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Theaterkurs: Diese Frauen lernen spielend Deutsch

Bad Belzig Theaterkurs: Diese Frauen lernen spielend Deutsch

Das Familienzentrum der Awo in Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark) hat für geflüchtete Frauen einen Theater-Workshop organisiert, bei dem sie Deutsch lernen und ihre Kinder nebenan betreut werden. Denn die fehlenden Kitaplätze halten viele Mütter von der Integration ab.

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Zehn Mütter mit Flüchtlingshintergrund nutzen das Theaterprojekt, um spielerisch Deutsch zu lernen.

Bad Belzig. Keine Tagesbetreuung für die Kinder, keine Zeit für den Deutschunterricht: Bei den Flüchtlingsfrauen aus dem Klinkengrund stehen zahlreiche Hindernisse der Integration im Weg. Die Suche nach freien Kitaplätzen und alternativen Angeboten zum Lernen der Sprache stehen ganz oben auf der Wunschliste der Geflüchteten, bestätigt Ina Welpmann vom Familienzentrum der Awo im Klinkengrund.

„Wenn wir um Unterstützung gebeten werden, kommt immer zuerst die Frage nach Deutschunterricht“, sagt sie, „und das zum größten Teil von Müttern, die keine Betreuung für ihre Kinder haben.“ Mit einem Deutschlern-Theaterprojekt bietet das Familienzentrum in dieser Woche ein Angebot, das beide Fliegen mit einer Klappe schlägt: Während die Frauen mit zwei Theaterpädagoginnen spielend Deutsch lernen, werden ihre Töchter und Söhne nebenan von Mitarbeitern der Awo betreut.

Ina Welpmann, Leiterin im AWO-Familienzentrum Bad Belzig

Ina Welpmann, Leiterin im AWO-Familienzentrum Bad Belzig

Quelle: Victoria Barnack

Claudia Bartholomeyczik und Ulrike Stockburger leiten das Projekt. Sie gehören dem Berliner „Theaterbündnis Blumenstrauß“ an, einem Verein zur kulturellen Bildung in allen Sozialschichten. Bartholomeyczik ist Theaterpädagogin, Sprachgestalterin und Fremdsprachenpädagogin. Ihre Kollegin Ulrike Stockburger ist außerdem Moderatorin für Beteiligungsprojekte und Lizenztrainerin im Breitensport.

„Mit unseren Kompetenzen wollten wir uns einbringen“, berichtet Stockburger, „denn wir wissen, dass es Frauen oft besonders schwierig haben.“ Weil oftmals die Mütter die Kinder betreuen, könnten sie weniger am öffentlichen Leben teilhaben. „Das Problem der Kinderbetreuung kennen wir auch aus Berlin“, bestätigt sie.

Insgesamt zehn geflüchtete Frauen aus Syrien, Afghanistan, Nigeria und Kenia nutzen das Angebot, das noch bis Freitag läuft. Die wenigsten von ihnen konnten bisher einen Deutschkurs besuchen. Familienzentrumsleiterin Welpmann betont, dass der einwöchige Theaterworkshop keine Lücken im System schließen kann. „Es ist eine wertvolle Ergänzung“, sagt sie. „Es geht vor allem darum, die Scheu zu überwinden, Deutsch zu sprechen.“

Ulrike Stockburger bringt den Flüchtlingsfrauen neue Substantive und di richtigen Artikel bei

Ulrike Stockburger bringt den Flüchtlingsfrauen neue Substantive und di richtigen Artikel bei.

Quelle: Victoria Barnack

Dieses Ziel wollen Bartholomeyczik und Stockburger mit zwei einfachen Mitteln erreichen: wenig Druck und viel Spaß. „Wir wurden herzlich empfangen. Die Frauen haben schnell gemerkt, dass sie hier so viele Fehler machen können, wie sie möchten“, erzählt Ulrike Stockburger.

Bis zum Freitagnachmittag wollen sie verschiedene Szenen einstudieren und das Sprachniveau dabei kontinuierlich verbessern. In einem ersten Stück rempeln sich zwei Frauen mit Handtaschen an. Aus „Hey, was soll das?“ oder „Was denn?“ sollen bis Freitag ausformulierte Sätze wie „Passen Sie doch auf!“ oder „Was habe ich denn gemacht?“ werden.

Die großen Barrieren von Sprache und Schrift wollen die Theaterpädagoginnen dabei möglichst umgehen. „Wir nutzen den Körperausdruck, Gefühle, Lachen und Bewegung“, erklärt Claudia Bartholomeyczik. Um die Emotionen ins Deutsche zu übertragen, durften die Frauen die Gespräche zu Beginn in ihrer Muttersprache proben. Denn die Theaterpädagoginnen wissen: „Dort fühlen sie sich wohl.“

Die Wertschätzung für die Heimat der Geflüchteten soll am Ende zu einer Offenheit gegenüber der neuen Sprache führen. Das Deutsch lernen soll auch weiterhin Spaß machen. „Die Trennung zwischen dem sachlichen Unterricht und dem emotionalen Umgang mit Sprache innerhalb einer Familie ist nicht förderlich“, erklärt Stockberger.

Damit dass einwöchige Projekt auch langfristig Früchte trägt, wollen Bartholomeyczik und Stockburger ein Heft erarbeiten, in dem Texte, Bilder, Lieder und Sprüche festgehalten sind, die während des Projektes eingeübt wurden. „Anschließend können die Frauen damit eigenständig das ein oder andere neue Wort dazulernen“, sagt Ulrike Stockburger.

Das Familienzentrum will Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen müssen, weiterhin unterstützen. Immer dienstags und donnerstags ab 9 Uhr findet der „Bunten Morgen“statt. Zwei Stunden lang können Eltern dort Deutsch lernen und sich beraten lassen, während ihre Kinder in der Einrichtung betreut werden.

Von Victoria Barnack

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