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Stolz auf 67 Jahre Fahrpraxis

Kemnitz Stolz auf 67 Jahre Fahrpraxis

Der Kemnitzer Heinz Kuhlmey steuert sein Auto auch mit 89 Jahren noch sicher zum Einkauf und hält sich fit mit Verkehrsschulung und Sport in der Frauengruppe. Er wünscht sich, dass noch vielmehr Senioren die Verkehrskurse für Senioren besuchen.

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Heinz Kuhlmey hat den Fahrspaß bis heute nicht verloren.

Quelle: Greiner

Kemnitz. Wenn Heinz Kuhlmey in sein geliebtes Auto einsteigt, fühlt er sich gar nicht wie 89 Jahre. Schließlich hat er 67 Jahre Fahrpraxis. „Das sollen andere erst mal vorweisen“, sagt der Ur-Kemnitzer mit einem verschmitzten Lächeln. Aber er überlässt nichts dem Selbstlauf, hält sich fit für seine Ausflüge und Einkaufsfahrten am Steuer. „Ich gehe regelmäßig zu den Veranstaltungen des ADAC und des Deutschen Verkehrssicherheitsrates unter dem Motto ,Sicher mobil’, die speziell für ältere Verkehrsteilnehmer gedacht sind“, sagt Kuhlmey. Für ihn sind die Ausfahrten offenbar wie ein Lebenselixier und zugleich Erinnerung an alte Zeiten. Die Kurse in Werder möchte er nicht mehr missen. „20 Leute sind bestimmt immer dabei, viele sind jünger als ich. Das Angebot ist wirklich eine gute Sache, sollte von älteren Fahrern noch viel mehr genutzt werden. Man bleibt auf dem Laufenden, schult Aufmerksamkeit und lernt, sich nicht selbst zu überschätzen.“ Und wenn der Opa nicht in der Schulung sitzt, turnt er in der Frauensportgruppe mit und fühlt sich wie der Hahn im Korb.

Doch lange vor dem Fahrvergnügen ging der junge Kuhlmey bei einem Kaufmann in die Lehre. „Ich sammelte erste Erfahrungen im Einzelhandel im Geschäft in der Potsdamer Burgstraße. Im Sommer 1944 musste er zum Arbeitsdienst anrücken. Dazu gehörte, regelmäßig den Schießstand putzen. Der freiwillige Gang zur Marine setzte dem ein Ende. „Und dann kam der Kessel von Halbe, wo ich schwer am Kopf verletzt wurde. Bei Kämpfen im Schlaubetal habe ich zwei Finger verloren. Doch ich rappelte mich immer wieder auf“, erinnert sich der rüstige Senior. Nach dem Krieg gab es für ihn kein anderes Ziel als Kemnitz, wo er geboren wurde und aufgewachsen war. Er half trotz der Kriegswunden der Großmutter in der Landwirtschaft in Derwitz, bevor er eine Arbeit im Pass- und Meldewesen erst in Wiesenburg, dann in Michendorf und schließlich in Werder annahm. Auch die Zeit bei der Handelsorganisation in Potsdam, wo er in der Jugendverkaufsstelle Brandenburger-/Ecke Jägerstraße Brot, Butter, Eier und Milch verkaufte, hat sich in seinem Gedächtnis fest eingeprägt.

Doch so richtig in seinem Element fühlte sich Heinz Kuhlmey erst, als er 1950 den Führerschein in der Tasche hatte. Und dann fast alles fuhr, was vier Räder hatte – mal den Laster oder Kleinbus für die LPG, mal den Linienbus in Werder. Nach 48 Arbeitsjahren war es für ihn an der Zeit, in Rente zu gehen. Seinen kleinen Haushalt führt er heute zum größten Teil alleine. Vier Kinder, sechs Enkel und vier Urenkel bringen beim Besuch immer frischen Wind ins Haus. „Gelangweilt habe ich mich in meinem Dorf noch nie. Wenn ich was erleben will, setzte ich mich in den Reisebus und fahre ins Blaue, nach Kärnten oder Rügen“, strahlt der Mann und scheint sich auf die nächste Fahrt zu freuen – auch wenn er selbst nicht am Steuer sitzt.

Von Regine Greiner

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