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Tierschützer befürchten Rösser-Stress

Streit um Einsatz von Pferden bei Werders Festumzug Tierschützer befürchten Rösser-Stress

Mit einem dringlichen Appell hat sich eine Pferdeschutz-Initiative an die Stadt Werder gewandt und darum gebeten, beim Festumzug zum 700-jährigen Bestehen der Stadt auf den Einsatz der Tiere zu verzichten. Es bestehe die Gefahr, dass gestresste Pferde durchgehen. Die Stadt weist das Ansinnen zurück und verweist auf ihr Sicherheitskonzept.

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Sieben Pferdegespanne mit Kaltblütern aus Brück sollen auf dem Festumzug in Werder gezeigt werden.

Quelle: Jörgen Heller

Werder. Trotz eines Appells der „Pferdeschutz-Initiative 2015“, beim Festumzug zum 700-jährigen Bestehen Werders am 16. Juli auf den Einsatz von Pferden zu verzichten, will die Stadt an der Präsentation der Tiere festhalten. „Die Stadt veranstaltet zum 700. Geburtstag einen Festumzug, bei dem in 55 Bildern die Stadtgeschichte nacherzählt werden soll. Im Festkomitee wurde eingehend beraten, ob dazu auch Pferde genutzt werden sollen. Man hat sich dafür entschieden, weil Pferde im Zusammenleben mit dem Menschen Jahrhundertelang auch in Werder eine prägnante Rolle gespielt haben und für Sport und Freizeit auch heute noch spielen“, sagt der 1. Beigeordnete Christian Große.

Zuvor hatte die Pferdeschutz-Initiative vor Gefahren beim Einsatz von Rössern gewarnt. Gerade bei Festumzügen gebe es immer wieder „Verletzungen bei Zuschauern, Teilnehmern der Umzüge sowie auch bei den Pferden“. Pferde seien Fluchttiere, heißt es in dem Appell. „Für die Tiere ist ein Festumzug purer Stress. Und weil der Stress für die Pferde zu hoch ist, treten häufig bei den Pferden Koliken auf, die sogar zum Kreislaufversagen und in der Folge zum Tod der Pferde führen können.“ Deshalb habe die Initiative sich an die Stadt gewandt und die zuständige Behörde aufgefordert, den Einsatz von Pferden aus „Tierschutz- und Sicherheitsgründen zu verbieten“.

Tierschützer: „Pferde können in Panik geraten“

„Pferde können beim geringsten Anlass erschrecken, steigen, scheuen, austreten, in Panik geraten, durchdrehen und unkontrolliert davonstürmen“, sagt Brigitte Kübbeler, Sprecherin der bundesweit tätigen Pferdeschutz-Initiative. „Dadurch gefährden sie sich, ihren Reiter und andere. Ihr Einsatz ist unverantwortlich. Selbst gute und erfahrene Reiter oder Kutscher können in brenzligen Situationen Unfälle nicht verhindern.“ Nach eigenen Angaben hat die Pferdeschutz-Initiative mit der Aufforderung, den Einsatz von Pferden in Festumzügen zu verbieten, Erfolge erzielt, „weil bereits in einigen Festumzügen teilweise auf Pferde verzichtet wurde.

Die Stadt setzt auf Kaltblüter aus Brück

Für Werders 1. Beigeordneten Christian Große kommt dies aber nicht in Frage. „Ganz bewusst hat die Stadt nach einem erfahrenen Partner in der Region gesucht. Dabei sind wir auf den Kaltblut-Zucht- und Sportverein Brück gestoßen, der das hocherfolgreiche Kaltblüterrennen ’Titanen der Rennbahn’ veranstaltet“, so Große. „Die Mitglieder des Vereins opfern einen großen Teil ihrer Freizeit, um dieses in Deutschland einmalige Pferdesportereignis zu organisieren. Die Förderung der Rheinisch-Deutschen Kaltblüter-Zucht in Brück wird von Fachleuten ausdrücklich gelobt, unter anderem weil diese Rasse fast vom Aussterben bedroht war.“

Laut Große werden in Werder keine Wildpferde am Festumzug teilnehmen, sondern Hauspferde. Die Rasse aus Brück sei noch dazu ganz besonders friedvoll. Nach Auskunft des Brücker Vereins haben diese Tiere schon an sehr vielen Festumzügen und Großveranstaltungen teilgenommen, am Karnevalsumzug in Köln zum Beispiel, zum Lutherjahr in Wittenberg, zuletzt zum Kirchentag in Berlin. „Sie sind Menschenfreunde und dafür ausgebildet, vor großem Publikum Gespanne zu ziehen, und haben nach Auskunft der Vereinsführung große Freude an einer solchen Abwechslung“, so Große. Probleme habe es dabei nie gegeben.

Sieben Gespanne werden den Festumzug begleiten

Insgesamt sieben Pferdegespanne werden beim Werderaner Festumzug auftreten. „Der Sicherheit der Menschen und auch der Tiere ist in enger Absprache mit dem Brücker Verein in jeder Hinsicht Rechnung getragen worden“, sagt Große.

„Meine persönliche Befürchtung ist, dass bestimmte Hauspferdrassen aussterben würden, wenn sie nicht zum Nutzen und zur Freude der Menschen zum Einsatz kämen. Das kann kaum im Sinne des Tierschutzes sein“, so Große.

Von Jürgen Stich

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