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Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen: Rückendeckung für Sabinchen
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen: Rückendeckung für Sabinchen
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02:16 17.07.2015
Das Sabinchen auf dem Treuenbrietzener Rathausbrunnen. Quelle: Thomas Wachs
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Treuenbrietzen

Schon im Vorfeld der Bürgerversammlung zum Erhalt der Sabinchen-Skulptur auf dem Treuenbrietzener Rathausbrunnen am Montag machte eine Einwohnerin ihre Meinung für alle sichtbar. „Hier bin ich, hier bleib’ ich“, schrieb Kerstin Nitzsche auf ein kleines Transparent. An blau-weißen Bändern um den Rock der Sabinchenfigur und den Schuster zu ihren Füßen geschlungen, überdauerte der Spruch das Wochenende an der Figur des Brunnens. Am Montagabend erhielt Sabinchen dann viel Rückendeckung von den meisten der rund 150 Gäste im überfüllten Saal des Bürgerhauses „Alte Feuerwehr“. Dorthin hatte die Initiative um Siegmund Bölke und Roland Sell eingeladen. Wie berichtet, wollen die rund 35 Akteure verhindern, dass jetzt ein Beschluss der Stadtverordneten aus dem Jahr 2009 umgesetzt wird und die 1984 auf den Sockel gehobene Sabinchenfigur wieder gegen Kurfürst Friedrich I. getauscht werden könnte. Für den Hohenzollern war der Brunnen 1913 errichtet worden.

Der Rathausbrunnen von 1913. Quelle: Heimatverein Treuenbrietzen

Knapp 1000 Bürger hatten mit ihrer Unterschrift für den Erhalt des Sabinchens auf dem Rathausbrunnen plädiert. Denn schneller als zuletzt noch angenommen, hat der Heimatverein nun das Spendengeld von rund 40 000 Euro bereit, um die Figur des Kurfürsten neu anfertigen und im Zuge der nun unabhängig davon ausgeschriebenen technischen Sanierung des seit Jahren maroden Brunnens wieder auf den Sockel zu heben. Für das Projekt einer künftigen „Aktionsfläche” mit Wasserspielen sind Kosten von rund 107.000 Euro kalkuliert. Sie werden weitgehend aus dem Förderfonds zur Altstadtsanierung finanziert.

„Wir haben nichts gegen den Kurfürsten“

In der Versammlung verwies Bürgermeister Michael Knape (parteilos) auf die rechtskräftige Beschlusslage zu dem Thema. Damals hatten die Abgeordneten nach einem Ideenwettbewerb unter Architektur-Studenten, einem Bürgerforum und einer offiziellen Umfrage unter Bürgern beschlossen, eine Kopie der um 1943/44 abgenommenen und später verschwundenen Skulptur von Kurfürst Friedrich I. wieder auf den Sockel zu heben, so dafür kein Geld aus der Stadtkasse fließen muss. „Wir können ja nicht alle fünf Jahre einen Beschluss ändern“, sagte der Verwaltungschef am Montagabend. Die Mehrheit im Saal freilich sah dies anders. So verwiesen viele Redner darauf, dass die Sabinchenstadt Treuenbrietzen ihr touristisches Marketing stark gerade mit den aus der Moritat bekannten Figuren verknüpft habe. „Sabinchen kennen bundesweit viele, die Verdienste des Kurfürsten wenige“, sagte Thomas Schierwald. Ohne die Figur müsste die Sabinchenfestwoche zu Kurfürstenfestspielen umbenannt werden“, sagte Siegmund Bölke unter starkem Beifall.

Sabinchen contra Kurfürst

Zum Thema Figur auf dem Rathausbrunnen in Treuenbrietzen gab es mehrere Umfragen, Bürgerforen sowie Unterschriftensammlungen.

Seit dem Jahr 2006 hatten sich die Stadtverordneten mit der Neugestaltung des technisch maroden Brunnens befasst. Im Jahr 2007/08 folgte ein Wettbewerb unter Architekturstudenten.

Im Januar 2009 fand ein Bürgerforum zur Brunnengestaltung statt.

Eine Umfrage im Amtsblatt schloss sich an vom 21. März bis zum 15. April 2009. Daran nahmen 437 Bürger teil. Zur Abstimmung standen drei Varianten zur Gestaltung.

Für Variante 1, also die Sanierung in bisheriger Form mit Sabinchen, stimmten damals 87 Teilnehmer.

Für Variante 2, also eine moderne Umgestaltung nach Vorschlägen der Studenten, stimmten elf Teilnehmer.

Für Variante 3, also die Sanierung in bisheriger Form und eine neue Kurfürstenfigur, stimmten 339 Teilnehmer. Daraufhin fassten die Stadtverordneten am 6. Juli 2009 den noch heute aktuellen Beschluss.

