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Streit um Asyl-Hotel wird Fall für die Gerichte

Michendorf Streit um Asyl-Hotel wird Fall für die Gerichte

Der Landkreis will im Michendorfer Sensconvent-Hotel Flüchtlinge unterbringen und hat dafür einen Vertrag abgeschlossen. Allerdings bahnt sich ein Rechtsstreit an, der den Einzug verzögern dürfte. Der jetzige Hotelbetreiber will sich gegen die Kündigung seines Pachtvertrags wehren. Von den Plänen für sein Hotel hat er durch einen MAZ-Anruf erfahren.

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Betreiber Karsten Dreger hatte das Hotel 2012 neu eröffnet.

Quelle: J. Steglich

Michendorf. Der Streit um die Unterbringung von Flüchtlingen im Sensconvent-Hotel in Michendorf wird endgültig zu einem Fall für die Gerichte. Der Hotel-Betreiber will sich mit allen Mitteln gegen die Kündigung seines Pachtvertrags wehren. „Ich werde mich als ordentlicher Kaufmann nur einem Gerichtsurteil beugen“, sagte Karsten Dreger, Geschäftsführer der Sensconvent-Hotel Michendorf GmbH. Er betonte zugleich, es gehe hier nicht darum zu verhindern, dass Flüchtlinge über den Winter eine warme Unterkunft bekommen. „Ich wehre mich gegen die Art und Weise, wie mit einem Hotel, das in Betrieb ist und 31 Mitarbeiter hat, umgegangen wird“, so Dreger. Er erwägt auch, Schadenersatzansprüche geltend zu machen. Durch das öffentliche Hickhack seien bislang Stornierungen im Umfang von 50.000 Euro eingegangen. Kunden hätten Goldene Hochzeiten und Tagungen abgesagt. „Sämtliche Bemühungen darum, dass das Hotel gut läuft, wurden kaputt gemacht. Ich frage mich, wer diesen Schaden ersetzt“, so Dreger.

Pächter hat erst durch MAZ-Anruf von Plänen für sein Hotel erfahren

Der Kreis Potsdam-Mittelmark will in dem Hotel bis zu 250 Flüchtlinge einquartieren. Einen Vertrag dafür hat er für viereinhalb Jahre mit dem neuen Eigentümer der Immobilie, der Kölner Objektgesellschaft Brandenburg 1 mbH, abgeschlossen. Der Pächter erfuhr nach eigenen Angaben erst durch einen Anruf der MAZ davon und fühlt sich übergangen. Das Vorgehen in seinem Fall nennt er „untalentiert und dumm“. Damit sei nicht nur ihm Schaden zugefügt, sondern auch dem Anliegen einen Bärendienst erwiesen worden. „Als Landkreis bin ich bei der Unterbringung von Flüchtlingen abhängig von der Akzeptanz vor Ort.“ Der Landkreis müsse zurückrudern, „weil die Stimmung in der Bevölkerung am Kippen ist. Das merken wir an Anrufen, die im Hotel eingehen“, so Dreger. Es gebe auch Versuche, ihn politisch vor einen Karren zu spannen. „Das werde ich nicht unterstützen.“

Der Landkreis hoffe, dass sich der Streit einvernehmlich lösen lässt

„Es ist bedauerlich, was da passiert ist. Wir wollen nicht in Konkurrenz mit einem Hotelbetrieb stehen“, sagte Kreissprecher Kai-Uwe Schwinzert. Und: „Wir brauchen dringend Unterkünfte, wir werden die Unterbringung aber nicht um jeden Preis durchdrücken.“ Der Landkreis hoffe, dass sich der Streit einvernehmlich lösen lässt und werde auch das Gespräch mit dem Hotel-Eigentümer suchen, „um sich die Situation erklären zu lassen“. Man habe das Binnenverhältnis zwischen Eigentümer und Pächter nicht gekannt. „Wenn man ein Mietangebot bekommt, geht man davon aus, dass man von der Mietsache auch Gebrauch machen kann“, sagte er.

Dreger macht dem neuen Eigentümer keinen Vorwurf, der die Immobilie „lastenfrei“ mit gekündigtem Pachtvertrag erwarb und weiter an den Kreis vermietete. Fristlos gekündigt wurde der Vertrag kurz vorher durch den Insolvenzverwalter. „Er hat gehandelt, ohne an Herrn Dreger und die Mitarbeiter zu denken“, sagte Dreger.

Hotel wurde 2012 neu eröffnet

Nach seinen Angaben hat er die Kündigung erst am Dienstag in die Hände bekommen. Begründet wird diese mit behaupteten Mietschulden von 290.000 Euro. „Wir haben eine niedrigere Summe in den Büchern stehen. Mietschulden sind am Anfang der Pacht entstanden, als es schwierig war, das Hotel an den Start zu bringen“, so Dreger. Mit dem damaligen Hotel-Eigentümer sei aber abgemacht gewesen, Mietschulden mit Investitionen ins Hotel zu verrechnen. Aktuell habe er Zahlungen einbehalten, um mit dem Geld den kaputten Aufzug und die Brandmeldeanlage zu reparieren. Dies habe er dem Insolvenzverwalter mitgeteilt. „Ich habe dem Insolvenzverwalter angeboten, zur Befriedigung seiner Ansprüche 150.000 Euro zu zahlen und das Hotel für 1,5 Millionen Euro zu kaufen. Ich habe keine Antwort bekommen“, so Dreger. Der Insolvenzverwalter war am Mittwoch nicht erreichbar. Er kam im März 2015 ins Spiel, als der damalige Hotel-Eigentümer, der Düsseldorfer Medico 41 Fonds, Insolvenz anmeldete. Dregers Gesellschaft hatte das Hotel vor drei Jahren gepachtet und im April 2012 neu eröffnet.

Auch von Seiten der neuen Eigentümer kommt ein Gesprächsangebot. „Man kann alles klären, wenn man sich zusammensetzt und bespricht“, sagte Carlo G.C. Benini von der „Benini Intermediation& Consulting“, die Berater war in den Verhandlungen zwischen Eigentümer und Kreis.

Von Jens Steglich

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