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Teltow Gymnasien stützen neue Gesamtschule
Lokales Potsdam-Mittelmark Teltow Gymnasien stützen neue Gesamtschule
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01:17 31.08.2018
Die überzähligen Anmeldungen am Weinberg-Gymnasium Kleinmachnow und am Kant-Gymnasium Teltow sollen an die neue Gesamtschule in Teltow verwiesen werden. Quelle: Heinz Helwig
Region Teltow

Weniger Schüler sollen in Zukunft in der siebten Klasse im Kleinmachnower Weinberg-Gymnasium und im Teltower Immanuel-Kant-Gymnasium aufgenommen werden dürfen. Wer dann keinen Platz bekommt, soll auf die neue Gesamtschule des Landkreises Potsdam-Mittelmark umgeleitet werden. Dies ist dem aktuellen Entwurf des Schulentwicklungsplanes des Landkreises für die Jahre 2018/19 bis 2023/24 zu entnehmen.

Darin ist vorgesehen, demnächst das Teltower Gymnasium wahlweise mit nur drei oder vier und die Kleinmachnower Schule mit nur zwei oder drei siebten Klassen zu starten. Vor Kurzem lief das Weinberg-Gymnasium inklusive der Leistungs- und Begabtenklasse zwei Jahre lang sogar vierzügig. „Die Gymnasien waren überbelegt und das Ziel der neuen Gesamtschule war ja eine Entlastung“, gibt Michael Belkner, Teltows Fachbereichsleiter für Schule, zu bedenken. „So bekommt man mehr Platz für weniger Schüler.“ Auch im Schulentwicklungsplan ist zu lesen, dass der Bedarf „nur mit Hinzunahme der Plätze des dreizügigen Evangelischen Gymnasiums in Kleinmachnow und einer hohen kapazitären räumlichen Auslastung abgedeckt werden“ konnte.

Das Weinberg-Gymnasium in Kleinmachnow läuft derzeit vier- bis fünfzügig. Nach Plänen des Landkreises Potsdam-Mittelmark sollen künftig nur noch zwei oder drei Klassenzüge gebildet werden. Quelle: Heinz Helwig

Dennoch soll ab dem Schuljahr 2019/20 das gymnasiale Angebot weiter reduziert werden. Die dann entstehende „Übernachfrage an den Gymnasien wird über die geplante Vierzügigkeit an der neuen Gesamtschule abgedeckt“, ist als Fußnote in dem Papier vermerkt, in dem auch die Gesamtschule der Hoffbauer-Stiftung durchgehend zweizügig aufgelistet ist. Dabei war dort von Beginn an geplant, ab dem nächsten Schuljahr dreizügig zu arbeiten.

Schulleiter Peter Brandsch-Böhm erklärt dazu: „Wir stellen gerade den Antrag beim Ministerium, und er wird mit Sicherheit bewilligt.“ Für die Ablehnung müsste es einen wichtigen Grund geben – und Konkurrenz könne kein solcher sein. „Um die Dreizügigkeit fürchte ich überhaupt nicht, die werden wir genauso umsetzen“, ist er optimistisch. Er bezeichnet das Papier als ein Planspiel, ein prognostisches Verfahren, keine Festlegung. Ähnlich sieht das auch Belkner. Er vermutet aber, dass sich das Auswahlverhalten der Schüler und Eltern in Zukunft ohnehin ändern werde, wo jetzt eine weitere Schule zur Verfügung stehe.

Auch das Immanuel-Kant-Gymnasium in Teltow soll demnächst nur noch wahlweise mit drei oder vier siebten Klassen starten. Quelle: Jacqueline Schulz

Wenn allerdings nicht, dann entscheidet das Staatliche Schulamt in Brandenburg an der Havel mit dem Schulträger. „Man muss alle Schulen mit dem Ziel Abitur betrachten und die Bewerber entsprechend umleiten“, so der stellvertretende Amtsleiter Frank Quella. Dabei sei nicht relevant, dass Gesamtschulen ein Jahr länger als Gymnasien dauern. Inhaltlich sei es das gleiche, nur gestreckt. Das Abitur sei überall gleich, sagt er. Wichtig wäre nur, dass betrachtet werde, wie viele Schüler man habe und wie viele Klassen. An den Gymnasien werde man dann eher die Schüler mit besseren Leistungen aufnehmen, ist er überzeugt.

Das sieht Kathrin Heilmann (CDU), selbst Pädagogin am Weinberg-Gymnasium, etwas anders: „Sicher ist das Abitur überall gleich – aber die Gesamtschulen haben ein ganz anderes Profil und differenzieren auch anders als Gymnasien. Hier vergleicht man Äpfel mit Birnen.“ Sie gibt ebenfalls zu bedenken, dass weniger Klassen weniger Lehrerzuweisungsstunden und damit auch weniger Kurse in der Sekundarstufe 2 bedeuten.

Gymnasien der Region laufen derzeit vier- bis fünfzügig

Das Weinberg-Gymnasium in Kleinmachnow mit 760 Schülern ist aktuell vier- bis fünfzügig. Das Immanuel-Kant-Gymnasium in Teltow ist vierzügig und hat rund 600 Schüler.  

Der Schulentwicklungsplan wird von jedem Schulträger alle fünf Jahre neu erstellt und versteht sich als planerische Grundlage. Die betroffenen Städte und Gemeinden können eine Stellungnahme zu dem Entwurf abgeben, die dann bei der Behandlung des Papiers im Bildungsausschuss des Landkreises im Oktober in die Betrachtung einfließen wird. Nach der Beschlussfassung durch den Kreistag soll er dann voraussichtlich im Dezember durch das Bildungsministerium genehmigt werden.  

Aufgrund des dauerhaft hohen Überganges von aktuell 66 Prozent der Schüler der sechsten Jahrgangsstufen an die vier Gymnasien erfolgt hier eine ganzheitliche Berechnung in Bezug auf nutzbare Kapazitäten aller weiterführenden Schulstandorte der Region (ohne Waldorf und BBIS), darunter befindet sich auch die 2018/19 startende neue Gesamtschule in Teltow. (Quelle: Schulentwicklungsplan)

Prinzipiell verstehe sie, dass man dafür sorgen wolle, dass nur noch die Besten ans Gymnasium kämen, aber so provoziere man Proteste. „Der Elternwille ist ein anderer.“ Auch Belkner betont, dass es ein Wahlrecht der Eltern gebe. Seiner Meinung nach sei ein Kind aber wohl nur sehr schwer an eine Gesamtschule zu zwingen, wenn sowohl der Erst- als auch der Zweitwunsch ein Gymnasium sei. „Die Zuweisung ist ein hartes Mittel. Da braucht man viele gute Gründe, um das vor Gericht durchzukriegen.“

Belkner ist davon überzeugt, dass die Gymnasialklassen nicht einfach so geschlossen werden können. „Man kann nicht so aus der hohlen Hand sagen, dass man jetzt einen Zug weniger macht“, spricht er aus eigener Erfahrung und erinnert sich an große Hindernisse, als er nach einem außerordentlichen vierzügigen Jahr mit der Mühlendorf-Oberschule wieder auf die regulären drei Klassen zurück wollte. Janina Kolkmann, die derzeitige Leiterin des Staatlichen Schulamtes dazu: „Die Klassenbildung ist im Einvernehmen mit den Schulträgern zu treffen.“ Bei unterschiedlichen Meinungen müsse verhandelt werden, doch: „Fakt ist, dass die Plätze vorhanden sein müssen – der Träger ist also maßgeblich.“

Von Konstanze Kobel-Höller

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