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Stahnsdorf Freunde ehren Heinrich Zille
Lokales Potsdam-Mittelmark Stahnsdorf Freunde ehren Heinrich Zille
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20:07 09.08.2018
Der Schauspieler Albrecht Hoffmann verkörpert den Berliner Grafiker, Maler und Fotografen Heinrich Zille. Quelle: Stephan Laude
Stahnsdorf

Auf dem Stahnsdorfer Südwestkirchhof wurde am Donnerstagvormittag Heinrich Zille geehrt. Anlass war der 89. Todestag des Künstlers. Mehr als 2000 Menschen sollen am 13. August 1929 zur Beisetzung gekommen sein, darunter Kurt Tucholsky, Käthe Kollwitz, Erich Mühsam und Otto Nagel. Zille erhielt neben seiner Frau Hulda, die er im Dezember 1883 in Fürstenwalde geheiratet hatte, ein Ehrengrab. 1970 wurde er auf Beschluss des (Ost-Berliner) Magistrats posthum zum Ehrenbürger ernannt.

Bei der Ehrung in Stahnsdorf war aber kein Vertreter des Landes Berlin dabei, was die Mitglieder des Heinrich Zille-Freundeskreises sehr bedauerten. Der Freundeskreis blieb – zusammen mit Schülerinnen und Schülern des Stahnsdorfer Zille-Horts – weitgehend unter sich. Dass sich Kultursenator Klaus Lederer (Linke) zur Eröffnung des Zille-Jahres am 10. Januar, dem 160. Geburtstag des Künstlers, im Berliner Zille-Museum eingefunden hatte, tröstete da nur wenig. Den Kranz der Zille-Freunde legte der Schauspieler Walter Plathe nieder, der im Anschluss nach Hamburg eilen musste, wo er gegenwärtig ein Theaterengagement hat.

Heinrich Zilles Grabstätte auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf. Quelle: Stephan Laude

Mit dabei am Grab war auch der Zille-Darsteller Albrecht Hoffmann, der – zumal kostümiert – seinem Vorbild bemerkenswert ähnlich sieht. Der Slogan, mit dem er für seine Auftritte wirbt: „Keine Destille ohne Zille“. Worte des Gedenkens sprach Zilles Urenkel Hein-Jörg Preetz-Zille, der von der Insel Usedom nach Stahnsdorf gekommen war. Er hob die große Verbreitung von Zilles Werk in unzähligen Publikationen hervor. Auf dem Südwestkirchhof sind auch Zilles Tochter Margarete und sein jüngster Sohn, Walter, beigesetzt. Hans, der ältere Sohn, fand im heutigen Polen seine letzte Ruhestätte. Das Grab gibt es aber nicht mehr.

Heinrich Zille gehört zu den bekanntesten Künstlern Berlins. Seine Kunst habe die Stadt geprägt und sei für das Verständnis der Berliner Geschichte von unschätzbarem Wert, hob der Freundeskreis hervor. Der „Pinselheinrich“ genannte Lithograf, Grafiker und Maler wirkte, was lange Zeit kaum Beachtung fand, auch als Fotograf. Seine Aufnahmen zählen heute auch im internationalen Maßstab zu den bahnbrechenden Leistungen der fotografischen Moderne. Wie mit seinen Zeichnungen konzentrierte sich Zille auch mit seinen Fotos nicht auf den Glanz der kaiserlichen Metropole, sondern auf den harten Lebensalltag der Menschen in den Hinterhöfen. Damit war er seiner Zeit weit voraus. Allerdings sah er in der Kamera eher einen „lichtbildnerischen Notizblock“ für seine grafischen Arbeiten.

2018 wurde zum Zille-Jahr erklärt

Der Heinrich-Zille-Freundeskreis, der zum Gedenken nach Stahnsdorf eingeladen hatte, unterhält im Berliner Nikolaiviertel, Probststraße 10, das Zille-Museum.

Die Einrichtung kämpft seit der Eröffnung 2002 um mehr öffentliche Anerkennung. Sie erhält keine Förderung vom Senat und wird ausschließlich privat finanziert.

In diesem Jahr waren bisher rund 6000 Besucher aus 42 Ländern im Zille-Museum in Berlin. Einige Gäste haben dem Freundeskreis Geschenke mitgebracht. Einen besonders langen Weg hatten die Mitbringsel aus New York: Briefe Zilles an den Kinderarzt Dr. Heinrich Harf.

Um die öffentliche Aufmerksamkeit zu erhöhen, ist das Jahr 2018 – zum 160. Geburtstag des Künstlers – zum Zille-Jahr erklärt worden.

Zille erarbeitete sich mit seinen humorvollen, oft sarkastischen und immer unverwechselbaren Bildern und Bildunterschriften aus seinem „Milljöh“ hohes Ansehen. Auf Vorschlag von Otto Nagel wurde er Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. Zugleich war er Patenonkel vieler Berliner Kinder. „Ich gebe Hungernden und Darbenden“, schrieb er in einem Brief.

So sehr Heinrich Zille auch mit seinen Werken aus dem Berliner Milieu verbunden wird, geboren wurde er im sächsischen Radeburg. Er war, wie die Stadtverwaltung dort informiert, Sohn des Uhrmachers Johann Traugott Zille und dessen Ehefrau Ernestine Louise, einer Bergmannstochter aus dem Erzgebirge. Der Vater sei zunächst Grobschmied gewesen, habe aber so viel handwerkliches Geschick und technische Begabung besessen, dass er es bald zum Uhrmacher, Goldschmied und Erfinder von Werkzeugen brachte.

Urenkel Hein-Jörg Preetz-Zille kam ebenfalls zur Ehrung nach Stahnsdorf. Quelle: Stephan Laude

An Heinrich Zilles Geburtshaus prangt eine Gedenktafel. Es gibt eine Heinrich-Zille-Straße – an der auch das Rathaus liegt – ein Hain, eine Schule und ein Radweg sind nach Zille benannt, ein Schulclub heißt Zille-Bunker. Eine Zille-Plastik gibt es auch. Es handelt sich um den Entwurf des Bronzestandbildes von Heinrich Drake, das in Berlin in der Nähe vom Märkischen Museum steht. Auf Radeburgs Internetseite erfährt man zudem: Radeburg ist „Heinrich-Zille-Stadt“ – alles in allem also viel Ehre für einen Künstler, der nur die ersten drei Jahre seines Lebens in seiner Geburtsstadt zu Hause war.

Am Grab von Heinrich Zille in Stahnsdorf legen Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt (r.) und Schauspieler und Zille-Darsteller Walter Plathe ein Blumengebinde zum 89. Todestag des berühmten Malers nieder. Quelle: Stephan Laude

Seine weitere Kindheit verbrachte Heinrich Zille den Radeburger Angaben zufolge in Potschappel, das heute zum nahe gelegenen Freital gehört. Heinrich Zilles Kindheit und Jugend sei nicht unbeschwert gewesen, heißt es: „Der Vater saß mehrmals im Schuldgefängnis und Gläubiger ängstigten die Familie so sehr, dass der junge Zille oft zur Großmutter gegeben wurde.

1867 flüchtete die Familie Zille vor den Schuldeneintreibern nach Berlin. Da war Zille also gerade mal neun Jahre alt. Folgende Frage steht im Raum: Hat der vielleicht berlinischste aller Künstler womöglich gesächselt? Nein hat er nicht! Wenn er in seinem Milieu war, hat er berlinert – aber nur dort. „In seiner Familie wurde feinstes Hochdeutsch gesprochen“, sagt Urenkel Hein-Jörg Preetz-Zille.

Von Stephan Laude

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