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Studenten und Schüler drehen 360-Grad-Film

Reckahn Studenten und Schüler drehen 360-Grad-Film

Es ist ein einzigartiges Filmprojekt in der märkischen Museumslandschaft: Masterstudenten der Technischen Hochschule Brandenburg und Kinder der Golzower Rochow-Grundschule haben einen 360-Grad-Film gedreht. Der Streifen zeigt Unterricht, wie er im Jahr 1780 abgelaufen ist. Dafür schlüpften nicht nur die Kinder in Kostüme.

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Balgen in der Drehpause: Drei der mitwirkenden Golzower Grundschüler in historischen Kostümen.

Quelle: Heike Schulze

Reckahn. Innovation trifft auf anno dazumal: Ein seltenes Filmprojekt hat Kinder der Golzower Grundschule und Studenten der Technischen Hochschule Brandenburg im Schulmuseum Reckahn zusammengeführt.

Unter Leitung von Alexander Urban, Professor an der Technischen Hochschule Brandenburg für Digitale Medien, und Marita Müller vom Schulmuseum, stellten sie einen 360-Grad-Film her. Aufgenommen ist der 15 Minuten lange Streifen mit einer Kamera, die gleichzeitig in sechs Richtungen filmt. Sie steht auf einem Stativ inmitten des historischen Klassenzimmers. Zu sehen ist das Ergebnis nun im Schulmuseum und auf Youtube. Finanziert hat das Projekt der Landkreis Potsdam-Mittelmark mit 4500 Euro. Die Studenten wirkten ehrenamtlich mit. Wie Museumsleiterin Silke Siebrecht-Grabig sagte, soll der Film die zum 25-jährigen Museumsjubiläum im März neu geschaffene Dauerausstellung bereichern: „Es war uns sehr wichtig, ein Element einzuführen, das es bisher nicht gegeben hat.“

Tatsächlich gilt der 360-Grad-Film als einzigartig in der Museumslandschaft des Landes. Er zeigt den Besuchern, wie Schulunterricht im späten 18. Jahrhundert vor sich ging. „Sehr streng“, sagt Jennifer Schultz (13). „Unbequem“, ergänzt Elias Emmerich (12). Die beiden zählen zu den zwölf Kindern der vierten bis sechsten Klasse der Eberhard-von-Rochow-Grundschule, die Schulleiterin Cornelia Brandt für das Filmprojekt ausgewählt hat.

„Die Mädchen sollten alle lange Haare haben und die Jungen keine Punkfrisur.“ Dieses Mini-Casting war nötig, damit die Kinder glaubwürdig als Laienschauspieler in die Rollen der Schulkinder um 1780 schlüpfen konnten. Dafür hat Marita Müller eigens Kostüme aus dem Babelsberger Filmfundus organisiert, „einfache Bauernkleidung, angelehnt an das 18. Jahrhundert, aus Leinen und Baumwolle“. In Holzpantinen, mit Weste und Knickerbockern die Jungen, die Mädchen mit Hauben und Kleidern.

Hintergrund

Es ist der erste für ein brandenburgisches Museum produzierte 360-Grad-Film. Gedreht wurde er von Masterstudenten des Studienganges Digitale Medien der Technischen Hochschule Brandenburg.

Der entstandene Film wurde aufwendig im Technikstudio der TH Brandenburg bearbeitet. Steckdosen und Lampen aus dem historischen Klassenraum haben die Studenten dafür wegretuschiert.

Das Projekt entstand in Kooperation auch mit der Uni Potsdam.

„Der Film ist eine zentrale Bereicherung für die Reckahner Museen, die damit in ein neues Zeitalter gekommen sind“, sagt Silke Siebrecht-Grabig. Zu sehen ist der Film im Museum auf einem Tablet-Computer, der jeweils einen anderen Ausschnitt der Unterrichtsstunde zeigt, je nachdem, wie der Betrachter das Gerät bewegt. Es ist ein völlig neuartiges, interaktives Sehen. Fabriziert wurde der Streifen an einem einzigen Drehtag im November 2016. Jetzt hat ihn das Museum erstmals öffentlich präsentiert.

Mit dabei war auch Doris Patzer, Kulturreferentin des Landkreises Potsdam-Mittelmark, der Träger des Schulmuseums ist. „Das Schulmuseum ist uns sehr wichtig, es ist eines von zwei Kultureinrichtungen, die der Landkreis betreibt“, so Doris Patzer „Wir bemühen uns, das Haus immer weiter zu entwickeln.“ Dazu gehört auch, es personell besser aufzustellen. Bekanntlich herrschte im vorigen Jahr arge Personalnot, durch drei über lange Zeit erkrankte geringfügig Beschäftigte.

Derzeit arbeiten zwölf Männer und Frauen über dieses Beschäftigungsverhältnis zehn bis 20 Stunden wöchentlich in dem Museum. Dessen Besucherzahlen liegen jährlich bei 5000 bis 6000 Menschen. Für die neue Dauerausstellung anlässlich des Jubiläums bezuschusste der Landkreis das Museum mit 120 000 Euro im vorigen Jahr. Die sonst übliche jährliche Bezuschussung liegt Doris Patzer zufolge bei 60 000 bis 70 000 Euro.

Das Rochow-Museum, das sich in Trägerschaft des Fördervereins „Historisches Reckahn“ befindet, unterstützt der Landkreis mit 110 000 Euro im Jahr.

Von Marion von Imhoff

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