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Potsdam-Mittelmark Sturm dreht Dörfern den Strom ab
Lokales Potsdam-Mittelmark Sturm dreht Dörfern den Strom ab
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11:55 27.02.2018
Drei Kiefern kippten auf ein Mehrfamilienhaus in Wollin Quelle: Frank Bürstenbinder
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Mittelmark

Immer wieder zieht Günter Krause mit ganzer Kraft am Seilzugstarter: „Den haben wir lange nicht gebraucht.“ Doch das Notstromaggregat springt nicht an. Dabei drängt die Zeit. Die Vorräte im Gefrierschrank der Wolliner Familiengaststätte sind nach über zwölf Stunden Stromausfall in Gefahr. Kurz vor 9 Uhr kehrt am Freitag die Elektrizität ins Dorf zurück. Für Pommes und Eis gerade noch rechtzeitig. Für Bäckermeister Mario Birth zu spät. Sein Backtag war verloren. Auf dem Autohof an der A 2 musste das Tanken ausfallen. Grundschulleiter Axel Mäske hatte den Unterricht abgesagt. Schulkinder wie die Sechstklässler Bonnie, Justin und Luca nutzten den Tag zum Spielen und Fahrradfahren. In der Kita „Spatzennest“ lief derweil der Betrieb auf Sparflamme. „Wir saßen in Jacken und bei Kerzenschein zusammen“, so Kita-Leiterin Kornelia Leder.

Günter Krause in Wollin hat sein Notstromaggregat herausgeholt. Über zwölf Stunden war der Ort ohne Strom. Quelle: Frank Bürstenbinder

Der Zusammenbruch der Stromversorgung in Wollin war kein Einzelfall. Orkantief Xavier stellte das regionale Energieversorgungsunternehmen Edis AG vor erhebliche Probleme. Netzmeister Thomas Lennecke aus Bad Belzig berichtet von reihenweise umgekippter Bäume und Masten. „Ringschaltungen waren nicht mehr machbar, weil Seile vor und hinter den Dörfern rissen. Mit solch einer Wucht des Sturms hatte niemand gerechnet. Am Ende konnten wir die Störungsmeldungen nur noch verwalten“, berichtet Lennecke. Ohne Strom waren auch Warchau,Wenzlow, Boecke, Steinberg, Glienecke und Dörfer im Hohen Fläming. Einige Orte werden wohl erst im Laufe des Sonnabends wieder angeschlossen. Im Amt Beetzsee waren die Haushalte von Riewend bis Butzow wegen zahlreicher gerissener Seile von der Stromversorgung abgeschnitten.

In Wollin repariert eine Firma die Straßenbeleuchtung. Quelle: Frank Bürstenbinder

Zurück nach Wollin: Glück im Unglück hatten die Mieter in einem Mehrfamilienhaus in der Dr.-Richard-Sorge-Straße. Orkan Xavier hebelte auf der Rückseite des Gebäudes drei mächtige Kiefern aus, die auf die Fassade stürzten. Zwar wurde das Dach leicht beschädigt, aber sämtliche Scheiben blieben ganz. Allerdings kam die Feuerwehr mit ihrer Technik in diesem Fall nicht weiter. „Da muss eine Spezialfirma ran“, so Amtsbrandmeister Andy Laube. Das Gelände wurde abgesperrt.

Kreisweit hielten vor allem umstürzende Bäume die Menschen in Atem. Feuerwehren waren im Dauereinsatz, um blockierte Landstraßen von Wusterwitz bis Treuenbrietzen wieder befahrbar zu machen. Insgesamt mussten die Freiwilligen Feuerwehren in Potsdam-Mittelmark zu 688 sturmbedingten Einsätzen ausrücken.

Diese mächtige Kiefer stürzte bei Ziesar gegen ein Haus Quelle: MAZ

In Jeserig konnte ein Mann im letzten Moment zur Seite springen, bevor ein Baum auf sein Haus stürzte. Der Jeseriger kam mit leichten Verletzungen davon. „Zum Glück ging alles andere relativ glimpflich ab. Nur die Masse der Einsatzstellen war erdrückend“, sagte Ortswehrführer Carsten Groth. Bei Ziesar fielen gleich zwei Bäume auf ein Haus an der Fischzuchtanlage Herrenmühle. Ein weiteres Haus wurde im Birkenweg getroffen.

In der Gemeinde Kloster Lehnin waren nach Angaben von Stephan Arnold vom Fachbereich Recht, Ordnung und Soziales elf Ortswehren zu mehr als 50 Einsätzen ausgerückt. Der erste Alarm ging um 15.30 Uhr ein. Bis 22 Uhr, also sechseinhalb Stunden lang, waren die ehrenamtlichen Feuerwehrmänner unermüdlich im Einsatz. Auch am Freitag rückten sie zu weiteren Orkan bedingten Einsätzen aus. Verletzte hat es glücklicherweise nicht gegeben.

Der Sachschaden jedoch ist hoch. In Damsdorf zertrümmerte ein umstürzender Baum ein parkendes Auto. Ein entwurzelter Baum unterhöhlte einen Fahrbahnabschnitt zwischen Trechwitz und Trechwitz Siedlung. Eine mächtige umgestürzte Eiche versperrte zudem den Zugang zum Friedhof in Emstal. Der Baum, der mitten auf dem Friedhof gestanden hatte, wurde durch die Macht des Sturms gespalten. Seine Hälften kippten zu beiden Seiten um. Ein Durchkommen war dort bisher nicht möglich.

Lehnins Oberförster Jörg Dechow wird mit seinen Kollegen mehrere Tage brauchen, um die Gesamtschadenshöhe im Wald überhaupt abschätzen zu können. „Es ist nach wie vor sehr gefährlich, in den Wald zu gehen. Es können noch Stämme an anderen Bäumen lehnen und doch noch umstürzen“, warnt Dechow. Auch schwere Äste, die sich in Baumkronen verfangen haben, können noch zu einer Gefahr für Spaziergänger werden. Dechow rät, mehrere Tage Wälder zu meiden. Auch danach gelte, auf Gefahren von oben zu achten.

Stark betroffen ist auch das Kinder- und Erholungszentrum Bollmannsruh. Axel Krause, Geschäftsführer des Humanistischen Regionalverbandes, spricht von mindestens einem Dutzend umgestürzter alter Bäume auf dem Gelände. Auch am Freitag war Krause weiterhin vor Ort, um zu helfen, die Orkanschäden zu beseitigen.

Von Frank Bürstenbinder und Marion von Imhoff

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