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20:42 28.10.2018
Ein halbes Jahrhundert lang ist der frühere Bezirksschornsteinfegermeister Bernd Ebert aus Teltow anderen Leuten aufs Dach gestiegen. Quelle: Friedrich Bungert
Teltow

Ein halbes Jahrhundert lang ist Bernd Ebert aus Teltow anderen Leuten aufs Dach gestiegen. 45 Jahre davon mit dem Meisterbrief in der Tasche. Jetzt kann sich der ehemalige Bezirksschornsteinfegermeister seinen Münzsammlungen daheim und seinem Krafttraining im „Fit 2000“ in Stahnsdorf widmen, bei dem „ich immer die Sportgeräte auseinandernehme“, scherzt er. Vor etwa vier Jahren gab der 70-jährige seinen Betrieb in Teltow auf. „Ich würde mich aber auch heute wieder für diesen Beruf entscheiden“, bekennt Ebert. Kein Tag in seinem Berufsleben habe dem anderen geglichen. Viele Menschen habe er bei seiner Arbeit kennen gelernt und sich immer über die Kinder gefreut, wenn sie ihn in den Kitas und Schulen begeistert begrüßten.

Einer alten Volksweisheit zufolge sollen auch ein paar Borsten des Kehrbesens im Portemonnaie dem Betreffenden Glück bringen. Quelle: Friedrich Bungert

Schon als Kind stand Eberts Berufswunsch fest, wenn er sah, wie Vater Ernst in seiner Arbeit aufging. Bernd Ebert durfte ihm in den Ferien oft am Dachfenster dabei zuschauen. Als Ernst Ebert in Potsdam einen Kehrbezirk zugeteilt bekam, zog die Familie von Löwenberg in die damalige Bezirkshauptstadt. Im Kehrbezirk des Vaters ging Ebert in die Lehre und reinigte in der Brandenburger und der Gutenbergstraße, in der Hegelallee und in den Nebenstraßen die Schlote. Zum theoretischen Unterricht fuhr er nach Eilenburg. „Für unsere Arbeit mussten wir etwas vom Maurerberuf erlernen, vom Dachdecker und vom Ofensetzer. Das war schon spannend.“

In einem 25 Meter hohen Schornstein einer Potsdamer Bäckerei legte Bernd Ebert seine Meisterprüfung ab. „Da gibt es keine Hilfsmittel. Du kannst dich beim Reinigen bloß mit den Ellenbogen und Beinen und deinem Körper abstützen.“ Als später ein Bezirksschornsteinfegermeister in Teltow in den Ruhestand ging, übernahm Ebert dessen Kehrbezirk in Ruhlsdorf sowie in Teilen von Teltow und Stahnsdorf und machte sich selbstständig.

Schon als Kind wollte Bernd Ebert später einmal wie sein Vater das Koppel mit dem Innungszeichen des Schonrsteinfegerhandwerks tragen. Quelle: Friedrich Bungert

Freud und Leid hat Bernd Ebert in seinem Berufsleben gesehen. Bei einem Auftrag in Geltow geriet er ungewollt in eine Hochzeitsgesellschaft, die partout darauf bestand, dass Ebert sich auf den Schoß der Braut setzt. „Den Rest kann sich jeder wohl denken“, amüsiert er sich noch heute. Das sollte wohl genauso Glück bringen, wie das bekannte Zupfen anderer an seiner Arbeitskleidung oder das Aufbewahren von Borsten des Kehrbesens im Portemonnaie.

Mehr als nur Schornsteine reinigen

Als öffentlicher bestellter und vereidigter Sachverständiger wurde Ebert hinzugezogen, wenn jemand durch eine Feuerstätte ums Leben gekommen war. So kann er bis heute nicht die Familie mit den zwei Kindern vergessen, die starben, weil die Therme keinen Abzug hatte, durch den das Kohlenmonoxid hätte entweichen können.

„Als Schornsteinfeger kehrst du nicht einfach nur Schornsteine. Du überprüfst auch deren Funktion und Sicherheit“, sagt Bernd Ebert. Bei Neubauten entscheidet er beispielsweise die Anzahl und Anordnung der Fenster mit, damit später die Feuerstätten in den Gebäuden auch störungsfrei funktionieren.

Bernd Ebert war 17 Jahre lang Obermeister der Schornsteinfeger-Innung Potsdam und von 2007 bis 2012 Präsident der Handwerkskammer Potsdam.

Von Heinz Helwig

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