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Potsdam-Mittelmark Trauben aus Bombay im Blick
Lokales Potsdam-Mittelmark Trauben aus Bombay im Blick
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14:50 03.02.2017
Den Blick auf Trauben aus Bombay: Wassim Al Alis, ein Syrer, der dort angestellt wurde, SPD-Bundestagskandidatin Manja Schüle, Wirtschaftsminister Albrecht Gerber, Geschäftsführer Udo Lampe und Jorge Medal am PC (v.l.).
Kleinmachnow

Manchmal ist es wie im Märchen. Zwei junge Wissenschaftler treffen und verlieben sich – der Geo-Ökologe aus Deutschland und die Agraringenieurin aus Spanien. Der Niedersachse Udo Lampe will seine Diplomarbeit fern von der Heimat in Südeuropa schreiben, und die Madriderin María del Mar Ridao Domínguez sitzt an ihrer Dissertation. Ausgerechnet in Almeria, wo Millionen Urlauber gern faulenzen, schmieden die beiden ihren Lebens- und Unternehmensplan und gehen im Jahr 2000 mit nur einem Mitarbeiter an der Seite in Spanien als Labor-Firma für Lebensmittelsicherheit an den Start. 2008 wird sie in eine deutsche umgewandelt und als die Tochter des Gründerpaares Teenagerin ist, zieht die Familie nach Deutschland um. Nach Kleinmachnow.

Die Geschäftsführer sind: María del Mar Ridao Domínguez und Udo Lampe. Das Ehepaar lebt mit einer Tochter in Kleinmachnow. Über ihnen hängt ein Plakat mit Mitarbeitern aus 15 Nationen. Quelle: privat

Dort führen María del Mar Ridao Domínguez und Udo Lampe seit 2012 das Unternehmen Analytica Alimentaria, das auf die Prüfung von sicherem Obst und Gemüse für die Verbraucher spezialisiert ist. Kunden sind große Lebensmitteleinzelhändler, Importeure und Exporteure, aber auch Erzeugerbetriebe und kleine Bauern aus Brandenburg. Auf allen laste der „Druck der Öffentlichkeit nach sicheren gesunden Lebensmitteln“, sagt Udo Lampe. „Aber wir haben kein Interesse daran, dass sie verkauft werden, wir sichern sie“, sagt der 46-Jährige, während er das Firmenprofil seinen Gästen vorstellt. Die SPD-Bundestagskandidatin Manja Schüle war auf die noch eher unbekannte Firma durch deren Engagement für Geflüchtete aufmerksam geworden und konnte auch den brandenburgischen Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) für den Unternehmensbesuch gewinnen.

Blick in ein Labor (durch die Scheibe). Menschen aus vielen Nationen arbeiten dort – auch der ehemalige syrische Flüchtling Juan (r.,37), der mit Frau Kindern nach Deutschland geflüchtet ist und bei Analytica Alimentaria ausgebildet und angestellt wurde. Quelle: Claudia Krause

Weltweit sind an die 140 Mitarbeiter für die Firma im Einsatz. In Kleinmachnow arbeiten 40 Frauen und Männer aus 15 verschiedenen Nationen in zumeist vollständig verglasten Büros. „Transparenz gehört zu unserem Credo“, so Udo Lampe während des Rundgangs durch das moderne Holzhaus an der Fahrenheitstraße. Kaum zu vermuten, dass in dem eher unauffälligen Flachbau Lebensmittelanalytiker angebautes Obst und Gemüse aus fast der ganzen Welt unter die Lupe nehmen und nach Schadstoffrückständen und Krankheitserregern untersuchen. „Jetzt haben wir keine Obstund Gemüseproben aus Brandenburg, sondern aus Italien“, erklärt Lampe. Und aus Indien, wie die Tafeltrauben, die vor drei Tagen aus Bombay gekommen sind.

