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Täglich ein Schnapsglas Futter

Taubenzucht in Töplitz Täglich ein Schnapsglas Futter

Heinz Renkel aus Töplitz liebt Tauben. Schon als Kind besaß er welche und folgte später der Tradition seines Vaters, der ebenfalls Taubenzüchter war. 60 Vögel leben mittlerweile im selbstgebauten Taubenschlag. Und der 67-Jährige ist erfolgreich: Mit seiner Lieblingsrasse hat er im vergangenen Jahr in Erfurt den Deutschen Meistertitel geholt.

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Pflegeintensiv: Heinz Renkel reinigt die selbstgebauten Taubenschläge auf seinem Grundstück in Töplitz alle zwei Tage.

Quelle: Franziska Appelt

Töplitz. Sie sind relativ groß, wiegen zwischen 800 und 1200 Gramm. Ihre breite Brust ist gut vorgewölbt, der Schwanz leicht angehoben und hat zwei schwarze Streifen, sogenannte Binden. Diese besonderen Merkmale der blauen Mondain-Taube sind hervorragend ausgeprägt. Das brachte dem Töplitzer Heinz Renkel (67) den Deutschen Meistertitel bei der Rassetaubenschau 2016 in Erfurt. „Ich habe die Tauben in Blau, Weiß, Schimmel, Gold und Rot. Schimmel ist meine Lieblingsfarbe“, sagt der Rentner über die blau-grün schimmernden Taubenköpfe.

Die „Mondain“ gehört zu den Formtauben – wichtiger als die Farbe ist die typische Gestalt bei der Bewertung der Zuchttiere. Orangefarbene Augen starren aus den kleinen runden Köpfen in die Richtung von Heinz Renkel, der Körner in seinen Taubenschlag streut. Täglich ein Schnapsglas Futter soll jede Taube bekommen, damit sie das perfekte Gewicht erreicht. Seine Vögel erinnern an die Stadttaube, die von verwilderten Haustauben abstammt. Sie sind allerdings deutlich größer und können nicht fliegen. Damit sie nicht vom Habicht geschnappt werden, hält Renkel sie im selbstgezimmerten Taubenschlag auf seinem Grundstück in Töplitz. Auf dem Dach sitzen weiße Tauben, die der Töplitzer für einen beliebten Hochzeitsbrauch nutzt. Vor ein paar Wochen waren die Renkels auf einer Hochzeitsfeier in der Schweiz eingeladen und ließen zwei Tauben aufsteigen. „Eine flog 800 Kilometer zurück zum Schlag“, erzählt Renkel, selbst etwas überrascht davon. Dass Brieftauben den Weg zurück zum Entsender finden, liegt an ihrer Standorttreue.

Ausstellung fand trotz Vogelgrippe statt

60 Vögel besitzt Heinz Renkel. „Ich liebe die Tauben. Wenn sie gurren, ist das einfach schön,“ sagt er. Ursprünglich kommt er von der Küste. Für die Familie, Haus und Hof zog er nach Töplitz. Die Vögel benötigen viel Platz und Ruhe, die sie auf der Töplitzer Insel bekommen. Auch die Pflege ist intensiv: Alle zwei Tage reinigt Renkel seine Taubenschläge und sucht regelmäßig den Tierarzt auf: „Das Schlimmste für mich ist, wenn die Tauben krank werden.“ Vor allem die Jungtaubenkrankheit ist weltweit verbreitet und endet für die Tauben tödlich.

Seit er sieben Jahre ist, besaß der Züchter immer Tauben – genau wie sein Vater. „In meinem Dorf waren wir sieben Jungen, die alle Tauben hatten. Untereinander haben wir getauscht.“ Seine Lieblingstauben waren die „Luxer“ und „Strasser“. Nach der Wende entwickelte er eine besondere Leidenschaft für die Rasse „Mondain“ aus Frankreich und holte sich schließlich im November des vergangenen Jahres den Deutschen Meistertitel mit seinen Rassetauben. Insgesamt waren dazu 22 500 Tiere in 660 verschiedenen Kategorien (Rassen und Farbschlag) ausgestellt worden. Es war eine der wenigen Schauen, die trotz der Vogelgrippe stattfanden. Forscher am Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) auf der Ostseeinsel Riems hatten herausgefunden, dass Tauben für das Virus H5N1 deutlich weniger empfänglich seien, als andere Vögel. Obwohl sie deshalb von der offiziellen Stallpflicht ausgenommen waren, hielt Renkel seine Tiere im Schlag. Viele Schauen wurden abgesagt. Deshalb hat der Züchter auch kaum Vögel verkauft, wenige gingen in die Emirate, wo die Taubenzucht sehr beliebt ist. Als Schicksal bleibt für einige nur die Schlachtung. „Ein paar Tauben sind viel zu schön dafür“, findet er. Das dunkle Fleisch beschreibt er aber als schmackhaft und wildähnlich.

Den Enkel mit der Leidenschaft angesteckt

Auch Enkel Lenard war schon früh fasziniert von Opas Tauben. „Er wünschte sich goldene Tauben“, erzählt Renkel. Auf einer Schau fand er gelbe Mondain-Tauben und schenkte sie dem Siebenjährigen, der mit vier Jahren dem deutschen Sonderverein der Schautauben beitrat. Im Moment seien aber Dinosaurier und Computerspiele interessanter als die Vögel.

Im Frühjahr beginnt Renkel seine Tauben merkmalsgerecht zu paaren. 20 Paarungen hat er vorgesehen. Einmal im Jahr legt die Taube ein bis zwei Eier, die sie gemeinsam mit dem Täuber ausbrütet. Doch nur aus etwa der Hälfte der Gelege schlüpfen Küken. Diese sollen bereits im November in Paaren/Glien bei der Landesmeisterschaft ausgestellt werden.

Taubenzucht hatte Ursprung in Indien

Schon vor Tausenden von Jahren begann in Indien die Domestizierung der Tauben, ursprünglich mit der Felsentaube.

Historisch betrachtet hatte die Taubenzucht unterschiedliche Motive. Demnach entstanden Masttauben, Brieftauben und Züchtungen.

Gezüchtet wurden Tauben nicht nur auf eine perfekte Optik hin, sondern auch in Bezug auf besondere Eigenheiten beim Flugverhalten.

Die „Columbidae“ ist die einzige Familie der Ordnung der Taubenvögel mit etwa 42 Gattungen und mehr als 300 Arten.

Von Franziska Appelt

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