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Standesämter wollen kooperieren

Zu wenig Personal Standesämter wollen kooperieren

Die Zusammenarbeit zwischen der Stadt Bad Belzig und der Gemeinde Wiesenburg/Mark ist aus der Not geboren: Doch sie entwickelt sich ausgerechnet bei den Standesämtern. Wobei die gegenseitige Vertretung bei den Trauungen erst noch organisiert werden muss. Wohl aber gibt es schon Möglichkeiten, die Bürokratie praktisch zu erledigen.

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Viel Arbeit: Bärbel Kühne ist Standesbeamte in Bad Belzig.

Quelle: Uwe Klemens

Bad Belzig/wiesenburg. Womöglich ist es ja der Beginn von mehr als nur Partnerschaft. Die Verwaltungen der Stadt Bad Belzig und der Gemeinde Wiesenburg/Mark rücken jedenfalls ab sofort enger zusammen. Sie haben nämlich die Zusammenarbeit im Personenstandswesen vereinbart – ausgerechnet das Miteinander der Standesämter.

Mit einer entsprechenden Bitte hatte sich Marco Beckendorf (Die Linke) an das Rathaus in der Kur- und Kreisstadt gewendet. Denn in der Gemeinde Wiesenburg/Mark gibt es mit Monika Dorbritz und Gisela Zehnsdorf derzeit zwar zwei Standesbeamte auf 1,5 Stellen. Wegen Urlaub oder Krankheit kam es jedoch zuletzt häufig zum personellen Engpass. Zwar hat der Bürgermeister selbst schon die Weiterbildung zum Standesbeamten in Betracht gezogen. Die Schulung wäre binnen zwei Wochen in einer westdeutschen Bildungsstätte zu absolvieren, müsste aber unter anderem mit regelmäßigen Trauungen quasi stetig aufgefrischt werden. Unwahrscheinlich beim Verwaltungschef. Zumal die Zeremonielle bei Eheschließungen nur einen kleinen Teil der Arbeit ausmachen.

Wiesenburg: Nur noch 1,5 Stellen

Die Fachkräfte sind in den Rathäusern quasi die Notare des Bürgers. Sie nehmen Geburten und Todesfälle auf, prüfen die Ehe- oder Adoptionsfähigkeit und kümmern sich um Fragen der Namensführung. Wollen Eltern ihrem Nachwuchs einen außergewöhnlichen Namen geben, sind es Standesbeamte, die entscheiden, ob das geht. Und um die Bürokratie geht es unter anderem. Da die Daten nicht mehr in Büchern, sondern seit fünf Jahren im elektronischen Zentralregister Cottbus gespeichert sind, können die Anliegen – befristet und gegen Abrechnung – durchaus und ab sofort vom Schreibtisch in Bad Belzig bearbeitet werden, heißt es. Oder in Michendorf. Mit der dortigen Verwaltung gab es schon zeitweise Kooperationen. Die Gemeinde Wiesenburg/Mark war sie eingegangen, weil es in den Nachbarkommunen gerade keine Kapazitäten gab.

Heiraten liegt im Trend

In Wiesenburg haben vergangenes Jahr 28 standesamtliche Eheschließungen stattgefunden (2014 waren es 16).

In Bad Belzig heirateten 2015 120 Paare – 85 im Festsaal auf Burg Eisenhardt und 35 in der Waldkapelle an der Reha-Klinik „Hoher Fläming“.

Trauorte sind die Orangerie und der Rittersaal im Schloss.

34 davon waren Einheimische, 24 aus Berlin, zwei aus der Schweiz.

Nun allerdings ist Bad Belzig, wo im Jahr viermal so viele Hochzeiten stattfinden wie in der „Perle des Flämings“ die erste Wahl zum Abschluss einer „Vereinbarung über die Notfallabordnung. Langfristig könnte daraus ein öffentlich-rechtlicher Vertrag über die interkommunale Zusammenarbeit entstehen“, erklärt die Wiesenburger Kämmerin Kornelia Feldmann. Laut Hannelore Klabunde-Quast (parteilos) wird das Standesamt in Bad Belzig gerade aufgestockt. Daniela Schär soll nach der Qualifizierung als dritte Standesbeamtin neben Bärbel Kühne und Annika Feuerherdt zum Einsatz kommen, so die Bürgermeisterin. Frühestens danach könnte unter Umständen einer aus dem Trio die Eheschließung in Wiesenburg vertretungsweise übernehmen. Oder die Kolleginnen von dort mal in der Kur- und Kreisstadt aushelfen.

Hendrik Hänig (SPD) mutmaßt, dass die Beziehung eher einseitig ausfällt. „Zum einen ist es nicht der erste Hilferuf aus der Gemeinde Wiesenburg/Mark, wobei nicht klar ist, ob es auch einen Ausgleich von dort geben wird“, beklagte der Fraktionsvorsitzende. „Zum anderen haben sich ja die hiesigen Mitarbeiter gewiss nicht gelangweilt.“ Mit seinem Misstrauen blieb er in der Stadtverordnetenversammlung allein, sorgte aber zumindest dafür, dass nicht der Eindruck eines bedingungslosen Eheversprechens der Kommunen zueinander entstand.

Von René Gaffron

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