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Potsdam-Mittelmark Tremsdorfer Seifen für Lutherjahr-Besucher
Lokales Potsdam-Mittelmark Tremsdorfer Seifen für Lutherjahr-Besucher
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13:30 01.03.2017
In der Tremsdorfer Seifen-Manufaktur: Gabi Sußdorf zeigt das Touristenpäckchen mit der kleinen runden Maulbeerbaum-Seife. Quelle: Jens Steglich
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Tremsdorf

Seifenhersteller trifft man normalerweise nicht in Archiven der Universitäten. Gabi Sußdorf, die in Tremsdorfs Alter Schule eine Seifenmanufaktur betreibt, schon. Bei ihr entstehen die Seifen mit Hintersinn und Zutaten, die mit wahren Geschichten verbunden sind. Ihre neueste Seifen-Kreation trägt den Namen: „Katharina von Boras Maulbeerbaum“. Ein Jahr lang hat Gabi Sußdorf sich mit Katharina von Bora – Luthers Frau – beschäftigt, recherchierte unter anderem im Archiv der Berliner Humboldt-Uni und durchforstete dort Reden Martin Luthers und Briefe, die er und seine Frau geschrieben haben.

Von der Geschichte dieser „starken Frau“ will sie sich inspirieren lassen, sucht in deren Leben nach guten Zutaten für eine Seife , „um an Katharinas Leben und Alltag authentisch zu erinnern“. In Tischreden Luthers stößt sie auf Hinweise, dass dessen Frau in ihrem Klostergarten auch mit exotischen Gewächsen experimentierte und Maulbeerbäume angepflanzt hatte. Überliefert ist etwa, „dass Katharina und Martin Luther im September 1538 der Herzogin Elisabeth von Braunschweig-Lüneburg Setzlinge von Feigen- und Maulbeerbäumen gesandt haben“, erzählt Sußdorf. Das Ergebnis ihrer Recherche ist jetzt duftender Bestandteil eines Touristenpäckchens für Lutherjahr-Besucher in Wittenberg, die im 500. Jahr der Reformation etwas aus der Lutherstadt an ihre Lieben zu Hause schicken wollen. Diese Pflanzenölseife besteht unter anderem aus Shea- und Kakaobutter, aus Reiskeim- und Kokosnussöl und aus pürierten Maulbeeren vom schwarzen Maulbeerbaum, der einst in Katharina von Boras Garten stand. Vertrieben werden die Touristenpäckchen mit der Seife aus Tremsdorf und einem Begleittext zu Luthers Frau im Wittenberger Laden „Station 29“. Demnächst gibt es die Seife auch in der Touristen-Information in Treuenbrietzen und zum Tag der offenen Höfe in der Alten Schule in Tremsdorf. Die Maulbeerbäume aus Luthers Zeiten stehen freilich nicht mehr. Gabi Sußdorf will es aber so authentisch wie möglich haben und wird in Wittenberg einen Aufruf starten mit der Frage, in welchem Garten der Lutherstadt noch schwarze Maulbeerbäume stehen – sie würde gern zum Beerenpflügen kommen. Der Recherche-Aufwand für die Seife zu Ehren Katharina von Bora ist keine Ausnahme, sondern eher die Regel. Gabi Sußdorf wurde dafür jüngst zur Grünen Woche in Berlin vom Verband pro agro mit dem zweiten Platz in der Kategorie Direktvermarktung geehrt. Bekommen hat sie ihn speziell für neun Produkte, die sie unter dem Titel „Seife, Land und Leute – Geschichte(n) zum Waschen“ auf den Markt brachte. „Der Beginn ist immer, dass ich Lust auf eine Geschichte, auf einen Menschen oder einen Ort habe“, sagt sie. In der Laudatio auf die Preisträgerin heißt es: „Mit einer Auswahl an Produkten zeigt Gabi Sußdorf, was Brandenburger Pflanzenölseifen mit preußischer Seidenraupenzucht, mit Fontane, Herrmann Hesse, vom Aussterben bedrohten Kühen oder Fliederbüschen zu tun haben.“

Aus ihrer Manufaktur stammt zum Beispiel eine Seife mit Rosenblütenblättern, die von Duftrosen aus dem Garten Hermann Hesses stammen. Wer das Hermann-Hesse-Haus in Gaienhofen am Bodensee besucht, kann dort die Rosenseife kaufen. Für den Biohof Rabe in Körzin kreierte Gabi Sußdorf eine Seife, auf deren Zutatenliste Kuhmilch steht. Nicht irgendeine. Es ist die Milch von der vom Aussterben bedrohten Rasse des „Deutschen Schwarzbunten Niederungsrindes“, das auf dem Biohof Rabe noch ein Zuhause hat.

Katharina von Bora – Luthers Frau

Katharina von Bora war eine sächsische Adelige und Ordensschwester.

Mit 26 Jahren heiratete sie den Reformator Martin Luther. Sie wurde deshalb später auch die Lutherin genannt.

„Mich hat Katharina von Bora mehr als Luther interessiert. Die Frau agierte auch gar nicht im Hintergrund, sondern für die damalige Zeit sehr im Vordergrund“, sagt Gabi Sußdorf.

Von Jens Steglich

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