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Hepatitis: Vom Glück einer Heilung

Stahnsdorferin besiegt Krankheit Hepatitis: Vom Glück einer Heilung

Heute, am 28. Juli, ist Welt-Hepatitis-Tag. Ein Tag, den Eva-Christa Aurich aus Stahnsdorf bewusst begeht, denn die 74-Jährige litt jahrzehntelang unter der Infektion, die meiste Zeit, ohne überhaupt davon zu wissen. In Deutschland sind immer mehr Menschen davon betroffen, oft unerkannt. Mitunter endet die Krankheit tödlich, doch auch Hoffnung ist in Sicht.

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Eva-Christa Aurich aus Stahnsdorf litt viele Jahre an einer Hepatitis-Erkrankung. Die 74-Jährige kann das Glück der Heilung kaum beschreiben.

Quelle: dpa

Stahnsdorf. Die Diagnose Hepatitis C war für Eva-Christa Aurich ein Fluch, ihre Heilung empfindet sie als Wunder. Die 74-Jährige aus Stahnsdorf erfuhr 2002 bei einer Blutuntersuchung, dass sie mit den gefährlichen Viren infiziert ist. Vermutlich hatte sie sich Ende der 80er Jahre durch eine verunreinigte Blutkonserve angesteckt. „Von da an lebte ich mit der Angst vor Leberkrebs. Ich war mir sicher, das geht nicht gut aus“, sagt Eva-Christa Aurich. Darüber hinaus begann ein Spießrutenlauf. Verwandte wollten nicht mehr bei ihr essen, ein Zahnarzt verweigerte die Behandlung. Dabei wird Hepatitis C hauptsächlich durch Blut übertragen, die Ansteckung durch andere Körperflüssigkeiten ist sehr unwahrscheinlich.

Vor zwei Jahren erhielt Eva-Christa Aurich im Rahmen einer Studie am Berliner Virchow-Klinikum 24 Wochen lang das damals noch nicht zugelassene Präparat Harvoni. „Mir waren alle Mittel recht, um die Krankheit loszuwerden“, erinnert sich die 74-Jährige. Und tatsächlich: Bald schon waren die Hepatitis-Viren bei ihr nicht mehr nachweisbar. „Das Glück der Heilung kann ich nicht beschreiben. Ich war tränenüberströmt vor Freude“, sagt sie.

Hepatitis ist eine stille Volksseuche

Jetzt will die Rentnerin anderen Betroffenen Mut machen. Bis zu einer Million Menschen sind bundesweit mit Hepatitis-Viren infiziert, aber nur jeder fünfte weiß etwas davon. Es ist eine stille Volksseuche. Die chronische Virushepatitis kann zu Spätfolgen wie Leberzirrhose und Leberkrebs führen und damit tödlich enden. Die Weltgesundheitsorganisation WHO will mit dem Welt-Hepatitis-Tag – er wird heute am 28. Juli begangen – auf diese Bedrohung aufmerksam machen.

Hepatitis E ist auf dem Vormarsch

Ärzte diagnostizieren in Deutschland zunehmend mehr Hepatitis E-Fälle. 2014 wurden 670 dieser Lebererkrankungen gemeldet. Das sei im Vergleich zu 2013 ein Plus von mehr als 46 Prozent, teilte das Berliner Robert Koch-Instituts mit. Die Tendenz sei klar steigend. Hintergrund sei in Europa allerdings nicht eine rasant ansteigende Verbreitung der Erreger, sondern eine verbesserte Diagnostik sowie eine höhere Sensibilität der Mediziner.

Hepatitis E galt lange Zeit als eine aus Asien und Afrika importierte Infektionskrankheit. Dort wird der Erreger hauptsächlich durch verunreinigtes Trinkwasser übertragen.

Die Viren wurden erst 1983 von einem russischen Forscher entdeckt. Später konnten andere Wissenschaftler eine Epidemiewelle in Indien, die 1955 insgesamt 30 000 Erkrankungen verursachte, auf Hepatitis E zurückführen. Der Rückschluss: Es ist wohl keine ganz neu aufgetretene Krankheit.

Geschätzt 20 Millionen Menschen infizieren sich jährlich in Afrika und Asien mit dem Virus. Experten gehen davon aus, dass viele Leute eine Hepatitis E-Infektion durchmachen, ohne es zu wissen, denn häufig verlaufe die Infektion mit nur leichten Beschwerden.

