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Tango Argentino ist mehr als Tanz

Bad Belzig Tango Argentino ist mehr als Tanz

Keine starren Regeln wie beim Europäischen Tango: Der Tango Argentino soll vom Zusammenspiel der beiden Tanzpartner geleitet sein. Für den Walzer gewohnten Deutschen klingt das erschreckend. Dass Tango auch im Fläming Spaß machen kann, zeigte der Wochenend-Workshop in Bad Belzig mit anschließend offener Tanzfläche für „blutige Anfänger“ wie Erfahrene.

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Musiker des Berliner Danzaria-Quartetto baten am Abend zur Milonga aufs Parkett.

Quelle: Uwe Klemens

Bad Belzig. „Immer außen entlang und entgegen zum Uhrzeigersinn, das senkt die Unfallzahlen ungemein“, ruft Steven und zeigt mit seiner Partnerin Antje, wie’s geht. Hand in Hand auf der einen Seite und Arm um Arm gelegt auf der anderen drehen die beiden eine kleine Runde auf dem Parkett der Tanzschule Mierisch. Nach dem großen Anklang, den ihr eintägiger Workshop bereits vor einem Jahr fand, waren die Potsdamer Tanzlehrer am Wochenende zum zweiten Mal in Bad Belzig zu Gast. Anlass bot erneut der Kunstsommer Hoher Fläming. Jeder, egal ob Anfänger oder bereits erfahren, war dazu willkommen.

Mit 22 Teilnehmern lag der Zuspruch im Bereich der Erwartungen. „Blutige Anfänger wie ich“, wie Workshop-Teilnehmerin Sybille über sich selbst sagt, waren ebenso darunter, wie geübte Tango-Tänzer. Der aus Potsdam angereiste Klaus Neumann ist einer von denen, die sich schon vor Jahren mit dem Tango-Virus infiziert haben. „Workshops wie dieser sind eine gute Gelegenheit, weiter zu kommen“, sagt Klaus, der drei Mal pro Woche zum Tango-Kurs geht und trotz des intensiven Trainings schwärmt: „Tango Argentino ist pures Vergnügen und nicht nur eine Tanzform, sondern eine Philosophie“.

Wenige Minuten nach dem Kennenlernen folgen die Paare bereits in vertraulicher Umarmung den südamerikanischen Rhythmen. „Das ist das wunderbare am Tango“, sind sich Sybille und Klaus, die sich, wie die meisten in der Gruppe, vorher nicht kannten, einig. „Man lernt im Nu und ganz unkompliziert neue Menschen kennen.“

Schon wer wenige Schritte beherrscht, kommt beim Tango Argentino auf seine Kosten

Schon wer wenige Schritte beherrscht, kommt beim Tango Argentino auf seine Kosten.

Quelle: Uwe Klemens

Anders als der so genannte „Europäische Tango“ kennt die argentinische Variante keine starren Regeln. Statt steifer Tanzhaltung gibt es hier die Tanzumarmung, die beiden Tänzern die Freiheit lässt, abwechselnd die Führungsrolle zu übernehmen, wie Steve erläutert. Das Wichtigste ist zu lernen, den Impuls seines Gegenübers zu spüren und die Bereitschaft, ihm zu folgen. „Hier drinnen ist unser Magnet“, sagt der Tanzlehrer und legt die Faust auf seine Brust. Mit ein paar Zentimetern Abstand, gerade so, dass sich die Magnetkraft gut überträgt, halten sich die Tänzer auf Abstand.

„Die Varianten, mit denen wir der Musik folgen können, gehen gen Unendlich“ sagt Steve. „Das Geniale ist, dass schon wenige Elemente reichen, um ein vollwertiger Tango-Argentino-Tänzer zu sein.“ Nicht die Anzahl der beherrschten Schrittfolgen ist entscheidend, sondern die Harmonie zwischen dem jeweils führendem und dem ihm folgenden Tanzpartner.

Original argentinische Milonga am Abend

Workshop-Organisator Lothar Hammes aus Lübnitz ist einer von denen, die das schon lange wissen. Kurios ist, dass ich bis vor fünf Jahren noch gedacht habe, Paartanz seit absolut nichts für mich. Als ich dann zum ersten Mal einen Tango-Abend organisierte und hinterm Tresen nicht anders konnte, als mitzutanzen, war’s passiert. Seithertanze ich mindestens zwei Mal pro Woche, entweder auf dem Tanzboden oder daheim in der Küche.“

Auch im Anschluss an den Wochenend-Workshop gab es Gelegenheit dazu. Am Abend wandelte sich der Saal zur Milonga, wie in Argentinien die Tango-Abende genannt werden. Nach einem Crash -Kurs für die neu Hinzugekommenen griffen die Musiker des Berliner Danzaria-Quartetto zu ihren Instrumenten und baten auf die Tanzfläche. Der Aufforderung von Geigerin Ulrike „Lasst euch die Musik in die Beine gehen“, konnte niemand widerstehen.

„Meine Erwartungen an diesen Tag wurden absolut erfüllt“, war sich die nun gar nicht mehr so blutige Anfängerin Sybille am Ende sicher. „Auf jeden Fall war das zwar mein erster, aber nicht mein letzter Tango-Argentino-Abend.“

Von Uwe Klemens

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