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Streit um Standort der Gesamtschule

Bildung in Teltow, Kleinmachnow und Stahnsdorf Streit um Standort der Gesamtschule

Ein Krisentreffen zwischen Mittelmarks Landrat Wolfgang Blasig und dem Teltower Bürgermeister Thomas Schmidt (beide SPD) brachte am Montag keinen Durchbruch: Es geht um den Standort für die geplante Gesamtschule des Kreises in der Region. Vorgesehen war eigentlich ein Fläche an der Potsdamer Straße. Doch der Kreis hat daran nun etwas auszusetzen.

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Die Stadt Teltow favorisiert als Standort für die neue Kreis-Gesamtschule einen Standort an der Potsdamer Straße. In unmittelbarer Nähe liegen das Oberstufenzentrum und das Evangelische Gymnasium. Doch der Landkreis sperrt sich, weil er hohe Kosten wegen des unklaren Baugrunds befürchtet.

Quelle: Euroluftbild

Region Teltow. Es gibt Streit um den Standort der geplanten Kreis-Gesamtschule in Teltow. Das vorgesehene städtische Grundstück an der Potsdamer Straße gegenüber des Oberstufenzentrums sei wegen früherer Nutzungen belastet. Die Altlasten-Sanierung für das Areal, die der Landkreis bezahlen müsste, sei zu teuer, war in den vergangenen Tagen aus der Kreisverwaltung zu hören. Um das Projekt nicht zu gefährden, trafen sich Teltows Bürgermeister Thomas Schmidt und Landrat Wolfgang Blasig (beide SPD) deshalb gestern zum Krisengespräch.

„Das mit der Altlasten-Sanierung ist Quatsch, das konnte ich widerlegen“, sagte Bürgermeister Schmidt nach dem Zusammentreffen. Ein von der Stadt in Auftrag gegebenes Gutachten bescheinige, dass „an den exemplarischen Prüfstellen keine Indizien für eine Altlasten-Kontamination“ festgestellt werden konnten. Das Garagengrundstück der ehemaligen Kampfgruppen lässt laut Schmidt auch nichts erwarten, was nicht zu bewältigen wäre. „Wir diskutieren nach wie vor gleichwertig über die beiden Standorte Potsdamer Straße und Mahlower Straße“, sagte Schmidt. Er räumte jedoch ein, dass der Landkreis tatsächlich die zweite Fläche favorisieren würde. Diese biete mit mehr als 30 000 Quadratmetern gegenüber den rund 20 000 in der Potsdamer Straße mehr Platz – allerdings sei die Verkehrsanbindung noch zu prüfen. Klar sei jedoch, dass dieser Standort definitiv nicht mehr im Schnittpunkt der drei Kommunen Teltow, Stahnsdorf und Kleinmachnow liege. „Im Zweifel ist es aber der Landkreis, der baut“, so Schmidt.

Landrat Blasig formulierte das Ergebnis des Treffens diplomatisch: „Es gibt zwei mögliche und geeignete Grundstücke, die jetzt beide im Detail untersucht werden. Ich habe nichts gegen das eine oder das andere Grundstück. Wir brauchen eine Fläche, die eine fünfzügige Gesamtschule aufnehmen kann, wo es demnächst Baurecht gibt und die keine Altlasten hat.“ Die Potsdamer Straße sei gut gelegen, das gebe er zu, aber das Grundstück sei recht klein – die Flächen seien teilweise im Biotopschutz und als Grünflächen gekennzeichnet und mit den Hallen und Freiflächen werde es dann knapp. „Und das haben wir artikuliert – dass wir ein Grundstück in einer Größe brauchen, mit der wir nicht in zehn bis 15 Jahren aus allen Nähten platzen.“ Er glaube an die Entwicklung der Region und wolle eine weitsichtige Entscheidung treffen. Zum Thema Belastungen meinte er: „Die Altlasten sind natürlich nicht vom Tisch. Das Grundstück an der Potsdamer Straße hat Altlasten, das weiß jeder.“

Mit diesen Bedenken war der Teltower Bürgermeister erstmals Ende April konfrontiert worden, woraufhin Schmidt den Standort an der Mahlower Straße zwischen der Tankstelle und der S-Bahn als Alternative in die Diskussion eingebracht hatte. Ende März hatte Landrat Blasig erklärt, dass 2020/21 mit dem Neubau zu rechnen und bereits ab 2018/19 eine Übergangslösung an der Mühlendorf-Oberschule geplant sei, die ohnehin in der Gesamtschule aufgehen wird. Gelder für den Bau seien im Budget vorhanden, mit einer Aufstockung sei jedoch zu rechnen.

Ursprünglich war geplant, dass beim heutigen Bildungsausschuss des Landkreises bereits der Errichtungsbeschluss vorliegen sollte, um diesen dann im Kreistag im Juni beraten zu können. Erstellung und Behandlung des Beschlusses würden nun erst nach der Sommerpause stattfinden, bestätigte Blasig gegenüber der MAZ. Damit würde der Beschluss genau in der Endphase des Teltower Bürgermeister-Wahlkampfes behandelt werden.

Schmidts Konkurrent Andreas Wolf (Bürger für Bürger) hat sich gestern bereits zum Thema geäußert. Er möchte unbedingt eine Gesamtschule in Teltow sehen. Er „verabscheue es, zu sehen, wie der Landkreis und teilweise auch die Stadt sich aus der Verantwortung stehlen“. Als Bürgermeister würde er sich „aktiv für die kurzfristige Realisierung einer staatlichen, kostenlos frei zugänglichen TKS-Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe in Teltow einsetzen“. Für die Teltower CDU machte Fraktionschef Ronny Bereczki klar, dass der Standort Potsdamer Straße „unser Favorit“ sei. Gleichzeitig warf er Bürgermeister Schmidt zögerliches Handeln beim Thema Gesamtschule vor. Auch FDP-Chef und Bürgermeisterkandidat Hans-Peter Goetz hält die Fläche gegenüber dem Oberstufenzentrum für „ideal“. Der Landkreis dürfe sie aber „nicht umsonst“ bekommen. „Wir sollten dieses Filetgrundstück nicht verschenken und mindestens über ein Erbrecht nachdenken.“

Begonnen hatte die Planung für die Gesamtschule bereits im Herbst 2015, als sich die Schulkonferenzen aller acht kommunalen Grundschulen der Region geschlossen für eine neue Gesamtschule anstelle eines Gymnasiums aussprachen. Ende März dieses Jahres stimmte der Kreistag schließlich zu.

Doch auch wenn dieses Projekt momentan scheinbar etwas zu kämpfen hat, startet dennoch im nächsten Schuljahr eine zweite Gesamtschule in der Region: Die evangelische Hoffbauer-Gesamtschule geht mit zwei Klassen und 50 Schülern und Schülerinnen an den Start. Noch einmal rund 25 Bewerber mussten abgelehnt werden, erzählt Schulleiter Peter Brandsch-Böhm, der erklärt, dass geplant ist, in zwei Jahren – wenn die staatliche Förderung möglich wird – auf drei Klassen zu erweitern. Sorgen, dass eine dritte Gesamtschule eine zu große Konkurrenz sein würde, macht er sich keine, da er davon überzeugt ist, dass sich seine Schule bis dahin unter anderem durch die besondere Profilierung einen guten Ruf erarbeitet habe und ihr Klientel gut halten könne.

Von Konstanze Kobel-Höller und Jürgen Stich

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