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Teltow Schulen lassen Anti-Mobbing-Mann nicht rein
Lokales Potsdam-Mittelmark Teltow Schulen lassen Anti-Mobbing-Mann nicht rein
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19:32 26.07.2018
Carsten Stahl geht mit seiner Initiative „Stoppt Mobbing“ an die Grundschulen im Land. Doch nicht an jeder Einrichtung ist er willkommen. Quelle: Archiv
Teltow

Anti-Mobbing-Experte Cars- ten Stahl wird in diesem Jahr bei der Veranstaltung „Rock am Kanal“ auf der Bühne stehen, bestätigt Mitorganisator Torsten Höricke der MAZ. „Wir sehen Kinder- und Jugendarbeit als unsere Aufgabe – und wir merken, dass Mobbing ein zunehmendes Problem ist. Wir haben auch schon von Fällen an Teltower Schulen gehört und wollen etwas tun, bevor es ernst wird.“ Stahl, der mit seinen Seminaren „Camp Stahl“ deutschlandweit bekannt wurde, hält in Schulen und Jugendgruppen Workshops gegen Mobbing und Gewalt, sowie Kurse für Selbstverteidigung und richtiges Verhalten in Not- und Krisensituationen, aber auch zum Aufbau von Selbstbewusstsein oder gegen „Mitläufertum“ ab.

Eigentlich hatte Teltow geplant, Stahl rund um das Rockevent auch an die eigenen Grundschulen der Stadt zu holen, doch das komme nun nicht zustande, so Stadtsprecher Jürgen Stich. Die Gründe dafür wurden nicht genannt. Doch alle drei Schulen hatten entsprechende Aktivitäten für ihre Klassen geschlossen abgelehnt. Dabei war Einstimmigkeit keine Bedingung, auch einzeln hätten sie das Angebot wahrnehmen können, bestätigt die Stadt. Zwar war in der Anne-Frank-Grundschule in einer Sitzung der Schulkonferenz, bei der auch Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) anwesend war, ein Workshop für die sechsten Klassen mehrheitlich beschlossen worden. Aber offensichtlich fand etwas später eine erneute Abstimmung statt, in der nur die Schüler dafür eintraten und von den anderen Mitgliedern überstimmt wurden.

Direkt und nicht mit Samthandschuhen

Teltows Eltern jedenfalls beklagen gerade in den beiden großen Grundschulen der Stadt – Anne Frank- und Ernst von Stubenrauch-Grundschule – teilweise massive Probleme mit Mobbing und einen unzureichend professionellen Umgang damit. Viele wünschen sich Hilfe von außen. Nicht ganz einig sind sie sich, ob Stahl für die Grundschule der richtige ist, oder ob doch lieber ein anderer Anbieter gesucht werden sollte. Stahl ist grob, muskelbepackt, tätowiert. Er spricht Emotionen an, greift niemanden mit Samthandschuhen an: Da wird nicht gesäuselt, er ist laut und direkt. Er erzählt Kindern, dass ihn selbst das Schlagen dahin gebracht hat, dass er sein eigenes Kind begraben musste – seine schwangere Freundin war von einer gegnerischen Gang überfallen und misshandelt worden, was zum Tod des ungeborenen Babys führte. Toleranz und Respekt sind die Themen, um die es ihm geht und mit denen er durch seine Authentizität, durch seine sehr persönliche Geschichte, auch sein Gegenüber erreicht.

Nun hofft man von Seiten der Stadt nach dem Auftritt Stahls auf einen neuen Anlauf: „Wir gehen davon aus, dass die Schulen der Region die Anti-Mobbing-Kampagne im Rahmen von ‚Rock am Kanal‘ zum Anlass nehmen, die Situation vor Ort jeweils genauestens zu hinterfragen und Hilfsangebote zu initiieren. Carsten Stahl steht dafür natürlich zur Verfügung“, so Schmidt.

Experte war früher Chef einer Gang

In Teltow gibt es drei städtische Grundschulen: Die Anne-Frank-Grundschule mit knapp 600 Schülern, die Ernst von Stubenrauch Grundschule (rund 390 Schüler) und die Grundschule am Röthepfuhl (Ruhlsdorf) mit rund 170 Schülern.

Über außerschulische Angebote entscheidet an mehrzügigen Einrichtungen die Schulkonferenz.

Carsten Stahl war lange Chef einer Gang in Berlin-Neukölln. Sein Ausstieg gelang ihm 2008 über Jobs als Privatdetektiv, Personenschützer und Türsteher. Bekannt wurde er durch die TV-Serie „Privatdetektive im Einsatz“.

Mit seinem „Camp Stahl“ besucht er Schulklassen und Jugendgruppen und klärt über Mobbing und Gewalt auf.

Bereits im September 2017 hatte Stahl im Teltower Jugendhaus Schiffer ein Mobbing-Präventionsseminar abgehalten, auch Schüler und Schülerinnen der Mühlendorf-Oberschule wurden schon zwei Mal von ihm betreut. „Diese Veranstaltungen habe ich besucht und war außerordentlich beeindruckt“, so Schmidt. Dass die Herangehensweise tatsächlich nicht unumstritten ist, dessen ist sich auch Höricke bewusst: „Er mag polarisieren, aber er erreicht die Kinder“, betont er. „Das tut jemand mit erhobenem Zeigefinger nicht. Er spricht sowohl Täter als auch Opfer an. Er hat eigene Erfahrungen, die vielleicht ein Pädagoge nicht gemacht hat.“ „Rock am Kanal“ würde gern eine entsprechende Kampagne unterstützen, die Finanzierung erfolge gemeinsam mit der Stadt, so Höricke. Außerdem betont er, dass er zwar von Stahl beeindruckt sei, aber auch offen für andere Ideen wäre, denn: „Ich finde das Thema verdammt wichtig.“ Am allerwichtigsten ist Höricke aber: „Die Schulleiter, Eltern und Lehrer sollen sich auf die Seite der Kinder stellen, um die es hier geht.“

Von Konstanze Kobel-Hölller

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