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Treuenbrietzen: Anlieger fühlen sich missachtet

Bürgerentscheid soll Bauplanung kippen Treuenbrietzen: Anlieger fühlen sich missachtet

Per Bürgerentscheid wollen Anlieger der Berliner Chaussee und des Berliner Dreieckes in Treuenbrietzen die abgeschlossenen Ausbaupläne für die Bundesstraße 2 kippen. Allerdings bereiten der Landesbetrieb Straßenwesen und die Stadt, die ihre Projekte am Mittwochabend bei einer Anliegerversammlung vorgestellt haben, bereits die Ausschreibung vor.

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Beim Umbau des Berliner Dreiecks in Treuenbrietzen fordern Anlieger die Berücksichtigung der besonderen Historie.

Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen. Alles auf Anfang und eine neuen Planung – das wünschen sich zumindest einige Anlieger der Berliner Chaussee und des Berliner Dreieckes in Treuenbrietzen. Mit einem Bürgerentscheid wollen sie im Dezember von den Stadtverordneten gebilligte Ausbauplanung für den Abschnitt der Bundesstraße 2 sowie den Berliner Platz kippen. Vor allem wünschen sie sich „das Vorhaben unter Beteiligung der Bürger neu zu konzipieren“, heißt es in dem von Ute Niendorf und Annelie Gericke initiierten Begehren. Eine Unterschriftensammlung dazu läuft im Stadtgebiet.

Allerdings bereiten der Landesbetrieb Straßenwesen sowie die Stadt Treuenbrietzen nach der mehr als ein Jahr lang geführten Vorplanung mit mehreren Varianten nun bereits die Ausschreibung für zwei getrennte Projekte zur Bundesstraße sowie zur Neugestaltung des Berliner Platzes vor. Auch der Wasser- und Abwasserzweckverband ist beteiligt. „Baubeginn könnte dann im September sein“, sagte Frank Schmidt, Projektleiter des federführenden Landesbetriebes am Mittwochabend bei einer Anliegerversammlung im voll besetzten Bürgerhaus. Demnach ist vorgesehen, bis September 2017 den Abschnitt der Bundesstraße 2 von der Nieplitzbrücke am Gymnasium bis zum Ortsausgang Richtung Potsdam unter halbseitiger Sperrung komplett zu sanieren.

Baubeginn im September möglich

Stark in der Kritik steht nach wie vor der Wegfall der bisherigen Radwege. Sie gehören jedoch allgemein nicht mehr zum Ausbaustandard des Landesbetriebes. Daher seien die nun geplanten,1,50 Meter breiten Radspuren auf der Fahrbahn „nicht mehr wegzudiskutieren“, sagte Frank Schmidt. Ebenso sei die Anordnung von Bushaltestellen an Verkehrsinseln heute „Stand der Technik“, so Schmidt. Einige Anlieger fürchten dadurch Staus und zusätzliche Lärmbelästigungen, wenn Fahrzeug ausgebremst werden.

Das fordern die Bürger

Per Bürgerentscheid soll die Ausbaubeschlüsse zu den Seitenbereichen der Ortsdurchfahrt B 2 einschließlich Berliner Dreieck gekippt werden. Gefordert werden:

Der ursprüngliche Straßenverlauf der Berliner Chaussee soll beibehalten werden; es soll keinen Neubau geben.

Der Verlauf der begleitenden Berliner Chaussee (Nebenstraße) soll stadtauswärts als Einbahnstraße deklariert werden und um das Berliner Dreieck, entgegen dem Uhrzeigersinn, herum geführt werden.

Die Geh- und Radwege sollen auf beiden Straßenseiten wiederhergestellt werden.

Am Ortsausgang wird eine Verkehrsinsel zur Verkehrsberuhigung geschaffen.

Es sind – wie bisher – ausreichend Parkplätze zu realisieren.

Die Bushaltestelle wird nicht verlegt, sondern vor der Berliner Chaussee 31/32 beibehalten.

Die Begrünung der Nebenanlagen soll kostengünstig gestaltet werden.

