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Stahnsdorf: Mitarbeiter belasten Ex-Bauhofchef

Ominöses Tagebuch soll fristlose Kündigung rechtfertigen Stahnsdorf: Mitarbeiter belasten Ex-Bauhofchef

Im Verfahren gegen die Gemeinde Stahnsdorf zur fristlosen Kündigung des früheren Bauhofleiters setzte das Arbeitsgericht Potsdam am Dienstag die Beweisaufnahme mit der Zeugenvernehmung fort. Dabei wurde der Kläger Wolfgang Pfingsten durch die Anschuldigungen seiner ehemaligen Mitarbeiter fast selbst zum Angeklagten.

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Vor dem Arbeitsgericht in Potsdam geht das Verfahren zur fristlosen Kündigung des Stahnsdorfer Bauhofleiters im Mai mit einer weiteren Zeugenvernehmung weiter. Einen Vergleich hatte der Kläger erneut abgelehnt.

Quelle: dpa

Stahnsdorf. Nein, das war nicht der Wolfgang Pfingsten, der sich sozial in der Gemeinde engagiert, überregionale Radsportveranstaltungen organisiert und dazu auch Menschen mit Handicap und neuerdings Flüchtlinge einlädt. Der frühere Leiter des Stahnsdorfer Bauhofes, den seine ehemaligen Kollegen bei der Zeugenvernehmung am Dienstag der 5. Kammer des Arbeitsgerichtes Potsdam schildern, soll ein „Schreckensregime“ geführt und seine Mitarbeiter erniedrigt, schikaniert und bedroht haben. Dabei ist Pfingsten in diesem Gerichtsverfahren nicht der Angeklagte, sondern der Kläger. Er zieht gegen den fristlosen Rausschmiss durch Stahnsdorfs Bürgermeister Bernd Albers (Bürger für Bürger) vor Gericht.

Der sollte der Arbeitsrichterin Petra Eggebrecht Zeugen benennen, die bestätigen können, dass Albers handeln musste, um „Gefahren von den Mitarbeitern abzuwehren“. Den Hauptbeweis soll ein Tagebuch liefern, dass der Bauhofmitarbeiter Marco T. (Name geändert) geführt hatte. In den Aufzeichnungen beschreibt T. die Ausfälle seines Ex-Chefs gegen Kollegen, aber auch gegen Bürgermeister Albers („Den Bürgermeister müsste man hängen.“) sowie die Ängste und Depressionen der Mitarbeiter, die bei einem sogar zu Suizidabsichten geführt haben sollen. Pfingsten soll beispielsweise erfahren haben, dass sich ein Untergebener beim Personalrat über die Befugnisse des Chefs informiert hatte, und darauf hin über diesen Mitarbeiter geäußert haben: „Den Dicken lass’ ich pflastern, bis ihm der Arsch platzt.“ Seinen direkten Chef, den früheren Hauptamtsleiter Steffen Weickert, soll Pfingsten als „Weichei“ tituliert haben, der „keine Eier in der Hose“ habe. Ob T. sein Tagebuch wirklich lange vor dem Prozess begann, wie er beteuert, oder erst 2015 zu Prozessbeginn schrieb, wie Pfingstens-Anwalt Andre Appel vermutet, blieb ungeklärt.

Unverständlich war für die Kammer auch, warum T. sein Tagebuch der Vize-Bürgermeisterin Anja Knoppke übergab („Das war für mich eine Vertrauensfrage.“) und sich nicht direkt an den Bürgermeister wandte oder die Missstände im Bauhof konkret im Personalrat ansprach, dem er angehört.

Knoppke soll die Aufzeichnungen ohne weitere Rückfragen übernommen und nicht einmal gestutzt haben. Ob dies nicht ungewöhnlich sei, wollte sie vor Gericht nicht beurteilen. Weder das Tagebuch, noch ein zweites Schreiben aus dem Bauhof, das mit „Die Mitarbeiter“ anonymisiert war, hat die Vize-Bürgermeisterin nach eigenen Angaben auf den Wahrheitsgehalt überprüft. Ihr sei der Inhalt des Tagebuches schon „arbeitsrechtlich relevant“ erschienen. Konkrete Punkte dazu aus dem Heft konnte Knoppke in der Verhandlung nicht benennen. Dabei hatte sie für Albers wegen der fast unleserlichen Handschrift des Originals eine Abschrift angefertigt.

Pfingsten-Anwalt Appel weist erneut alle Vorwürfe gegen seinen Mandanten zurück und sieht die Gemeinde weiterhin in der Beweispflicht. Das Gericht setzt das Verfahren am 3. Mai mit einer weiteren Zeugenvernehmung fort.

Von Heinz Helwig

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