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Trachtenverband will Historie bewahren

Trachten und Mundart Trachtenverband will Historie bewahren

Immer öfter ziehen auf Volksfesten in der Region Menschen in Tracht die Blicke der Besucher auf sich. Dieses Kapitel Zeitgeschichte zu bewahren ist ihr Ziel. Leichter erreichen lässt sich dieses im Zusammenschluss mit Gleichgesinnten. Auf der Rabener Burg trafen sie sich, um über die nächsten Schritte zu beraten.

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Vertreter von 14 Trachtenvereinen waren zur Verbandstagung nach Raben gekommen.

Quelle: Uwe Klemens

Raben. Stück für Stück kommt die gute alte Tracht in der Region zwischen Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt wieder zu Ehren. Keine hundert Jahre ist es her, dass diese nicht nur beim sonntäglichen Kirchgang zum guten Ton gehörte. So wie das Flämingplatt in seinen vielen Facetten, ist auch der Fest- und Alltagsstaat unserer Vorfahren vielerorts in Vergessenheit geraten.

Jährliche Versammlung in Raben

Das Wissen darum wiederzubeleben haben sich Mitglieder zahlreiche Trachtenvereine und Folkloregruppen auf die Fahnen geschrieben, die es mittlerweile wieder gibt. 18 davon sind seit vier Jahren im Mitteldeutschen Heimat- und Trachtenverband (MHTV) organisiert. Am Wochenende trafen sie sich auf der Burg Raben zu ihrer jährlichen Mitgliederversammlung, die stets an Orten stattfinden, wo Trachten früher eine besondere Rolle spielten.

Die (Wieder-)Wahl des Vorstandes war im alten Rittersaal einer der Tagesordnungspunkte

Die (Wieder-)Wahl des Vorstandes war im alten Rittersaal einer der Tagesordnungspunkte.

Quelle: Uwe Klemens

„Im Hohen Fläming ist davon so gut wie nichts mehr vorhanden“, sagt Charles Koppehele, der Vorsitzender des Jüterboger Heimatvereins Flämingfreunde ist und vor vier Jahren die Gründung des MHTV anregte. „Damit wollten wir alle Initiativen und Gruppen, die mittlerweile bestehen, zusammenführen und ein Dachverband sein, der sich mit mehr Gewicht für dieses wichtige Stück Brauchtumspflege einsetzen kann“, sagt Koppehele, der seit Verbandsgründung im Jahr 2011 dessen Vorsitzender ist.

Waschechte Berliner in fast echter Flämingtracht

Trachtenforschung, Volkstanz in Tracht, Gesang und die Bewahrung historischer Handwerksberufe sind die vier Arbeitsfelder, denen sich die Mitgliedsvereine widmen. „Mit dem Begriff ’Mitteldeutsch’ haben wir versucht einen Namen zu finden, mit dem sich alle identifizieren können. Egal, ob sie aus Sachsen, Sachsen-Anhalt, dem Fläming oder aus dem Spreewald kommen“, sagt der Jüterboger. Mit der Folkloretanzgruppe Köpenick sind sogar Berliner mit im Trachtenboot. Dass deren Mitglieder die Flämingtracht tragen, freut Charles Koppehele ganz besonders.

Brauchtum im Blick

Der Mitteldeutsche Heimat- und Trachtenverband wurde 2011 gegründet und versteht sich als Netzwerk der Heimat-, Volkstanz- und Trachtenvereinigungen der Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg.

Ziel ist die Förderung des Erfahrungs- und Meinungsaustausch zwischen den Gruppen und die Vertretung ihrer Interessen auf Kreis- und Länderebene.

18 Mitgliedsvereine mit zirka 500 Trachten- und Folklore-Freunden sind derzeit im MHTV organisiert.

Seit 2012 ist der Verband Mitglied des Deutschen Trachtenverbandes.

Zweifel daran, ob das denn wirklich dem Original jener Kleidung entspricht, die vor drei, vier Generationen zwischen Dahme und Bad Belzig getragen wurde, sind dabei erlaubt. „Über die damalige Männerkleidung wissen wir heute nur noch sehr wenig, da die Männer sie schon sehr früh abgelegt haben und es keine Originale mehr gibt“, sagt Koppehele. Im Gegensatz zur flämingtypischen Frauenkleidung, die vor allem im Niederen Fläming vereinzelt bis vor wenigen Jahrzehnten noch getragen wurde, besteht die Flämingtracht der Männer aus einem Mix aus Überlieferung und Fantasie.

Ähnlich schwierig gestalten sich die Bemühungen um den Erhalt beziehungsweise die Rekonstruktion des Flämingplatt, da jene immer weniger werden, die es zumindest noch als Kind von den Großeltern gehört haben.

Organisatorisches für die nächsten Schritte

Zur Vollversammlung auf der Rabener Burg überwogen die organisatorischen Tagesordnungspunkte alle inhaltlichen Fragen. Welche Vergünstigungen genießen Trachtenvereine bei der Nutzung Gema-pflichtiger Musik? Wie oft und wo sollen die nächsten Zusammenkünfte stattfinden? Wie kann man – Tradition hin, Tradition her – die neuen Medien für die eigene Arbeit nutzen? Die Fragen, mit denen sich die Mitglieder auseinandersetzten, zeigen eines: Der Verband ist auch vier Jahre nach seiner Gründung noch nicht vollends angekommen.

Letzter Tagesordnungspunkt am Wochenende war die turnusmäßige Neuwahl des Vorstandes. Dabei zeigten alle Mitglieder dem bisherigen Führungsteam einstimmig die gelb-orangene Stimmkarte. Einstimmig wurden Charles Koppehele und sein Stellvertreter Jörg Dombrowski (Folkloretanzgruppe Köpenick) für weitere vier Jahre in ihren Ämtern bestätigt.

 

Von Uwe Klemens

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