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Todesfabrik unter Bäumen in Kleinmachnow

Zwangsarbeit von 1935 bis 1945 Todesfabrik unter Bäumen in Kleinmachnow

In den Wäldern von Kleinmachnow (Potsdam-Mittelmark) produzierte die Dreilinden Maschinenbau GmbH von 1935 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges Aggregate für Flugzeugmotoren. Tausende Zwangsarbeiter aus ganz Europa, unter ihnen 800 Polinnen, wurden von den Nazis gnadenlos ausgebeutet.

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Rudolf Mach zeigt Steuerungsteile von Flugzeugmotoren, die in Kleinmachnow von Zwangsarbeitern hergestellt wurden.

Quelle: Martin Steger

Kleinmachnow. Der Vortragssaal der ortsansässigen „Akademie 2. Lebenshälfte“ am Schwarzen Weg platzte aus allen Nähten und so wurden zur Beantwortung der Frage, ob es in der Nazizeit eine „Geheime Rüstungsfabrik in Kleinmachnow“ gegeben hat, noch zusätzliche Stühle aufgeklappt. Der umtriebige aus Zehlendorf stammende Rudolf Mach ist seit 15 Jahren Vorsitzender des Heimatvereins Kleinmachnow und beschäftigt sich seit 1996 intensiv mit der Geschichte der Drei Linden Maschinenbau GmbH, einer 100-prozentigen Tochter der Robert Bosch AG. Damals hatte er in einem Keller verstaubte Aktenberge gefunden, die den Einsatz von Zwangsarbeitern auch aus den KZ belegten.

1935 begann die düstere Firmengeschichte

Am Anfang der düsteren Firmengeschichte standen Gespräche des Reichsluftfahrtministeriums mit der Firma Bosch, die 1935 mit dem Ziel stattfanden, eine aus der Luft schwer einsehbare Fabrik zur Herstellung von Aggregaten für die Flugzeugmotoren-Produktion in den Wäldern um Drei Linden zu errichten. Eine ähnliche versteckte „Schattenfabrik“ gab es auch in Hildesheim; und Kleinmachnow bot sich ob seiner Berlinnähe und wegen der Fabriken von Daimler-Benz in Ludwigsfelde geradezu an. Noch im gleichen Jahr begannen die Bauarbeiten, die wegen der ständigen Erweiterungen der Produktion bis Ende 1944 kontinuierlich anhielten. Zu diesem Zeitpunkt war die Belegschaft auf 5000 Arbeiter und Angestellte angewachsen. Anfangs kamen die Fachkräfte noch aus dem Stammsitz in Stuttgart. Später wurden die hoch komplizierten Steuerungsaggregate von eigens ausgebildeten deutschen Lehrlingen und Spezialisten aus der Region gebaut.

Mach hatte für seinen Vortrag etliche dieser dort hergestellten, inzwischen etwas angerosteten Steuerungsteile mitgebracht, denen man nicht mehr ansah, dass es sich um frühere Hightech-Produkte handelte. Sie sicherten beispielsweise die reibungslose Treibstoffzufuhr, auch wenn das Flugzeug kopfstand, und brachten so zeitweise entscheidende Vorteile im Luftkampf.

Mit dem Überfall auf Polen 1939 und der Einberufung von Mitarbeitern an die Front eskalierte der Einsatz von Zwangsarbeitern. Durch Versprechungen geköderte oder zwangsrekrutierte Arbeiter aus halb Europa sowie polnische Kriegsgefangene ersetzten seit Kriegsbeginn Teile der Belegschaft. Mit dem Russlandfeldzug 1941 begann das schlimmste Kapitel dieser rücksichtslosen Ausbeutung unter Inkaufnahme des Todes von Zwangsarbeitern. Hunger, Auszehrung und Schikanen wüteten unter den 2500 im Barackenlager lebenden ausländischen Bosch-Arbeitern.

Russische Kriegsgefangene litten am meisten

Am meisten litten die russischen Kriegsgefangenen. Sie standen in der Naziideologie auf der untersten Stufe. Gut erforscht ist auch die Geschichte der 800 Polinnen, die im September 1944 nach der Niederschlagung des Warschauer Aufstandes nach Drei Linden kamen. Sie waren damals 14 bis 28 Jahre alt und etliche der Frauen überlebten nach der Räumung der Fabrik sogar den berüchtigten Todesmarsch von Sachsenhausen.

Der Katalog einer zweisprachigen deutsch-polnischen Gemeinschafts-Ausstellung von 2011 im Warschauer „Haus der Begegnung mit der Geschichte“ zeigt an Hand von Fotos und Dokumenten anschaulich ihr Leid. Der Katalog verwandelt gewissermaßen dieses unrühmliche Kapitel der Kleinmachnower Geschichte und macht aus ungefähren und längst vergangenen deutschen Kriegsverbrechen das Faktum einer vor Ort belegbaren Realität. Als der Referent mit einem Stapel Kataloge durch die Reihen der Zuschauer ging, wurde ihm die Broschüre fast aus der Hand gerissen. Mach berichtete noch, dass sein Heimatverein die beiden verbliebenen Pfosten der Eingangspforte zum Lager erhalten und mit einer Erinnerungstafel versehen möchte.

Von Lothar Krone

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