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Teltow Bilder einer Ausstellung
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18:48 06.11.2018
Im Teltower Rathaus wird am 9. November eine Ausstellung mit Bildern der jüdischen Malerin Gertrud Dreyfuss eröffnet. Sie musste nach der Pogromnacht mit ihrer Familie aus Teltow fliehen. Quelle: Stadt Teltow
Teltow

Mit einer Ausstellung von Bildern der jüdischen Künstlerin Gertrud Dreyfuss erinnert die Stadt Teltow ab Freitag an die Reichspogromnacht, die vor 80 Jahren in Deutschland die systematische Verfolgung der Juden unter der Naziherrschaft einleitete.

Jüdische Einrichtungen, Synagogen, Geschäfte und Wohnungen im ganzen Land waren am 9. November 1938 im ganzen Land zerstört und in Brand gesetzt worden. Juden wurden misshandelt, gedemütigt und ermordet – die Jagd auf sie wurde von der den Nationalsozialisten nahe stehenden Bevölkerung offen ausgelebt, nachdem am 7. November 1938 der jüdische Jugendliche Herschel Grynszpan in Paris ein Attentat auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath verübt hatte. Nachdem das deutsche Radio die Tat gemeldet hatte, kam es in vielen deutschen Städten zu organisierten antijüdischen Krawallen. Deutschlandweit begannen die Ausschreitungen aber erst zwei Tage später, nachdem Hitler persönlich den Befehl dazu gegeben hatte.

Die Bilder der jüdischen Malerin Gertrud Dreyfuss aus Teltow, die in der Ausstellung im Neuen Rathaus gezeigt werden, sind erstmals in Europa zu sehen. Quelle: Stadt Teltow

Die Reichspogromnacht wird heute als Auftakt zur systematischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in Deutschland angesehen – schon am nächsten Tag wurden 30.000 Männer in die Konzentrationslager Dachau, Sachsenhausen und Buchenwald deportiert.

Auch Teltow blieb nicht von Geschehnissen dieser historischen Nacht verschont: Jüdische Geschäfte und Wohnhäuser, beispielsweise das der Familie Gumpert, wurden beschädigt, jüdische Einwohner von Polizei- und SA-Einheiten bedroht. Am Abend des 9. November hatte man in der Stadt der „Gefallenen der Bewegung“ des Hitlerputsches in München am 9. November 1923 gedacht, also jenen Nationalsozialisten, die getötet worden waren, als Hitler versuchte, die Regierung in Bayern gewaltsam zu übernehmen.

Spätestens nach diesen Ereignissen war Teilen der jüdischen Bevölkerung in Teltow klar, dass sie Deutschland so rasch wie möglich verlassen musste. Ihre Heimat, das Land der Dichter und Denker, bot ihnen schon seit der Machtergreifung der Nazis im Jahr 1933 keinen Schutz mehr. Auch Gertrud Dreyfuss, geborene Bursch, und ihre Familie begannen unmittelbar ihre Flucht vorzubereiten.

Teltows Grüne reinigen Stolpersteine

Die Villa der Familie Dreyfuss in der Max-Sabersky-Allee 4 wurde erst im März dieses Jahres von der Deutsch-Amerikanerin Dorothy David, einem anderen Nachfahren der jüdischen Familie, besucht.

Die Ausstellung wurde von der Teltower Historikerin Gabriele Bergner initiiert, die mit der Arbeitsgruppe Stolpersteine auch aktiv für die Verlegung der Gedenksteine in der Stadt eintritt. Die Schau wird etwa vier Wochen auf dem Flur der Bürgermeister-Etage gezeigt.

Für die Familie Dreyfuss wurden im Jahr 2011 in Teltow fünf Stolpersteine verlegt, für andere jüdische Bewohner des Hauses, alles Verwandte der Familie, weitere fünf.

Bei der Eröffnung der Ausstellung am Freitag wird Bergner über die Ereignisse in Teltow in der Reichspogromnacht und das Leben der Malerin berichten. Die Kunsthistorikerin Birgit Aldenhoff wird das künstlerische Werk einordnen. Bürgermeister Thomas Schmidt (SPD) wird Grußworte an die Besucher richten und als Vertreter der Familie Bursch-Dreyfuss wird Mike Glaser sprechen.

Die Teltower Grünen werden am Freitag, dem 9. November, anlässlich des 80. Jahrestages der Reichspogromnacht in Teltow-Seehof die verlegten Stolpersteine reinigen und Rosen zum Gedenken an die jüdischen Opfer niederlegen. Treffpunkt ist um 18.30 Uhr an der Fritz-Reuter-Straße/Ecke Max-Sabersky-Allee. Alle Teltower sind zu dieser Aktion herzlich eingeladen.

Gertrud Bursch war 1885 in Berlin geboren worden. Die Sommer ihrer Jugend verbrachte sie in der Familienvilla in der Teltower Max-Sabersky-Allee 4. Schon mit 15 Jahren hatte sie sich ihrer künstlerischen Begabung ernsthaft gewidmet und Malstudien bei bekannten Künstlern wie etwa dem Impressionisten Arthur Segal oder dem Expressionisten Ludwig Meidner betrieben. Auch ihr Onkel, der Bildhauer Max Landsberg, gab ihr Impulse und bot Unterstützung.

Gertrud Bursch heiratete den Kaufmann Alfred Dreyfuss. Nach der Geburt der drei gemeinsamen Söhne Fritz, Ernst und Hans zog die Familie in den 1920er Jahren dauerhaft nach Teltow. Dort wurde Alfred Dreyfuss im Jahr 1933 auch verhaftet. Er wurde zunächst in das Moabiter Zellengefängnis Lehrter Straße überführt, dann aber schließlich wieder freigelassen.

In dem Haus in der heutigen Max-Sabersky-Allee in Teltow-Seehof (undatierte Aufnahme) wohnte die Familie Dreyfuss bis zu ihrer Flucht aus der Stadt. Quelle: Repro Stadt Teltow

1938 emigrierten zunächst die Söhne Fritz nach England und Ernst über England in die USA. Hans konnte das Land mit einem Kindertransport nach England verlassen. Gertrud und Alfred Dreyfuss hatten mit den Vorbereitungen für ihre eigene Flucht zwar direkt nach der Reichspogromnacht begonnen. Doch erst am 30. Juni 1940 konnten sie das Land verlassen. Der Weg führte sie über Sibirien und Japan in die USA. Die Strapazen der Flucht führten dazu, dass Alfred Dreyfuss kurz nach seiner Ankunft starb. Ihm ist der erste Stolperstein vor der Max-Sabersky-Allee 4 gewidmet. Gertrud heiratete später ein zweites Mal, nahm den Namen Handsmann an und schuf viele weitere Bilder, die sich heute im Familienbesitz befinden.

„Die Ausstellung ,Flucht aus Teltow – Bilder der jüdischen Künstlerin Gertrud Dreyfuss’ in Teltow führt Werke aus verschiedenen Orten zusammen und zeigt sie erstmals in Europa“, sagt Teltows Stadtsprecher Jürgen Stich. Zur feierlichen Eröffnung im Stubenrauchsaal im Neuen Rathaus am Freitag, dem 9. November, ab 17 Uhr werden auch Vertreter der Familie Bursch-Dreyfuss anwesend sein.

Von Konstanze Kobel-Höller

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