Oft beginnt die Krankheit mit unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit und Gliederschmerzen, es kann aber auch zu Fieber und Gelbsucht kommen. Zumeist klingen die Beschwerden innerhalb von Wochen ab. Noch häufiger hat die Infektion gar keine Krankheitszeichen.

Die akute Hepatitis E ist jedoch alles andere als harmlos und kann zu tödlichem Leberversagen führen. Man geht in Afrika und Asien jährlich von bis zu 65 000 Todesfällen aus. Eine Gefahr besteht bei Vorschäden der Leber, Immungeschwächten wie Krebspatienten in der Chemotherapie oder in der Schwangerschaft.

In Deutschland galt Hepatitis E lange Zeit als eine bei Reisen erworbene Krankheit. Wissenschaftler fanden erst vor einigen Jahren heraus, dass es diesen Erreger hier vermutlich schon seit langer Zeit gibt. Die Übertragung läuft hier aber nicht fäkal-oral über das verunreinigte Trinkwasser, sondern über den Verzehr von kontaminierten Schweine- und Wildfleisch.

In Europa treten andere Genotypen des Erregers auf, die in der Regel nur vom Tier auf den Menschen übertragen werden (nicht wie in Afrika/Asien von Mensch zu Mensch). Die Mehrzahl der in Europa auftretenden Hepatitis E-Erkrankungen sind also nicht eingeschleppt, sondern hier erworben.

Was hilft? – Strikte Hygiene. Es sollte nur gut durchgebratenes oder gegartes Fleisch gegessen werden. Nach Tierkontakten sollten stets die Hände gründlich gereinigt werden.

Nur ein Drittel der Hepatitis-Infizierten entwickelt eine Gelbsucht als Folge einer Lebererkrankung, ein Drittel hat Grippe-Symptome, ein weiteres Drittel spürt gar nichts. Auch Eva-Christa Aurich lebte vermutlich länger als ein Jahrzehnt mit der infektiösen Leberentzündung, ohne dass sie etwas bemerkte. Der Leberspezialist Michael Manns von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) sagt: „Jeder Patient mit erhöhten Leberwerten sollte sich testen lassen.“ In der Vergangenheit konnte rund die Hälfte der Hepatitis-C-Patienten mit der Standardthearpie Interferon plus Ribavirin geheilt werden. Wegen der starken Nebenwirkungen kam das Medikament jedoch nicht für alle Betroffenen in Frage. Doch dann begann eine Therapie-Revolution: Begleitet von weltweiten Studien wurden binnen eines Jahres bis Januar 2015 sieben neue Mittel gegen Hepatitis C zugelassen. „Die MHH hat an der Entwicklung aller sieben mitgewirkt“, sagt Manns. „Die Heilungsraten der neuen Medikamente liegen bei über 90 Prozent.“

Leberkrebsfälle können drastisch verringert werden

Den Forschern gelang es, den Lebenszyklus des Virus in der Leberzelle aufzuschlüsseln. „Die Frage war: An welchen Schlüsselstellen kann man mit kleinen Molekülen den Lebenszyklus des Virus unterbrechen?“ Dafür seien drei Stellen geeignet. „Die Protease, die Polymerase und das NS5A-Protein. Das NS5A-Protein ist ein Protein des Virus selbst, das für die Vermehrung und Reifung der Viren erforderlich ist.“ Die Behandlung mit den neuen Medikamenten dauert acht bis 24 Wochen. Die Kosten liegen Manns zufolge zwischen 44000 und 60 000 Euro und konnten im Vergleich zu 2014 um etwa die Hälfte gesenkt werden. Die Kostenträger verhandelten mit den Herstellern über Kostenreduktion und Rabattverträge, sagte Manns. Zunächst hatten die Krankenkassen wegen der hohen Kosten zögerlich auf die neuen Mittel reagiert. Die Initiative „Hepatitis C eliminieren“ wirbt dafür, dass mehr Menschen ihre Leberwerte testen lassen und frühzeitig eine Therapie beginnen. Langfristig könnten so die Zahl der Leberkrebsfälle drastisch verringert werden.

Von Christina Sticht

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