50 000 Proben im Jahr bewältigen die Mitarbeiter von Analytica Alimentaria; das seien mehr als doppelt so viele, wie es staatliche Proben gibt, die sich auf eine breite Palette von Lebensmitteln beziehen. „Aber wir machen hauptsächlich Obst und Gemüse, weil es so dynamisch ist“, betont Lampe. Der Umkreis der Einsatzgebiete und die Aufträge wachsen; bald kommen Peru, Polen und die Türkei hinzu. „100-prozentige Sicherheit können aber auch wir nicht geben“, gesteht Lampe, doch Beispiele von verhinderten Salmonellenverschmutzungen durch Salat aus Spanien und Italien hat er parat. Die Prüfungen sollten bereits bei Saatgut und in Pflanzenschulen beginnen. Agraringenieure in den Anbaugebieten und die Lebensmittelanalytiker in den Prüflaboren arbeiten eng zusammen, denn Analytica Alimentaria gehe es um die „gesamte Kette von der Produktion über den Transport bis zum Handel“.

Geschäftsführer Udo Lampe (l.) erläutert der SPD-Bundestagskandidatin Manja Schüle und Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) im „Herzstück“ der Firma, dem Raum mit den Laboranalysegeräten, die Arbeitsbedingungen seiner Mitarbeiter, die nicht neben den lauten Maschinen, sondern in einem Nebenraum sitzen. Quelle: Claudia Krause

Längst reichen die Kapazitäten nicht mehr aus, weshalb Lampe den Firmensitz in Kleinmachnow um ein Stockwerk erweitern will. Ein Fördermittelantrag ist in Gerbers Ministerium eingetroffen. Weitere 500 Quadratmeter für Labore, Mikrobiologie, Maschinen und Büros sollen bis 2018/2019 fertig sein. Außerdem kauft Lampe noch in diesem Monat ein benachbartes Grundstück mit 5000 Quadratmetern dazu, auf dem Ende 2019 ein weiteres Labor- und Lagerhaus entstehen soll.

Der Hauptfirmensitz an der Fahrenheitstraße in Kleinmachnow. Quelle: Claudia Krause

10 Millionen Euro will er in den nächsten drei Jahren in den Standort investieren. Doch es braucht gute Leute. Deshalb stellt die Firma ständig ein und gibt auch Geflüchteten eine Chance, was Schüle und der Minister – sichtlich beeindruckt – lobten. Im Betrieb werde meistens deutsch oder spanisch gesprochen, wenn es gar nicht mehr geht, dann wird englisch gesprochen. Zum Firmenteam gehören auch Deutsch- und Spanisch-Lehrer. Allerdings benötige man schnellere Entscheidungen: Zwei bis drei Monate etwa von der Beantragung einer Förderung für die Ausbildung von Innovationsassistenten „sind schon zu viel“. Dennoch sagt Udo Lampe: „Ich bin sehr dankbar und zufrieden in Kleinmachnow und in Brandenburg.“

Internationale Belegschaft

Das Unternehmen Analytica Alimentaria mit Hauptsitz in Kleinmachnow ist Dienstleister rund um die Lebensmittelsicherheit. Der Schwerpunkt liegt auf frischem Obst und Gemüse, das fast aus der ganzen Welt angeliefert wird. Daneben gelten Untersuchungen in den Prüflaboren auch einigen Konserven.

Analytica Alimentaria unterhält Labore in Kleinmachnow und in Almeria (Spanien).

In Kleinmachnow arbeiten 40 Frauen und Männer aus rund 15 Nationen. Weltweit sind für die Firma 130 bis 140 Mitarbeiter aus über 20 Nationen im Einsatz; etwa 50 von ihnen sind direkt „im Feld“ tätig.

Die Geschäftsführer María del Mar Ridao Domínguez und Udo Lampe fühlen sich auch der Integration nach Deutschland geflüchteter Menschen verpflichtet. Sie haben zwei Flüchtlinge aus Syrien und je einen aus Pakistan und Eritrea eingestellt. Zwei von ihnen sind noch in der Ausbildung.

Von Claudia Krause

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