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Syrer hoffen auf eine friedliche Zukunft

Neue Heimat Bad Belzig Syrer hoffen auf eine friedliche Zukunft

Viele syrische Flüchtlinge finden ein Obdach in Bad Belzig. Zwei von ihnen sind Sain und Imad. Nach einer gefährlichen Flucht, die über ein Jahr dauerte, erreichten sie im Juli Deutschland. Ihr Bruder Raed wurde in einem Flüchtlingsheim in Großbeeren untergebracht. Nach mehr als einem Monat sahen sie sich wieder. Ihre Familie mussten sie in Syrien zurücklassen.

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Imad, Sain und Raed aus Syrien freuen sich, endlich in Deutschland angekommen zu sein.

Quelle: Melanie Höhn

Bad Belzig. Nach über einem Jahr Flucht sind Sain und Imad in Bad Belzig angekommen. Noch leben sie in einem Zelt am Weitzgrunder Weg mit 90 anderen Männern aus Syrien, Kamerun und Eritrea, doch in dieser Woche sollen die Container nebenan fertiggestellt werden.

Die beiden Syrer gehören mit ihrer Familie zu den Ismailiten – einer ethnischen Minderheit in ihrem Heimatland – und werden vom Islamischen Staat (IS) und Assads Regierungstruppen verfolgt. Die Rebellen umzingelten ihre Heimatstadt Masyaf, nachts konnten sie die Bomben hören. „In der Stadt schlägt die Polizei Menschen ohne Grund, um uns Angst zu machen“, sagt Sain. „Die Situation ist unvorstellbar. Es ist schwer, überhaupt Essen in der Stadt zu finden.“

Auch seine Familie will er in Sicherheit bringen

Wegen eines Fehlers bei der Schreibweise des Nachnamens wurde ihr Bruder Raed in einer Unterkunft in Großbeeren untergebracht, er hatte ebenfalls das Fluchtjahr mit ihnen überstanden. Per Telefon blieben sie in Kontakt. Anfang der Woche besuchte der 31-Jährige seine kleinen Brüder in Bad Belzig, seit Juli hatte er sie nicht mehr gesehen.

Um dem Militärdienst in Syrien zu entfliehen - viele Soldaten sterben während des Krieges, erzählt Raed - ging er 2012 nach Dubai. In Istanbul wohnte er mit sechs Männern zusammen und fand Arbeit. Doch der Wunsch reifte in ihm, in Deutschland ein friedliches Leben zu beginnen, denn er wollte auch seine Familie aus seinem Heimatland in Sicherheit bringen. Ein Jahr lang studierte der Wirtschaftsinformatiker den Weg, machte sich einen genauen Plan über die Transportmittel und installierte ein Offline-GPS-Programm, das Smartphone wurde sein wichtigster Fluchthelfer. Dann holte er seine Brüder ins Boot.

Sie haben Angst vor ihrem Land, Angst vor dem Krieg

Der 24-Jährige Sain studierte Tourismus in Damaskus, sein Bruder Imad stand kurz vor seinem Bachelorabschluss in Kunst, als alle zusammen das Land verließen. Imads Universität in Aleppo wurde bombardiert, weitermachen konnte er dort nicht. „Ich würde überall auf der Welt mein Studium fortsetzen,“ sagt er. Genau wie Sain wollte er nicht für den Militärdienstverpflichtet werden. Beide haben Angst vor ihrem Land, Angst vor dem Krieg. „Als ich auf dem Rückweg von Damaskus zu unseren Eltern war, kamen Männer ohne Grund in unser Haus, nahmen mich mit und verhörten mich“, erzählt Imad. Zwei weitere Brüder, eine Schwester und ihre Eltern haben sie in Syrien zurückgelassen. Gerade überlegen sie, auf welche Weise sie ihre Familie nach Deutschland holen können. Über das Internet stehen sie im Kontakt miteinander.

Lange Fußmärsche und Todesangst

Sains und Imads Fluchtweg führte zunächst einmal in den Libanon, dann weiter nach Istanbul, wo sie ihren Bruder Raed trafen. Mit ihm zusammen reisten sie nach Ismir, von wo aus sie mit dem Boot nach Griechenland übersiedeln wollten. Das war der gefährlichste Punkt ihrer Reise, sagen sie: „Auf See waren die Wellen meterhoch und ein Sturm zog auf, wir hatten Wasser in unserem Boot“, berichtet Raed. „Wir dachten, wir sterben und riefen die griechische Polizei an, die uns retten sollte. Doch es reagierte niemand.“ Wie durch ein Wunder überlebten sie, obwohl ihr Boot mit 38 Menschen völlig überladen war. Später erfuhren die Brüder, dass am nächsten Tag 15 Menschen in den Fluten umgekommen waren. Auf der griechischen Insel Samos angekommen erlebten sie sieben Tage Hölle, bekamen fast nichts zu essen und wurden bestohlen. Doch sie bissen sich durch, es ging weiter nach Athen, Thessaloniki und später nach Mazedonien. Sie erreichten Serbien nach langen Fußmärschen, kamen nach Belgrad und nach Szeged an die ungarische Grenze. Dort wurden sie von der Polizei in ein Camp an die rumänische Grenze gebracht, wo sie auf Bierbänken nächtigen mussten und geschlagen wurden, sagen sie. Als sie ihre Fingerabdrücke abgaben, warf man sie hinaus.

Herzlicher Empfang in Bad Belzig

Sie erreichten jedoch Budapest, fuhren mit dem Zug nach München, kamen dann nach Eisenhüttenstadt und schließlich nach Bad Belzig. Hier gefällt es ihnen gut, vor allem den herzlichen Empfang hätten sie nicht erwartet. Auch mit dem Essen sind sie zufrieden. Dennoch freuen sie sich auf den baldigen Umzug in die Container, dort werden sie mehr Privatsphäre haben als in dem Zelt, wo es sehr schnell stickig werde und kalt in der Nacht. Sie sehnen sich auch nach einem richtigen Dach über dem Kopf und einer Heizung für die kalten Tage. Die Brüder hoffen, dass sie bald wieder zusammen leben können und schnell Arbeit finden. Aber vor allem hoffen sie auf eine friedliche Zukunft.

Von Melanie Höhn

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