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Potsdam-Mittelmark Straßenmeisterei: Erste Azubine seit 24 Jahren
Lokales Potsdam-Mittelmark Straßenmeisterei: Erste Azubine seit 24 Jahren
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00:21 30.09.2017
Großvater und Enkelin? Nein, hier posieren der Senior-Ausbilder der Bad Belziger Straßenmeisterei, Wilfried Müller (l.) und seine erste Azubine seit 24 Jahren. Quelle: Josephine Mühln
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Bad Belzig

Paulina Block ist kein Püppchen. Eine Ausbildung zur Friseurin? „Auf keinen Fall“, sagt die 16-Jährige lachend und macht einen abwehrende Handbewegung. Praktisch sollte es sein. An der frischen Luft, anstatt den ganzen Tag im Büro.

Fündig geworden ist das junge Mädchen in der Straßenmeisterei Bad Belzig. Dort hat Paulina Block am 1. August ihre Ausbildung zur Straßenwärterin begonnen – als einziges Mädchen. Und damit nicht genug: Block ist die erste Auszubildende in den nunmehr 24 Jahren, die die Meisterei schon als Ausbildungsbetrieb tätig ist. Bisher hatten sich nur Jungs an den Beruf rangetraut.

„Es läuft wie ein Länderspiel mit ihr“, lobt Meisterei-Chef Wilfried Müller. „Ich lege Wert darauf, dass sie nicht nur durchzieht, sondern auch das Miteinander mit den männlichen Kollegen klappt.“ Müller gibt zu, dass er erst skeptisch war, ein Mädchen die Ausbildung beginnen zu lassen. Er habe dann aber eingelenkt.

Paulina Block (16) aus Lütte wird bei ihrer Ausbildung zur Straßenwärterin nicht geschont. Wie auch die Männer, muss sie mit schwerem Gerät wie dem Freischneider umgehen können - und meistert alle Aufgaben souverän. Quelle: Josephine Mühln

„Für die Männer ist es am Ende auch gut, dass mal eine Frau dabei ist. Sie müssen sich darauf einstellen und können nicht immer so den Larry raushängen lassen“, sagt Müller mit einem Augenzwinkern. Die Entscheidung für Paulina sei am Ende also sehr bewusst und vor allem gemeinsam mit dem Landesbetrieb Straßenwesen getroffen worden.

Die frischgebackene Azubine hat sich ihrerseits ebenfalls ins Zeug gelegt, um die Herren der Schöpfung von sich zu überzeugen. Sie war nicht nur beim Berufsorientierungstag der Meisterei, sondern auch beim Zukunftstag sowie einem Schnuppertag, den ihre Schule organisiert hatte. Zweifel hatte Paulina dann trotzdem. „Ich wollte mich erst nicht bewerben, weil ich dachte, ich schaffe den Einstellungstest eh nicht“, gibt sie zu.

Dass sie ihre Bedenken dann doch über Bord geworfen hat, hat Paulina Block nicht bereut. „Ich kenne die Zusammenarbeit mit vielen Männern ja von der Feuerwehr und die Kollegen hier sind lustig drauf.“ Die anfängliche Zurückhaltung sei mittlerweile weniger geworden. Und wenn Paulina doch mal an ihre Grenzen kommt – weil Sachen noch zu schwer oder zu groß sind – dann helfen ihr die männlichen Kollegen gern.

Anspruchsvoller Beruf – mit anstrengenden Arbeiten

„Entscheidend ist, dass jemand wirklich will“, sagt auch Ausbilder Candy Schulze. „Das Engagement bei Paulina ist da – und das merken die Kollegen.“ Schulze weiß, dass längst nicht jedes Mädchen die Ausbildung zur Straßenwärterin beginnen könnte. Der Beruf sei anspruchsvoll und in den vergangenen Jahren immer technischer geworden. Auch sei die Arbeit körperlich anstrengend. „Und man muss auch schauen, ob die Bewerber psychisch für den Beruf geeignet sind. Sie arbeiten immerhin an der Straße bei fließendem Verkehr.“

Verkehrsinseln säubern, mit dem Freischneider die Schutzplanken freimähen, Leitpfosten richten und Verkehrszeichen kontrollieren – Paulina hat in ihren ersten Wochen schon kräftig mit angepackt. „Sie soll nicht geschont werden und die Kollegen merken, dass sie sich nicht unterkriegen lässt“, lobt Candy Schulze seine Azubine.

Eigene Umkleide, eigene Dusche

Er ist froh, dass die Lütterin unkompliziert an die Alltagssituationen inmitten der Männer rangeht. Dass sie sich beispielsweise während eines Arbeitseinsatzes umziehen muss. „Das muss ich bei der Feuerwehr ja auch machen“, sagt Paulina schulterzuckend und lacht. „Nur so geht es auch, wenn man es locker angeht“, ergänzt Schulze, der seit 15 Jahren ausbildet. „Und hier in der Meisterei hat sie ja ihren eigenen Umkleideraum, ihre eigene Dusche.“

Dass in den vergangenen Jahren immer Jungs die Ausbildung in Bad Belzig begonnen haben, liegt auch daran, dass sich nur wenig Frauen beworben haben. „Daher war keine in die engere Auswahl gekommen“, erinnert sich Schulze. Was Paulina betrifft, sind sich er und Wilfried Müller einig: „Sie ist eine Bereicherung – wir sind froh, dass wir uns für sie entschieden haben.“

Von Josephine Mühln

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