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Stahnsdorf Südwestkirchhof in Bewegung
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01:15 01.09.2018
Für die innere Sanierung des ehemaligen Automobilhauses muss der Südwestkirchhof selbst aufkommen, sagt Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt. Quelle: Linus Höller
Stahnsdorf

Aufwändige Arbeiten finden in den nächsten Jahren auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf statt: Mit 105 000 Euro jährlicher Unterstützung durch die Bundesregierung sollen erst das alte Automobilhaus, danach die zwei Holzhäuser am Eingang des Friedhofs sowie die norwegische Trauerkappelle saniert werden.

Mit mehr als zwei Millionen Quadratmetern gilt der Stahnsdorfer Südwestkirchhof als der zweitgrößte Friedhof Deutschlands und als der zehntgrößte der Welt. Dementsprechend vielfältig ist auch die Nutzung des Geländes, erklärt Friedhofsverwalter Olaf Ihlefeldt: „Es gibt neben den Gräbern und der Parkanlage auch einen Wirtschafts- und Wohnbereich.“ Er selbst lebe auch auf dem Friedhof. Denn schon vor hundert Jahren sei eine Wohnung für den Friedhofsleiter am Südwestkirchhof eingerichtet worden. Außerdem finden sich neben weiteren Wohnhäusern auch der Betrieb eines Metallbildhauermeisters und das Automobilhaus, an dem bereits die Sanierung läuft.

Die Wohnung im Obergeschoss des ehemaligen Automobilhauses war seit den 1980-er Jahren nicht mehr bewohnt. Quelle: Linus Hoeller

Bis in die 1970er-Jahre hinein entfernte man dort Eisen aus dem Wasser, mit dem sich der Friedhof damals noch selbst versorgen musste, während außen unter einem Vordach die Friedhofsfahrzeuge untergestellt werden konnten. Im Obergeschoss befand sich eine Wohnung, die aber seit den 1980er-Jahren leer steht und „in einem entsprechenden Zustand ist“, so Ihlefeldt. „Das Innere ist allerdings unser eigenes Problem.“ Die Zuwendung des Bundes dürfe nur für die Hülle des Gebäudes verwendet werden.

In das neu überarbeitete Gebäude kommt die Werkstatt einer Restauratorin des evangelischen Kunstgutarchivs inklusive Büro und Aufenthaltsraum. Außerdem sei eine Lagermöglichkeit für erhaltenswerte Schätze geplant. „Diese werden immer mal wiederentdeckt und dann dorthin gebracht“, ergänzt Ihlefeldt. Wie viel genau die Arbeiten insgesamt kosten, ließe sich noch nicht sagen. Genaue Details würden erst im September endgültig beschlossen werden. Die Schäden seien aber deutlich größer als angenommen. Allein die Bauarbeiten an der denkmalgeschützten Hülle des Hauses würden derzeit auf rund 100 000 Euro geschätzt.

Südwestkirchhof ist auch Heimat vieler Tierarten

Der Südwestkirchhof liegt zwar in Stahnsdorf, wurde aber 1909 von der Berliner evangelischen Kirchengemeinde eröffnet, als im Süd-Westen der Stadt die Begräbnisplätze knapp wurden.

Er wurde zur letzten Stätte vieler prominenter Berliner, so etwa Werner von Siemens, Heinrich Zille, Engelbert Humperdinck, Rudolf Breitscheid, Otto Graf Lambsdorff oder Lovis Corinth.

Die hölzerne Friedhofskapelle wurde 1908 bis 1911 nach dem Vorbild norwegischer Stabskirchen erbaut. Ihre hölzerne Inneneinrichtung, die Bemalung, die farbigen Jugendstil-Glasfenster und die Orgel von Wilhelm Sauer sind noch im Originalzustand erhalten.

Auf seinen 206 Hektar Fläche ist der Friedhof auch Heimat für viele, zum Teil bedrohte, Tiere. So finden sich hier etwa 40 Brutvogelarten, Dachse, Wildschweine, Rehe, Füchse, 211 Schmetterlings- sowie 310 holzbewohnende Insektenarten. Vier Fledermausarten leben vor allem in den Mausoleen und Gruften.

Die Sanierung soll sich aber nicht auf das alte Automobilhaus beschränken. Noch vor Jahresende sollen als nächster Schritt auch Bauarbeiten an den zwei gegenüberstehenden alten Eingangshäusern beginnen. Da gehe es unter anderem um die Wiederherstellung der ursprünglichen Eindeckung mit Dachziegeln. Auch für dieses Projekt müssen Eigenmittel verwendet werden. Der Förderverein stellt 10  000 Euro zur Verfügung.

Alles muss restauriert werden

In weiterer Folge soll „hoffentlich in den nächsten zwei Jahren“ mit der Sanierung der kleinen Trauerkapelle begonnen werden. Schon jetzt sei zu erwarten, dass dies ein aufwendiges Unterfangen sein wird. „Es muss eigentlich alles restauriert werden.“ In den 1970er-Jahren sei beispielsweise ein falsches Holzschutzmittel – nämlich Bootslack – aufgetragen worden. Man habe es ja gut gemeint, so Ihlefeldt. Hilfreich sei das heute nicht gerade. Des Weiteren hätten sich Ameisen, Holzwespen und andere Schädlinge im Holz eingenistet, und die Fundamente wären nach mehr als 100 Jahren mit Frost und Wetter auch sanierungsbedürftig.

Besondere Beachtung braucht natürlich auch die Bemalung an der Decke der Kapelle, die von einem Künstler ebenfalls restauriert werden soll. Ihlefeldt sieht den Aufgaben, die vor ihm stehen, gelassen, aber mit Vorfreude entgegen. „Man denkt, irgendwann hat man alles getan, aber am Friedhof gibt es immer wieder neue Sachen zu machen. Ich würde sagen: Hinter den Kulissen tobt hier auf dem Friedhof das Leben.“

Von Linus Höller

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