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Treuenbrietzen beklagte viele Kriegstote

Gedenkkultur für Opfer Treuenbrietzen beklagte viele Kriegstote

Die Ereignisse der letzten Kriegstage haben in Treuenbrietzen auch Hunderte tote Zivilisten zur Folge gehabt. Das Massaker russischer Truppen an ihnen sowie die Frage der allgemeinen Gedenkkultur in der Stadt tritt aktuell bei der Debatte um Straßenbaupläne am Berliner Dreieck ins Bewusstsein. Was wirklich geschah, ist historisch aber nur mit Lücken belegt.

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Wolfgang Ucksche ist Chef des Heimatvereines Treuenbrietzen.

Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen. Bei der Debatte um neue Straßenführungen am Berliner Dreieck in Treuenbrietzen gerät immer wieder eine Gedenkstätte für russische Kriegstote in den Mittelpunkt, die es dort gab. Wolfgang Ucksche, der Vorsitzende des Heimatvereins, kennt historische Hintergründe, dünne Fakten und viele unbestätigte Erzählungen.

Gab es in den Apriltagen 1945 am Berliner Dreieck tatsächlich den Schuss eines Deutschen auf einen russischen Offizier, der Auslöser für die Erschießung Hunderter Deutscher am 23. April in der Stadt gewesen sein soll?

Wolfgang Ucksche : Es gab im April sogar zwei solcher Schüsse. Abgegeben wurden sie von einem als „SS Schröder“ bekannten Mann. Auf wen er geschossen hat, und ob er jemanden traf, ist mir nicht bekannt. Zeitzeugen-Berichte und Propaganda führten eher zur Verklärung als zu historischen Fakten.

Welche Fakten sind denn belegt?

Ucksche : Am 21. April hatte besagter SS Schröder gegen 16.30 Uhr einen Schuss abgegeben, als russische Truppen in die Stadt einmarschierten. Am Sonntag, 22. April, gab es dann eine Versammlung, bei der Russen die Einwohner zum weiteren Vorgehen in der Stadt informierten. Dabei fiel wieder ein Schuss mit unklarem Ziel und Ausgang. In der Nacht zum 23. April eroberte die deutsche Wehrmacht die Stadt zurück, bevor sie ab 13 Uhr beim russischen Gegenangriff wieder unterlegen war. Anschließend erfolgten verheerende Erschießungen an mehreren Hundert Zivilisten und Soldaten in der Stadt. Die Männer und Frauen wurden in Häusern, auf Straßen und bei einer Massenerschießung am Waldrand in Richtung Bardenitz an der Jahnstraße umgebracht. Dort entstanden Massengräber. So auch in der Berliner Siedlung, wo heute noch eine Gedenkstätte existiert. Der genaue Auslöser für das Massaker ist unklar.

Was hat es mit einer Gedenkstätte auf sich, die es auf der Wiesenfläche am Berliner Dreieck gab?

Ucksche : Bekannt ist, dass es dort aus den letzten Kriegstagen ein Massengrab gab, in dem gefallene russische Soldaten – man muss es so sagen – verscharrt wurden. Wie üblich errichteten die Sowjets dort einen Obelisken zum Gedenken und ein besonders gekennzeichnetes Grab, vermutlich für einen höheren Offizier.

Was wurde aus dem Massengrab und dem Obelisken?

Ucksche : Rund zwei Jahre nach Kriegsende verfügte die russische Militäradministration, so wie in Beelitz oder Jüterbog, auch im Treuenbrietzener Ehrenhain an der Jüterboger Straße eine zentrale Beisetzungsstätte zu schaffen. Dort wurden tote russische Soldaten aus Treuenbrietzen und auch aus der Umgebung bis hin nach Niemegk und Wiesenburg zusammen beerdigt. Auch die Toten aus dem Grab am Berliner Dreieck wurden dorthin umgebettet. Der Obelisk verschwand und liegt auf einem Feld in der Nähe der heutigen Kläranlage. Sein einstiger Standplatz ist heute noch an der alten Umrandung zu erkennen.

In welcher Form sollte heute dort an das Grab von damals erinnert werden?

Ucksche : Ich denke, was das Gedenken allgemein angeht, hat Treuenbrietzen auf Initiative des Heimatvereins von 1995 heute eine beispielhafte Erinnerungskultur für Kriegstote verschiedener Nationen erreicht. So steht jetzt am Sonntag wieder das gemeinsame Gedenken an zentralen Orten an mit Italienern, Russen und Deutschen. Am Berliner Dreieck kann es sicher eine Hinweistafel zu den Ereignissen geben. Nötig wäre sie aber nicht. Denn auch an anderen Orten kamen viele Treuenbrietzener um und es stellt sich da schnell die nicht lösbare Frage der Wichtung von Opfern. Die Kritik, dass dort nun ein Friedhof überbaut werde, ist übertrieben. Dann dürfte heute nirgends mehr gebaut werden, weil Hunderte Tote damals überall in der Stadt verteilt lagen.

Gibt es beim Gedenken aus Ihrer Sicht als Heimatforscher Defizite in der Stadt?

Ucksche : Nein. Die bestehenden Gedenkstätten werden gut gepflegt und regelmäßig zu zwei zentralen Gedenktagen im April und zum Volkstrauertag besucht. Damit ist unabhängig der Frage nach Opfern und Tätern aller Toten verschiedener Nationen und Gruppen gedacht.

Von Thomas Wachs

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