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Storchenklappern in Bad Belzig

Sagenumworbenes Tier zurück in Bad Belzig Storchenklappern in Bad Belzig

Wachablösung in Sachen Kindersegen. Während das Aus für die Geburtenstation der Bad Belziger Bergmann-Klinik nun wohl endgültig besiegelt wurde, feiert zur gleichen Zeit der sagenumwobene Klapperstorch seine Rückkehr. Familie Adebar hat in der Kur- und Kreisstadt Bad Belzig ein gutes Sommerquartier gefunden. Die Nachbarn sind von den Tieren fasziniert.

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Das edle Federvieh im Blick behalten: Paul Strienitz schaut oft nach den fliegenden Sommergästen, die sich in Bad Belzig wohlfühlen.

Quelle: U. Klemens

Bad Belzig. Beinahe unbemerkt von der Öffentlichkeit lassen seit Mitte April vis-à-vis des Rathauses Adebar und sein Frauchen die Schnäbel klappern. Auch ohne Geburtenstation haben sie ihren Nachwuchs zur Welt gebracht. Wenn Herr oder Frau Adebar dieser Tage mit frischem Futter aufs Nest flattern, recken sich ihnen zwei Minischnäbel entgegen.

„Schon als wir 2009 die ehemalige Bäckerei Lüdecke in der Straße der Einheit erworben haben, gab es regelmäßig bis zu sechs Störche, die auf der Suche nach einem Nistplatz waren“, erinnert sich Zimmermann Thomas Schulz. Das Siedlungsprojekt auf dem Schornstein eines Nachbargehöftes scheiterte mehrfach, weil der Kamin zu dieser Zeit noch in Betrieb war.

Nest in 17 Metern Höhe

Im Sommer 2013 ergriff Schulzes Freund Burkard Müller die Initiative und besorgte vom Naturschutzbund einen vorgefertigten Storchenhorst. Denn die Idee, den Schornstein des ehemaligen Backhauses auf dem eigenen Hof zum Storchenquartier zu machen, hatte Thomas Schulz schon mehrfach im Freundeskreis diskutiert.

Ein Mann, ein Wort – aber wie das wuchtige Nest in 17 Meter Höhe bugsieren? Erneut standen die Freunde nicht nur mit Rat, sondern mit Tat zur Seite. Während Dirk Moritz eine Nestunterlage zusammenschweißte, baute Thomas Schulz mit den anderen die Rüstung auf, über die sie das Weidengeflecht dann empor hievten. „Das war eine ganz schön wackelige Angelegenheit“, blickt Schulz auf die Aktion zurück. Einen Tag später fuhr er mit seiner Lebensgefährtin Claudia Frenzel und den gemeinsamen Kindern in den Urlaub. Und eine knappe Woche darauf erreichte ihn der Anruf von seiner Schwester: „Auf eurem Horst machen die ersten Jungstörche schon Probe sitzen.“

Neue Quartiergäste

Als die Familie aus dem Urlaub zurückkam, war das Storchennest bei den Nachbarn noch immer das Thema Nummer 1. Dass die neuen Quartiergäste im nächsten Jahr wiederkommen mögen, war die gemeinsame Hoffnung.

Und sie wurden nicht enttäuscht. Am 6. April ließ sich damals Gevatter Storch nieder, zwei Tage später kam die Gevatterin. Zwei der drei Jungen überlebten den nasskalten Frühsommer leider nicht. Das orangefarbene Storchenbüchlein, das Thomas Schulz führt, verzeichnet auch deren Tod.

Der Storch als Star

Die Idee, Störchen mittels Webcam ins Nest zu schauen, ist beinahe so alt, wie das Internet. Die Anzahl installierter Kameras geht alleine in Deutschland in die Hunderte.
Die bekanntesten Brandenburger Storchencams stehen in Vetschau, Altlandsberg, Ratsdorf und Rühstädt.
Im Land Brandenburg gab es die erste aufgezeichnete Storchenankunft in diesem Jahr bereits Ende Februar im Westhavelländischen Garlitz. uk

Umso größer deshalb die Freude, als in diesem Jahr am 11.April Punkt 18.30 Uhr erneut Storchengeklapper vom luftigen Sommerquartier ertönte. Ilse und Paul Strienitz auf dem Nachbargrundstück waren die ersten, die die Heimkehrer entdeckten und seither regelmäßig den Flugbetrieb beobachten. „Wir hatten schon gebangt, dass sie nicht wiederkommen würden“, sagt Ilse Strienitz. „Hoffentlich finden sie in diesem Jahr trotz der großen Trockenheit genug Futter, damit die Jungen diesmal durchkommen“, bangte sie seit dem Schlüpfen der drei Jungvögel.

Tod in der Dachrinne

Umso trauriger waren alle Beobachter, dass einer der drei die Trockenperiode der vergangenen Wochen und den anschließenden, mehrtägigen Dauerregen nicht überlebte. Am vorletzten Wochenende lag er tot in der Dachrinne.

„Nistende Störche in Belzig hat es zuvor noch nie gegeben“, glaubt Paul Strienitz zu wissen. „Jetzt bleiben viele Touristen stehen, um nach den Störchen zu sehen. Für die Stadt ist das eine echte Attraktion.“

Nicht nur die Gäste, sondern auch die Einheimischen haben Thomas Schulz und Claudia Frenzel mit einer weiteren Idee im Blick. Mittels einer Kamera und eines Monitors können die Besucher seit wenigen Tagen in der Teestube, die Claudia Frenzel im Vorderhaus betreibt, das Familienleben von Familie Storch künftig live mitverfolgen.

Mit Besuchern aus der Chefetage des Bad Belziger Krankenhauses hätte Thomas Schulz dabei sicher schnell ein gemeinsames Thema. „Denn die Störche wären ein schönes Omen für den Erhalt der Geburtenstation gewesen.“ Doch damit hatten die Klinik-Entscheider nichts im Sinn.

Von Uwe Klemens

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