusammen, es gebe für alles Argumente dafür und dagegen.

Der Umbau ist auch eine Herausforderung für die Gewerbetreibenden. Einige sehen sich wegen weniger Kundschaft in ihrer Existenz gefährdet. Vor diesem Hintergrund informierte der FDP-Gemeindevertreter Christian Kümpel über eine Gewerbeinitiative. Auf Aufklebern heißt es: „Ich kaufe lokal!“ Die Stahnsdorfer Gewerbe trügen zur Belebung des Ortes bei, die kurzen Wege für die Kunden müssten erhalten werden, die Kaufkraft dürfe nicht abwandern, so Kümpel. An dem Straßenzug befinden sich neben Supermärkten unter anderem ein Modehaus, ein Juwelier, ein Raumausstatter, Restaurants und Arztpraxen.

Von Stephan Laude

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