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Treuenbrietzen: Anwohner auf den Barrikaden

Protest zu Straßenbau Treuenbrietzen: Anwohner auf den Barrikaden

Heftigen Streit gibt es in Treuenbrietzen (Potsdam-Mittelmark) um Baupläne im Verlauf der Belziger Straße. Dort fühlen sich Anlieger in ihren Rechten beschnitten. Streitpunkt ist vor allem die vom Land geplante Umgestaltungen im Bereich der gefährlichen Friedhofskurve.

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Die unfallträchtige Friedhofskurve in Treuenbrietzen soll mit einer neuen Straßenführung entschärft werden. Der Parkplatz rückt dann vor das Friedhofstor.

Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen. Die Wogen schlagen hoch. Längst nicht alle Anlieger der Belziger Straße in Treuenbrietzen sind mit den Plänen zur Sanierung des innerörtlichen Abschnittes der Bundesstraße 102 einverstanden. Diese haben der Landesbetrieb Straßenwesen Brandenburg (LSB) und die Stadtverwaltung ihnen am Mittwochabend in einer stark besuchten Anliegerversammlung präsentiert. Einige Anlieger kommunizieren bereits über Anwälte mit dem LSB als Bauherr.

Voraussichtlich ab Juli soll die B 102 zwischen dem Kreisverkehr und dem Hans-Grade-Weg saniert und um einen Gehweg ergänzt werden.

Starker Kritikpunkt ist die geplante Umgestaltung am Abzweig der Landesstraße 85 von der B 102. Die derzeit gefährliche Kurve um die Friedhofsecke soll in einem größeren Bogen über den jetzigen Parkplatz auf Land der Kirchengemeinde geführt werden. Die Stellplätze liegen künftig im Innenbereich der größeren Kurve direkt vor dem Eingang zur Begräbnisstätte.

Umgestaltung am Abzweig stößt auf wenig Gegenliebe

„Dort wird ein Mega-Projekt losgetreten, das auch kleiner und preiswerter ausfallen könnte“, sagte Anlieger Frank Ernicke erbost. Er ist Miteigentümer eines Einfamilienhaus direkt im Kurvenbereich. Für das neue Projekt müsste er wenige Quadratmeter einer Ecke seines Grundstückes neben dem heutigen Friedhofsparkplatz zur Verfügung stellen. Dagegen wehrt er sich und spricht von „drohender Zwangsenteignung“. Sein Grundstück verliere an Wohnqualität, „wenn die Lastwagen künftig fast über meine Terrasse fahren“, sagte der SPD-Stadtverordnete.

Die vorgestellte Variante sei planerisch jedoch die kleinste Möglichkeit, um dort alle Bestimmung für eine sichere Verkehrsführung zu erfüllen, erklärte Wolfried Trede. „Eine Begegung von zwei Lastwagen ist dort nicht möglich“, sagte der Planer im Auftrag des LSB. Die Statistik der Polizei weise an der fast rechtwinkligen Kurve eine Unfallhäufung aus. Sollte es keine Einigung zur Nutzung des privaten Grundstücksteils geben, könne der Umbau der Friedhofskurve „vorerst nicht erfolgen“, kündigte Roland Beeg, Projektleiter des LSB an.

Anlieger müssen Beitrag leisten

Für die Bauprojekte an der B 102 und der L 85 in Treuenbrietzen fallen derzeit Gesamtkosten von fast 1,7 Millionen Euro an. Davon tragen der Bund rund 1,35 Millionen, die Stadt 288 000 Euro sowie das Land 205 000 Euro.

Die für die Nebenanlagen zuständige Stadt kann laut ihrer Satzung 60 Prozent der dafür anrechenbaren Kosten auf alle anliegenden Grundstückeigentümer umlegen.

Für die B 102 fallen 125 000 Euro an, von denen die Stadt 40 Prozent trägt.

Im Durchschnitt zahlen Anlieger dort um die 2000 Euro. Die Spanne reicht je nach Grundstückgröße von 900 Euro bis zu mehr als 10 000 Euro.

An der L 85 zahlen Privateigentümer jeweils weniger als 1000 Euro Ausbaubeitrag für die vorgesehenen Arbeiten.

Ein Sonderfall an beiden Straßen ist zudem die evangelische Kirchengemeinde. Sie besitzt die größten Grundstücksflächen und zahlt die höchsten Beiträge. Zumindest für Friedhöfe gibt es gesonderte Regeln im Satzungswerk.

Ein Wegfall drohte zuletzt auch noch für den neu geplanten Gehweg an der B 102. Dort muss eine Anlieger gegenüber der Einmündung der L 85 jetzt seinen Zaun versetzen, weil dieser auf Straßenland stehe. „Das hat die von uns beauftragte Vermessung klar ergeben“, sagte Roland Beeg. Die Grundstückeigentümer kündigten Widerspruch an.

An der Planung für die Bundesstraße 102 gab es zudem Kritik von Anliegern zur Anordnung einer Verkehrsinsel in Nähe der Zufahrt zum Parkplatz am Baggersee. Dort sollen der stadteinwärts verlängerte Radweg enden und die Radfahrspuren mit einer Querungshilfe angeschlossen werden. Als „besondere Problemzone“ bezeichnete Wolfried Trede den Abschnitt an der Friedhofsmauer. „Sie steht in der Böschung, ist aber nicht so tief wie die Straße gegründet“, erklärte der Planer. Daher soll nun eine Spundwand als Stütze gebaut und die Straße ohne Tiefbauarbeiten auf ihrem vorhandenen Unterbau neu angelegt werden.

Kritik vor allem von Anlegern

Im Zusammenhang mit all den Bauprojekten des Landes an der B 102 und L 85 werden auch Anliegerbeiträge fällig. Sie werden anteilig für die Arbeiten an Gehwegen, Straßenleuchten und teilweise Grünanlagen erhoben. Anwohner erhielten nach der Versammlung am Mittwoch in persönlichen Gesprächen von Rathausmitarbeitern die anhand der Vorplanung abschätzbaren individuellen Kosten benannt.

Vor dem Start der Bauarbeiten, die sich bis ins nächste Jahr hinziehen sollen, ist eine weitere Anliegerversammlung zum konkreteren Bauablauf geplant, kündigte Treuenbrietzens Bauamtsleiter Christoph Höhne an. Vorgesehen sind zum Teil auch Vollsperrungen sowie eine Umleitung über die B 2 und den Hans-Grade-Weg für den innerörtlichen Verkehr.

Von Thomas Wachs

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