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Teltow Händler fürchten um Weihnachtsgeschäft
Lokales Potsdam-Mittelmark Teltow Händler fürchten um Weihnachtsgeschäft
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17:46 10.09.2018
Mit Tempo 30 Richtung Berliner Ring: Fahrzeuge auf der Ruhlsdorfer Straße.  Quelle: Stephan Laude
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Teltow

Am 21. Dezember sollen die Bauarbeiten auf der Ruhlsdorfer Straße in Teltow beendet sein. Das steht auf der Webseite des Landesbetriebs Straßenwesen. Im Internetauftritt der Stadt Teltow wird dagegen weiter der ursprünglich angepeilte Termin genannt: Die gesamte Fertigstellung des im Juli 2016 begonnenen Bauvorhabens sei für das III. Quartal 2018 geplant. Das wäre also spätestens am 30. September.

Für diejenigen, die nur gelegentlich auf der Strecke, die zu einer wichtigen Verbindung zwischen Berlin und dem Berliner Ring gehört, unterwegs sind, dürfte es kein Drama sein, noch ein Vierteljahr länger Richtung Süden die Geschwindigkeitsbeschränkung und in der Gegenrichtung die Umleitung in Kauf nehmen zu müssen. Die Händler an der Straße sind weniger gelassen. Für sie ist es ein Riesenunterschied, ob das Weihnachtsgeschäft zweimal in Folge ausfällt oder dreimal. Die Betroffenen sind empört über die Verzögerungen.

Fachgeschäfte beklagen deftige Umsatzeinbußen

Christian Bubeck, Inhaber des Fachgeschäfts Stadtreiter, berichtet über Umsatzeinbußen von 23 bis 25 Prozent. „Vor Beginn der Bauarbeiten konnte ich pünktlich meine Miete zahlen“, so Bubeck. Jetzt sammelt er Schulden an. Und nicht nur er. Jörg-Peter Graap, Geschäftsführer der Bauträgergesellschaft Terra Bau Concept und Vermieter der Ladenlokale im Buschwiesenkarree, beziffert seine monatlichen Mietausfälle auf 7000 Euro. Er kommt seinen Mietern entgegen. Drei Läden stehen leer. „Die werde ich nicht los“, sagt Graap.

Die Wintermonate sind zwar nicht die Hauptsaison für Reiter, trotzdem seien die Monate September bis Dezember die wichtigsten für den Reitsport-Fachhandel, so Bubeck, der sein Geschäft zehn Tage vor dem Baustart eröffnet hatte. „Da werden zum Beispiel Decken und Jacken angeschafft.“ Dass der Spielwarenladen Wichtelshop auf das Weihnachtsgeschäft angewiesen ist, liegt auf der Hand. Küchen dagegen sind keine Saisonartikel. Trotzdem klagt auch der Inhaber von Marquardt-Küchen, Bernd Buchwald, über die Dauer der Bauarbeiten und die damit verbundene Umleitung. Mindestens drei Kunden habe er schon verloren, weil die es aufgegeben hatten, das Geschäft zu finden. Ein Bad- und Sanitärgeschäft hat bereits dicht gemacht.

Im Frühjahr gingen die Arbeiten flott voran, im Sommer weniger

Klar, dass die Gewerbetreibenden interessiert beobachten, was sich täglich vor ihren Ladentüren tut oder nicht tut. „Im März, April und Mai, da haben die Bauarbeiter richtig losgelegt“, sagt Graap. Dann habe weitgehend Ruhe geherrscht. Mitte Juni war ein Mitarbeiter des Landesamtes für Arbeitsschutz auf der Baustelle, einer Behörde, die in der brandenburgischen Baubranche als sehr konsequent bei der Umsetzung von Arbeitsschutzvorschriften bekannt ist und dafür gleichermaßen geschätzt wie gefürchtet wird. Sie stellte fest, dass der Abstand zwischen Baustelle und fließendem Verkehr zu gering sei, sagte ein Sprecher des Arbeitsministeriums. Folglich mussten die rot-weißen Absperrungen durch sogenannte Fahrzeug-Rückhaltesysteme aus Beton und Stahl ersetzt werden.

Betonsperren an der Ruhlsdorfer Straße Teltow. Quelle: Stephan Laude

Frank Schmidt vom Landesbetrieb Straßenwesen bestätigt aber nicht Graaps Beobachtung, dass die Arbeiten deshalb um drei bis fünf Wochen zurückgeworfen worden seien. Beim Straßenbau – vor allem innerorts – könne es, so Schmidt, immer zu Problemen kommen, die bei der Planung nicht vorhersehbar seien, etwa durch nicht oder nicht sorgfältig dokumentierte Leitungen auf der Baustelle. „Unter der Ruhlsdorfer Straße lagen Kabel, von denen nicht einmal der Eigentümer bekannt war“, sagt Schmidt.

Eine Prämie für die vorzeitige Fertigstellung wäre nicht schlecht

Küchenhändler Buchwald verweist auf Berlin: Bei der Sanierung der Robert-Wissel-Brücke – einem Teil der Autobahn – sei der Baufirma eine Prämie versprochen worden, wenn sie früher als geplant fertig wird. Und so war sie dann tatsächlich früher fertig. Aber die Ruhlsdorfer Straße in Teltow sei aus Sicht der Verantwortlichen wohl zu unwichtig, meint Buchwald.

Graap hat einen Vorschlag unterbreitet, nach dem Autofahrer aus Richtung Berlin bis zum Rewe-Markt und den Nachbargeschäften kommen könnten und auch wieder zurück. Es fehlten nur noch 50 Meter Radweg Richtung Süden. Aber Graap kam mit seinem Vorschlag nicht durch. Namentlich von der Teltower Stadtverwaltung fühlen sich die Händler allein gelassen.

Bauleute sollen im Gespräch mit Händlern geäußert haben, dass auch der 21. Dezember nicht zu schaffen sei. Nein, bekräftigt Frank Schmidt, die Fahrbahn werde bis dahin fertig sein, „aus heutiger Sicht“, wie er allerdings einschränkt. Die Fertigstellung der Gehwege könnte möglicherweise aber noch etwas länger dauern. Mit oder ohne Gehweg, darauf kommt es für die Händler wohl kaum noch an. „Am 21. 12. ist das Weihnachtsgeschäft vorbei“, sagt Graap.

Von Stephan Laude

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