Auf eine Änderung dieses Beschlusses drängt nun eine Bürgerinitiative. Ihre Unterschriftenaktion zum Erhalt der Sabinchen-Skulptur unterstützen im Frühjahr innerhalb weniger Wochen insgesamt 1098 Bürger. Die Akteure werteten davon 994 Stimmen als gültig.

Der Architekt fürchtet, dass die aus Ton gefertigte Sabinchenfigur Schaden nehmen könnte, wenn sie auf einen neuen Standort — zum Beispiel vor dem Bistro an den Hakenbuden am hinteren Markt — umgesetzt werden würde. „Damit wäre ein der Stadt vom Künstler gestiftetes Unikat verloren.“ Zudem hätten die Bürger damals wie heute es nicht für wahr genommen, „dass wirklich ein Figurenwechsel stattfinden soll“, so Bölke. Daher forderte er eine neue Bürgerabstimmung zu dem Thema. „Wir haben nichts gegen den Kurfürsten”, sagte der Architekt. „Für dessen neues Denkmal wäre sicher auch der Platz am Heimatmuseum geeignet“, so der Initiator der Unterschriftenaktion für den Erhalt der Sabinchens. „Auch sind wir verwundert, woher plötzlich das Spendengeld zusammen kam. Denn am Jahresanfang hieß es noch, dass lediglich 30 Prozent verfügbar seien“, so Bölke.

Mut bekennen, Bürger befragen

Ernst-Peter Rabenhorst forderte den Bürgermeister auf, „Mut zu bekennen und die Bürger zu befragen“. Der Beschluss von damals sollte jetzt „durch eine klare Abstimmung zur Frage ob das Sabinchen auf dem Sockel bleiben soll, oder nicht“ überdacht werden, forderte der Treuenbrietzener Ortschronist. Nur so könne „das gespaltene Meinungsbild“ zu der Frage abschließend geklärt werden, forderten auch mehrere anderer Redner während der Einwohnerversammlung.

Wolfgang Ucksche verteidigt seinen Vorschlag für den Kurfürsten. Quelle: [Thomas Wachs

Michael Knape sieht die Verantwortung weiterhin bei den Stadtverordneten. „Es ist an ihnen, das Thema, das die Stadt durchaus spaltet, jetzt womöglich noch mal neu aufzugreifen“, sagte der Bürgermeister. „Rein rechtlich gibt es dafür jedoch aktuell keinen Anlass.“ Anja Schmollack pflichtete dem Bürgermeister bei: „Diesmal hat er formal alles richtig gemacht“, sagte die CDU-Fraktionschefin. Sie plädierte für die Umsetzung des Sabinchens. „Auch in anderen Orten wie Brüssel oder Bremen stehen Markenzeichen wie das Manneken Pis oder die Stadtmusikanten nicht immer an prominenten Orten in den Städten“, so Schmollack: „Sabinchen sollte wieder näher ans Volk gestellt werden.“

Rückhalt für Erhalt der Figur

Der Vorsitzende Wolfgang Ucksche und Gerhard Sperber vom Heimatverein legten in der Versammlung die Beweggründe für den Figurenwechsel dar. Sie verwiesen auf die Historie des Brunnens, der 1913 für den Kurfürsten „als Namensgeber der Kurmark Brandenburg“ errichtet worden war. „Mit Versetzung des Sabinchens würden wir zwei schöne Attraktionen in beiden Einfahrtsachsen der Innenstadt haben“, so Ucksche. Nach seiner Ansicht hat der Kurfürst durchaus Verdienst für die Stadt gehabt. So sie in seiner Regierungszeit aus Brietzen das Treuenbrietzen geworden. Zudem habe der Kurfürst 1416 seinen Sohn in Treuenbrietzen verheiratet, die Mark gegen das Raubrittertum befriedet und sei Vater der Schützengilde. Auch Diana Woithe sieht den Hohenzollernbrunnen als „ein ursprünglich historisches Element der Altstadt“. Monika Schwericke glaubt indes, „dass die Treuenbrietzener zutiefst verletzt wären, wenn Sabinchen vom Sockel genommen werden würde“.

Der Saal im Bürgerhaus war voll, die Stimmung geladen. Quelle: [Thomas Wachs

Roland Sell, der Bruder des in Treuenbrietzen geborenen Sabinchen-Schöpfers Lothar Sell, freut sich über den Rückhalt für den Erhalt der Figur, die sein Bruder der Stadt zum Geschenk gemacht hatte.„Wir sind aber noch lange nicht am Ende“, sagte der 77-Jährige. „der Beschluss der Stadtverordneten muss gekippt werden“, sagte Roland Sell nach der Bürgerversammlung gegenüber der MAZ.

Siegmund Bölke möchte das Sabinchen retten. Quelle: [Thomas Wachs

Von Thomas Wachs

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