Beim Ausbau des Berliner Platzes sieht die Stadt jetzt eine abermals in den Kosten reduzierte Variante vor. Dort, wie an der Berliner Chaussee werden Anlieger anteilig mit 60 Prozent an den umlagefähigen Kosten für die Gestaltung der Seitenbereiche mit Gehwegen, Begleitgrün und Beleuchtung beteiligt. Das Zentrum des Platzes soll – allein auf Kosten der Stadt – mit Bäumen und Pflanzinseln gestaltet werden.

Vorwurf: Ungenügende Beteiligung

Ute Niendorf wünscht sich für die Neugestaltung des Platzes eine Erinnerungsstätte für die Opfer des Massakers an mehreren Hundert deutschen Zivilisten vom April 1945. Für die Hinterbliebenen sei der Platz Stätte der stillen Trauer, des Gedenkens und der Mahnung. „Die Erinnerung ist ja über Jahrzehnte tot geschwiegen worden“, sagte die Anwohnerin. In einem Flugblatt fordern Akteure nun „kein Straßenbau über das Berliner Dreieck“. Offen für einen Gedenkpunkt zeigte sich auch Michael Knape (parteilos). „In den vergangenen 30 Jahren war der Wunsch danach aber nicht so deutlich geworden“, so der Bürgermeister. Er lud die Anlieger des Dreieckes zu einer Beratung für die Detailgestaltung ein.

Die Berliner Chaussee  erhält am Berliner Dreieck beim Ausbau eine Verkehrsinsel

Die Berliner Chaussee erhält am Berliner Dreieck beim Ausbau eine Verkehrsinsel.

Quelle: Thomas Wachs

Allgemein wiesen Michael Knape und Christoph Höhne Vorwürfe einer ungenügenden Bürgerbeteiligung zurück. „Wir können erst konkret informieren, wenn die Planung steht“, sagte der Bürgermeister. „Zuvor gab es diverse Beratungen der Experten sowie öffentliche Vorstellungen diverser Varianten in Ausschüssen“, ergänzte der Bauamtsleiter. Am Ende stehe nun „ein mehrfach abgespeckter Entwurf, der die Kosten für die Stadt und damit für die Anlieger reduziert“, so Christoph Höhne.

Anlieger mehrfach zur Kasse gebeten

Für die kalkulierten Gesamtkosten von rund 1,6 Millionen Euro allein für den Ausbau der reinen Bundesstraße läuft nun die Kostenverteilung zwischen Bund und Land, Stadt und Wasserverband. Dennoch können Grundstücksbesitzer bereits jetzt im Bauamt die Kostenschätzung der Anliegerbeiträge für ihre Immobilie erfragen. Zu dem Beitrag für die Nebenanlagen kommen in Einzelfällen Kosten für Leistungen des Stromversorgers Edis für neue Hausanschlüsse, kündigte Christoph Höhne an. Zudem kassiert der Wasser- und Abwasserzweckverband „Nieplitztal“ Anliegerbeiträge. Diese Kosten stellte Roland Meinusch in der Versammlung vor. „Sie fallen nur für den Abwasserbereich an – die Trinkwasserstrecke ist bereits erledigt“, sagte der technisch Geschäftsführer der für den Zweckverband tätigen Wasserwirtschaftsgesellschaft WWN.

„Erneuert wird nun im gesamten Baubereich der bis zu 100 Jahre alte und stark marode Abwasserkanal“, so Meinusch. Die Anschlussbeiträge richten sich laut Verbandssatzung nach der Grundstücksgröße und der Geschossigkeit der Gebäude darauf. Im ermittelten Durchschnitt für ein knapp 1200 Quadratmeter großes Grundstück liegen sie bei rund 3600 Euro. Hinzu kommen Kosten für die Erneuerung der Hausschanschlüsse. „Aus den Erfahrungen heraus liegen sie zwischen circa 1500 Euro bei fünf Metern Anschlusslänge und 2300 Euro bei 15 Metern bis zum Kanal“, erklärte Roland Meinusch den Anliegern.

Sie werden von den Projektträgern und der noch zu bestimmenden Baufirma nochmals in einer Versammlung zum konkreten Bauablauf informiert.

Von Thomas Wachs

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