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Potsdam-Mittelmark Acht Schafe tot: Strom und Draht halten den Wolf nicht auf
Lokales Potsdam-Mittelmark Acht Schafe tot: Strom und Draht halten den Wolf nicht auf
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13:54 30.10.2018
Kurt Krollpfeifer und Annette Albrecht vor einem der toten Schafe auf dem Michelsdorfer Mühlenberg. Quelle: JACQUELINE STEINER
Michelsdorf

Kurt Krollpfeifer glaubte alles richtig gemacht zu haben: Acht Hektar Weideland eingezäunt mit einem 1,60 Meter hohen Drahtzaun. Das untere Ende 40 Zentimeter im Erdreich eingegraben. Photovoltaikanlagen liefern die Hochspannung für zwei stromführende Litzen, die die gesamte Anlage umschließen. Der erste Draht befindet sich 20 Zentimeter über dem Boden. Alle Auflagen erfüllt. So könne ein Militärobjekt beschützt sein. Trotzdem war der Wolf drin.

Schafe für den Naturschutz

Bei den am Mittwochfrüh getöteten Weidetieren handelt es sich um trächtige Mutterschafe der Herdwick-Rasse. Diese gehört zu den alten britischen Landrassen, die an raue Bedingungen ihrer ursprünglichen Heimat angepasst ist.

Auf dem Michelsdorfer Mühlenberg dienen die Schafe als Landschaftspfleger im Interesse des Natur- und Artenschutzes. Ohne den regelmäßigen Verbiss würden Bäume und Buschwerk die Trockenrasenvegetation in kurzer Zeit erobern.

Rund um die alte Kiesgrube lässt Kurt Krollpfeifer auf zwei Flächen Schafe weiden. Die Zukunft dieser Landschaftspflegemaßnahme ist nach dem jüngsten Wolfsangriff unklar. Der Mühlenberg wurde der EU durch das Landesumweltamt als FFH-Gebiet gemeldet.

 

Seit Dienstagfrüh ist Krollpfeifer um acht Herdwick-Schafe ärmer. Ihre Kadaver liegen verstreut auf dem Mühlenberg bei Michelsdorf. Manche Leiber sind aufgerissen. Andere haben Bissspuren am Hals und an den Keulen. Es gibt Kampfspuren. Auf dem höchsten Punkt in der Gemarkung wird die Herde zur Landschaftspflege gehalten, damit die geschützte Offenlandschaft mit ihren seltenen Gräsern und Pflanzen nicht verbuscht. Doch der Einsatz auf der sogenannten Vertragsnaturschutzfläche zahlt sich nicht aus. Bereits im August 2018 kamen acht Schafe zu Tode, zwei verletzte Tiere mussten eingeschläfert werden. Was ist da los?

Aufrüstung in Michelsdorf: Doch auch dieser Weidezaun konnte die Schafe nicht schützen. Quelle: JACQUELINE STEINER

Der Anruf eines Anwohners, der vom Gassi gehen zurückkam, erreichte Annette Albrecht kurz nach sieben Uhr in der Früh. Die Emstalerin kümmert sich mit Hingabe um die beiden Schafherden, die Krollpfeifer in Michelsdorf und Emstal zu stehen hat. „Bei euch auf der Weide liegen tote Schafe. Der Wolf ist noch da“, berichtete der Anrufer. Da war es schon hell. Als Annette Albrecht auf dem Mühlenberg eintraf, fand sie ein Schlachtfeld vor. Acht von zwölf Muttertieren waren gerissen. Sehr wahrscheinlich von einem Wolf.

Tierhalter fordert Regulierung

„Ich habe die Schnauze voll“, sagte die Betreuerin wütend und traurig zugleich. Nach dem Angriff im August mit zehn toten Schafen, hofften Krollpfeifer und Albrecht auf einen einmaligen Vorfall. „Das geht so nicht weiter. Der Wolfsbestand muss reguliert werden“, ist der Besitzer, der in Emstal eine Reit- und Fahranlage unterhält, überzeugt. Vor acht Jahren begann er mit der Schafhaltung auf dem Mühlenberg. Die Naturschutzbehörde des Landkreises hatte Interesse daran, dass die Flächen kurz gehalten werden. „Und ich wollte gerne meinen Beitrag zum Artenschutz leisten. Aber jetzt rüsten wir nur noch auf. Ob wir unter diesen Bedingungen weitermachen ist fraglich“, sagte Krollpfeifer der MAZ.

Solarstrom versorgt die unter Spannung stehenden Litzen. Quelle: JACQUELINE STEINER

In dem Hightech-Zaun auf dem Mühlenberg stecken auch Steuergelder. Der Aufbau des vermeintlich wolfssicheren Zauns wurde mit 10 000 Euro gefördert. Auch die in Sichtweite befindliche Getränkefabrik Hansa-Heemann steckte Geld in das Projekt als Ausgleichs- und Ersatzmaßnahme für betriebliche Investitionen. Der Wolf buddelte sich trotz des Drahgeflechts in der Erde einfach unter den im Boden umgelegten Zaun durch. Eine mögliche Schwachstelle, was nichts an der Verzweiflung der Tierhalter ändert.

Ein Wolf findet jede Schwachstelle. Quelle: JACQUELINE STEINER

Auffällig beim jüngsten Vorfall: Der vierbeinige Angreifer störte sich weder an den nicht weit entfernten Häusern noch an der Anwesenheit von Arbeitern, die in Sichtweite gerade einen neuen Brunnen für Hansa-Heemann bohren. Nach Ansicht des Tierhalters hat der Wolf jegliche Scheu verloren. Krollpfeifer ist Mitglied im Schafzuchtverband Hoher Fläming. Weil es inzwischen zwei mutmaßliche Wolfsübergriffe auf seine Weidetiere in Michelsdorf gab, denkt der Emstaler über einen Antrag auf Entnahme nach der Brandenburgischen Wolfsverordnung nach. Doch welcher Wolf sollte dafür büßen? Eine Frage, die auch Krollpfeifer nicht beantworten kann.

Von Frank Bürstenbinder

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