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Potsdam-Mittelmark TV-Arzt Heilmann rockt in Kleinmachnow
Lokales Potsdam-Mittelmark TV-Arzt Heilmann rockt in Kleinmachnow
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02:16 11.11.2015
Thomas Rühmann in seinem Element – diesmal als Sänger mit Band in den Kammerspielen Kleinmachnow. Quelle: Julian Stähle
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Kleinmachnow

Lange bevor am Freitagabend das Konzert von Thomas Rühmann und Band begann, war das altehrwürdige Lichtspiel-Theater „Neue Kammerspiele“ in Kleinmachnow bereits gut gefüllt. Wer geglaubt hatte, der volle Saal wäre einzig dem Umstand geschuldet, dass der Schauspieler Rühmann in der TV-Kultserie „In aller Freundschaft“ im OP-Saal der Sachsenklinik als Arzt Dr. Heilmann operiert, irrte. Etliche Besucher schwärmten von dessen Konzert in Potsdam und kannten bereits seine Musik.

Rühmanns neues Programm „Falsche Lieder“ darf man mit Fug und Recht als verwegen bezeichnen. Es kombiniert die wunderbaren Texte des Liedermachers Hans-Eckardt Wenzel mit der Musik von The Whitest Boy Alive, Lambchop, Neil Young und anderen Klangkünstlern. Das allein ist Wagnis genug. Sich aber zusätzlich der Gefahr auszusetzen, an den hauchzarten bis brachialpoetischen Klangbildern Wenzels gemessen zu werden, lässt auf einen besonders schweren Fall von Furchtlosigkeit schließen. Tatsächlich begann der Auftritt der verwegenen Fünf eher verhalten, bevor Rühmann, der nicht nur sang, sondern auch Gitarre spielte, dann seine Band vorstellte: Rainer Rohloff an der Gitarre, Lexa Thoma am Bass, Peter Schenderlein am Keyboard, Gören Eggert am Schlagzeug.

Einen Titel wie „Jedes Ich braucht auch ein Du“ ohne die clowneske Einfärbung und die kratzige Stimme Wenzels war für Fans dieses Liederbarden anfangs gewöhnungsbedürftig. Rühmann gelang es aber ziemlich schnell, das Publikum für sich und sein ungewöhnliches musikalisches Experiment zu begeistern. Einerseits lag das an seinen skurrilen Redebeiträgen zwischen den Musikblöcken, andererseits weil die Band und ihr Liedsänger an Fahrt gewannen, wodurch die individuellen Qualitäten der fünf Musiker offenkundig wurden.

Rühmanns Interpretation eines Titels über das verschwundene Land im Osten Deutschlands ließ das Publikum fast stumm zurück, bis eine Frau laut „Wow!“ rief und der Beifall einsetzte. Gleich mehrfach wagte er sich an hochpolitische Themen wie Krieg und Massenmigration heran. „Kommt, Ihr Meister des Kriegs“ zur Musik von Neil Young und die unter die Haut gehenden Sprachbilder vom Einfall des endlosen Elendszuges der Geschundenen in das satte Europa im Titel „Sie werden kommen“ wurden zu Höhepunkten des Abends. Sänger und Band steigerten sich, weil sie die starke Resonanz im Publikum spürten. Beim „Farcelied“ zum Beispiel wechselte ein fast orchestrales Volumen mit Passagen, in denen das Piano das Regiment übernahm, bevor sich dann Rühmanns Stimme wieder in den Vordergrund schob.

Bester Beleg eines gesteigerten energetischen Aufwands war das „Hafenlied“, in dessen Verlauf die immer flinker werdenden Finger der Akteure geradezu über die Instrumente flitzten. So endete der Abend mit Zugaben, Fans die ihre Arme V-förmig in die Höhe stemmten, rhythmischem Klatschen und hochzufriedenen Musikern.

Von Lothar Krone

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