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Treuenbrietzen: Ärzte kämpfen gegen Rauchen

Dienstag ist Weltnichtrauchertag Treuenbrietzen: Ärzte kämpfen gegen Rauchen

Jeder zehnte Jugendliche raucht, obwohl jeder weiß, wie gefährlich die Sucht ist. Ärzte des Treuenbrietzener Johanniter-Krankenhauses kämpfen mit Informationen gegen die Sucht. Michendorfer Schüler zeigten sich zum Weltnichtrauchertag beeindruckt von schlimmen Bildern – und einer persönlichen Geschichte.

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Chefarzt Rainer Krügel versucht, jugendliche Raucher zum Umdenken zu bewegen.

Quelle: Johanniter/ Ina Tessnow

Treuenbrietzen. Ingo Schildt trägt seinen Lebensretter ständig mit sich herum. Dünne, durchsichtige Schläuche ragen aus dem handtaschengroßen Gerät. Sie führen über eine Sonde in Schildts Nase, versorgen ihn mit lebenswichtigem Sauerstoff. „Ohne das Gerät könnte ich mich nicht bewegen“, sagt der 52-jährige Potsdamer.

Die Schüler des Michendorfer Wolkenberg-Gymnasiums lauschen ebenso gebannt wie die angehenden Krankenschwestern und -pfleger im Festsaal des Treuenbrietzener Johanniter-Krankenhauses. Pünktlich zum Weltnichtrauchertag am Dienstag hat das Klinikum wieder zu seinen regelmäßigen Anti-Tabak-Veranstaltungen eingeladen. Die Weltgesundheitsorganisation hat diesen Tag 1987 ins Leben gerufen. Besonders junge Menschen sollen über die Gefahren des Rauchens aufgeklärt werden.

Krank durch jahrzehntelanges Rauchen

In Treuenbrietzen sollen die Auszubildenden und Schüler vom Anfangen abgehalten werden – oder zumindest so schnell wie möglich mit dem Rauchen wieder aufhören. Gekommen sind dieses Mal allerdings deutlich weniger Interessenten, der Saal sei sonst immer aus allen Nähten geplatzt, so eine Krankenhausmitarbeiterin. Die 70 Zuhörer im Festsaal jedoch hören aufmerksam zu, als Ingo Schildt seine Geschichte erzählt.

Mehr als 30 Jahre war er starker Raucher. Nun ist Schildts Lunge derart geschädigt, dass die Sauerstoffversorgung des Körpers nicht mehr ausreicht. COPD heißt seine Krankheit, eine chronische Atemwegserkrankung. Der Auslöser dieser schweren Krankheit: das jahrzehntelange Rauchen.

Die Michendorfer Schüler haben von COPD noch nie gehört. Krebs kennen sie, natürlich. Unter den rund 30 Neuntklässlern sind drei Raucher. Die Jugendlichen wissen um die Gefahren ihrer Sucht. „Aber selbst wenn ich jetzt aufhöre, ist doch meine Lunge schon kaputt“, befürchtet ein 16-Jähriger. Der Chefarzt der Pneumologie, Rainer Krügel, widerspricht: „Ganz so schnell geht das nicht.“ Er hofft, die Schüler zum Umdenken bewegen zu können. „Rauchen ist out“, erklärt er, „die Zahlen der rauchenden Jugendlichen sind zum Glück seit längerem rückläufig.“

Schüler finden Rauchen eklig

Auch ein Großteil der Wolkenberg-Schüler findet, wie Krügels Nachfrage ergibt, das Rauchen richtig eklig. Dies sei deshalb so wichtig, weil das Erwachsensein wollen, Gruppenzwang und nicht zuletzt die Imitation vermeintlich cooler Vorbilder Gründe für junge Menschen sind, in die Tabaksucht abzurutschen, wie der Chefarzt erklärt. Schnell wieder aufzuhören steigere die Lebenserwartung: „Bei einem 16-jährigen ist die Lunge noch nicht schwarz“, sagt Krügel.

Schockbilder sind nun auch in Deutschland Pflicht auf Zigarettenschachteln

Schockbilder sind nun auch in Deutschland Pflicht auf Zigarettenschachteln

Quelle: dpa

Als Mediziner versteht er nicht, warum immer noch zehn Prozent der Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren rauchen – bei den Erwachsenen liegt die Zahl noch höher. Die reinen Fakten kennt jeder. „Rauchen kann tödlich sein“ steht seit Jahren fett gedruckt auf Zigarettenschachteln, mittlerweile sind auch die so genannten Schockbilder Pflicht.

Mit Bildern von Karzinomen in Lunge, Rachen und der Oberlippe will deshalb auch der Chefarzt Krügel sein junges Publikum aufrütteln. Der Auftritt des Patienten Ingo Schildt gehört ebenso dazu, er ist wirklich echt, er ist wirklich krank. Schildt erzählt, wie schwer ihm der Rauchverzicht trotz seiner schweren Erkrankung fällt. „Ich habe mehrfach versucht, aufzuhören, aber es war harte Arbeit“, sagt er.

So gefährlich ist das Qualmen

Insgesamt 70 krebserregende Stoffe finden sich im Zigarettenqualm, sie sind ein Teil der mehr als 3000 enthaltenen Chemikalien.

90 Prozent der Patienten mit Lungenkrebs waren oder sind Raucher. Mehr als jeder zehnte Erwachsene auf der Welt leidet an der Atemwegserkrankung.

9,5 Prozent der Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 17 Jahren sind Raucher. Die Zahlen sind seit langem rückläufig. 1979 rauchte noch jeder dritte Jugendliche.

Die durchschnittliche Lebenserwartung von Rauchern gegenüber Nichtrauchern ist um zehn Jahre geringer.

Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, erhält Hilfe beim Hausarzt, um die richtige Entwöhnung zu finden.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung informiert unter www.bzga.de.

Nach einem Rückfall ist er seit Dezember komplett rauchfrei, doch der Wunsch nach einer Zigarette sei gelegentlich noch da. Als schließlich nach Krügels Vortrag sein Kollege Olaf Schega, Chefarzt der Thoraxchirurgie, den Schülern und Auszubildenden die Liveübertragung einer Krebsoperation zeigt, liegt absolute Stille über dem Saal. Eindrücklicher kann man die Gefahr der Tabaksucht kaum darlegen, besonders die Neuntklässler aus Michendorf sind beeindruckt.

Am Raucherpavillon, der etwas versteckt hinter Fliederbüschen nahe dem Hauptgebäude des Krankenhauses liegt, ist nach der Veranstaltung keiner der Besucher anzutreffen. Vielleicht zeigt die Aufklärungsarbeit der Treuenbrietzener Chefärzte Wirkung.

Von Saskia Popp

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