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Potsdam-Mittelmark Stammbahn-Befürworter wehren sich
Lokales Potsdam-Mittelmark Stammbahn-Befürworter wehren sich
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19:20 04.07.2017
Der Maler Adolph von Menzel hielt die „Stammbahn“ auf ihrer Fahrt von Berlin nach Potsdam fest. Die Strecke gibt es seit 1838. Quelle: Privat
Kleinmachnow

Im Streit um den Wiederaufbau der Stammbahnstrecke von Potsdam nach Berlin hat sich die Kleinmachnower „Bürgerinitiative Stammbahn“ jetzt gegen Kritik von Trassenanwohnern gewehrt. „Es ist schon unter der Gürtellinie, wenn behauptet wird, dass wir Güterverkehr auf die Strecke holen wollen“, sagte Jens Klocksin zur MAZ. Der ehemalige SPD-Landtagsabgeordnete ist seit vielen Jahren in der Bürgerinitiative aktiv. Ihm und seinen Mitstreitern war vorgeworfen worden, dass die Stammbahnstrecke, die nach 1945 abgebrochen wurde, vorrangig als Fernbahnlinie mit Güterverkehr geplant sei. Das würde enorme Lärmbelastungen für den Norden Kleinmachnows bedeuten, wo die Züge ohne Halt vorbeifahren würden. Sinnvoller sei eine S-Bahn-Verlängerung von Teltow nach Stahnsdorf.

„Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun“, sagt Klocksin. Die S-Bahn-Verlängerung sei sicherlich sinnvoll, für Kleinmachnow aber wenig ertragreich. Es sei deshalb im Moment absolut richtig und notwendig, dass die Gemeinde Kleinmachnow, wie es in den Gremien derzeit diskutiert werde, zunächst einmal die Trasse der Stammbahn von Bebauung frei halte. Wenn es dann in der Zukunft zum Neubau der Strecke komme, werde es ein Planfeststellungsverfahren geben müssen, das den Lärmschutz beinhalte. „Wer jetzt aber Ängste in der Bevölkerung schürt, dass der Krach unerträglich sein wird, handelt populistisch“, so Kocksin. Der ehemalige Landtagsabgeordnet stellte zudem klar, dass die Stammbahn nicht im Bundesverkehrswegeplan auftauche. „Fernzüge und schon gar Güterzüge dürfen hier also gar nicht fahren, außer im Havariefall auf der Hauptstrecke, was aber sehr selten vorkommt.“ Vielmehr gehe es ausschließlich um den Regionalverkehr. „Und da rate ich allen Kritikern, über den Kleinmachnower Tellerrand hinauszuschauen.“ Denn, so Klocksin, das Fahrgastaufkommen in den Regionalbahnen zwischen Brandenburg (Havel), Werder und Potsdam nehme bis 2030 um 20 Prozent zu. Das sei auf den jetzt bestehenden Linien nicht zu schaffen. „Wir brauchen die Stammbahn als zweite Hauptstrecke in Ost-West-Richtung, damit die Menschen aus dem Umland nach Berlin zur Arbeit fahren können.“

Intervention dreier Bürgermeister

Diese Entwicklung sehen auch die Oberbürgermeister von Potsdam und Brandenburg (Havel), Jann Jakobs (SPD) und Dietlind Tiemann (CDU), die gemeinsam mit Werders Bürgermeisterin Manuela Saß (CDU) bereits im Januar den Wiederaufbau der Stammbahn beim Bundesverkehrsministerium angemahnt hatten. Die Forderung stieß dort auf offene Ohren. „Durch die Reaktivierung der Potsdamer Stammbahn könnte ein Teil des dichten Regionalverkehrs aus Brandenburg über Potsdam nach Berlin in den Nord-Süd-Fernbahntunnel geführt werden, der über freie Kapazitäten verfügt“, so der Parlamentarische Staatssekretär Enak Ferlemann in einem Antwortbrief vom 12. April. Ferlemann mahnte an, dass nun die Länder Berlin und Brandenburg ein Konzept zur Realisierung der Strecke erstellen müssten, damit der Bund Fördermittel für den Bau zur Verfügung stellen könne. Denn für den Regionalverkehr sind die Bundesländer zuständig.

Für Jens Klocksin ist dabei entscheidend, dass es auf der Höhe Kleinmachnows einen Haltepunkt für die Regionalbahn geben muss. „Das ist die Grundlage unseres jahrelangen Engagements und wer anderes behauptet, der lügt.“ Niemand wolle, dass die Regionalbahnen an der Gemeinde vorbeirauschen, vielmehr biete sich mit einem Haltepunkt endlich die Chance, auf der Schiene nach Berlin und Potsdam zu kommen.

Informationen am 1. August

Wer sich über das Thema informieren möchte ist eingeladen zum nächsten „Stammbahn-Tisch“ am Dienstag, dem 1. August, von 18.30 bis 20.30 Uhr, im Eiscafé Kleinmachnow, Uhlenhorst 2/Ecke Karl-Marx-Straße. Die „Bürgerinitiative Stammbahn“ präsentiert sich auch am 15. Juli ab 16 Uhr auf dem Kleinmachnower Rathausmarkt im Rahmen des Sommerfestes der SPD.

Von Jürgen Stich

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