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Niemegk Suche nach Kloster-Vergangenheit geht weiter

Ende Januar wurde mit der Beräumung des sogenannten Niemegker Klosters begonnen. In den vergangenen Wochen haben der Bauforscher Detlev von Olk und der Restaurator Udo Drott das alte Gemäuer bauhistorisch untersucht und können einiges mehr zu dessen Geschichte sagen. Eine Frage bleibt aber weiter ungeklärt.

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Rote Sockelbemalung aus dem 18. Jahrhundert – Der Bauforscher Detlev von Olk (l.) und der Restaurator Udo Drott haben das Kloster unter die Lupe genommen.

Quelle: Danilo Hafer

Niemegk. Das alte „Kloster von Niemegk“ verfällt seit Jahren, dabei war es einst ein durchaus nobles Haus. Zu diesem Ergebnis kommt eine bauhistorische und restauratorische Untersuchung, die am Mittwoch vorgestellt wurde. „Die Gestaltung der Räume und die aufwendige Wandbemalung lässt darauf schließen, dass es sich hier um ein gehobenes Wohnen handelte“, erklärte Restaurator Udo Drott. Gemeinsam mit dem Bauforscher Detlev von Olk nahm er das sogenannte Kloster von Niemegk genauer unter die Lupe. Dabei konnten die Experten einige interessante Spuren finden.

Ältester Befund

Ältester Befund: Wandbemalungen aus dem 16. Jahrhundert.

Quelle: Danilo Hafer

„Der älteste Farbbefund ist eine Wandbemalung aus dem 16. Jahrhundert“, erzählte Udo Drott. Die Wände waren weiß gestrichen und mit einer sogenannten Ritzung versehen, ein Muster aus schwarzen Linien. Diese Bemalung ist noch heute an mehreren Stellen zu erkennen. Die Funde seien ein Hinweis darauf, dass das Gebäude ab diesem Zeitpunkt nicht mehr in seiner ursprünglichen Form genutzt wurde.

Beräumung des Klosters

Das Kloster ist das älteste Gebäude in Niemegk und wurde bis Anfang der 1980er Jahre als Wohnhaus genutzt. Seither steht es leer und verfällt zunehmend.

In die Beräumung des Gebäudes und die Durchführung notwendiger Sicherungsmaßnahmen investiert die Stadt rund 12 000 Euro.

In einem ersten Schritt wurden Äste, Sträucher und andere Vegetation aus dem Gebäudeinneren entfernt.

Die Spuren an den Wänden und die späteren Umbaumaßnahmen sprächen dafür, dass das Gebäude seither als Gutshaus oder in einer Mischnutzung bewohnt wurde. Ein weiterer Hinweis für die noble Ausstattung des alten Gemäuers sei das Sitzenischenportal mit klassizistischer Tür, das etwa im 18. Jahrhundert eingebaut wurde. Sowas habe es sonst nur im Rathaus gegeben.

Gebäude wurde immer wieder verändert

Bereits ab dem 16. Jahrhundert wurde das Bauwerk mehrfach umgestaltet. „Ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhundert wurde mit der Modernisierung begonnen und eine schwarze Küche eingebaut“, erzählte Detlev von Olk. Anfang des darauffolgenden Jahrhundert wurden schließlich Wände mit Türöffnungen im Berliner Altbaustiel errichtet, die bis zum Schluss erhalten geblieben sind.

Sträucher und Äste wurden bereits entfernt, als nächstes soll der Schutt beseitigt werden

Sträucher und Äste wurden bereits entfernt, als nächstes soll der Schutt beseitigt werden.

Quelle: Danilo Hafer

Eine Frage aber kann nach wie vor nicht vollständig beantwortet werden. Wie wurde das Gebäude ursprünglich genutzt? „Die Tatsache, dass die Wände und die Fensteröffnungen aus Feldstein gebaut sind, deutet auf eine Bauzeit in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts hin“, erklärte Bauforscher Detlev von Olk. Die Ausrichtung des Gebäudes nach Osten und die historischen Fensteröffnungen könnten klare Hinweise für eine sakrale Nutzung sein.

„Da wir aber keine Urkunde haben, die das wirklich belegt, können wir nur Vermutungen anstellen“, sagte Jorinde Bugenhagen von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark.

„Das besondere ist auch, dass die Fassade zweimal verputzt wurde, das ist ungewöhnlich“, erklärte Restaurator Udo Drott. Warum dies so ist, kann aber auch er 700 Jahre später nicht mehr nachvollziehen. Ungewöhnlich sei zudem, dass der Mörtel der Außenmauern einen hohen Tonanteil aufweist. Typisch für die Zeit sei ein kalkhaltiger Mörtel gewesen. „Durch den hohen Tonanteil ist der Mörtel anfälliger für Feuchtigkeit, da wundert es nicht, dass die Mauern an vielen Stellen heute zerbröseln“, erklärte Drott.

Gebäude weiter ohne Eigentümer

Trotz der im Januar begonnen Beräumung ist das Gebäude nach wie vor „herrenlos“, was dazu führt, dass Fördermittel nicht ausgeschüttet werden können. „Das ist eine ganz blöde Situation, weil das Geld im Grunde schon unter Matratze liegt“, sagte Jorinde Bugenhagen. Ungeachtet dessen könnte die Beräumung des Klosters schon in zwei Wochen fortgesetzt werden, dann wird der Schutt entfernt.

Von Danilo Hafer

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