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Treuenbrietzen setzt auf Pflastersteine

Ausstellung zu Bautradition Treuenbrietzen setzt auf Pflastersteine

In der Altstadt Treuenbrietzens haben Pflastersteine Vorrang vor Asphalt. Im Rathaus informiert jetzt eine Wanderausstellung über die lange Tradition des Pflasterhandwerks. Zur Sanierung von Altstadtstraßen sind die Kenntnisse bis heute gefragt.

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Gefragte Experten: Volker Schreier (li.) und Martin Schulz von der Firma Zerbe aus Brück-Gömnigk pflastern derzeit die Neue Marktstraße in Treuenbrietzen.

Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen. Die Stadt wandelt auf historischen Pfaden. Seit einem Monat beschäftigt Treuenbrietzen einen Pflasterer. Der 27-jährige Kevin Sprengel ist Straßenbaugeselle mit der Zusatzqualifikation für Natursteinpflaster. Genau das richtige für die Altstadt.

„Wer schönes haben will, muss Qualität bewahren“, sagt Bürgermeister Michael Knape (parteilos) bei der Eröffnung der Ausstellung „Pflasterhandwerk – Zunft mit Zukunft“ im Rathaus. Die Schau beleuchtet geschichtlichen Aspekte des Pflasterer-Handwerks und wirft einen Blick in die Zukunft. Sie gehört zur Kulturland-Kampagne Brandenburg 2016 mit dem Motto „Handwerk zwischen Gestern und Morgen“. Knape hofft, dass die inzwischen fast flächendeckend in der Altstadt neu gestalteten Straßen ebenso lange halten werden, wie die früheren. Bei denen lag das Pflaster oft schon 100 Jahre im Boden.

Wertvolles historisches Material

Bei Sanierungsarbeiten in der Altstadt Treuenbrietzens wird heute hauptsächlich Lausitzer Granit eingesetzt.

Die Bernburger Platte – auch „Schweinebauch“ genannt, weil die Unterseite gewölbt ist – wird nicht mehr für Gehwege verwendet. Die Verlegung ist komplizierter und aufwendiger. Zum Einsatz kommt nun die Berliner Granitplatte, deren Unterseite ebenfalls eben ist.

Pflastersteine und Platten, die geborgen aber aktuell nicht mehr benötigt werden, werden gesäubert und gelagert.

Innerhalb der Arbeitsgemeinschaft der Städte mit historischen Stadtkernen haben Mitgliedsorte ein Netzwerk aufgebaut, um sich mit historischen Baumaterialien gegenseitig auszuhelfen.

In der Sabinchenstadt wird bewusst gepflastert. Aktuell auch wieder nach den Bauarbeiten am Rathausbrunnen. Zu kleinen Hügeln aufgeschüttetes Mosaikpflaster wartet dort, verlegt zu werden. Das wird jedoch nicht die Aufgabe von Kevin Sprengel sein, da dieser Auftrag von einer Firma erledigt wird. Der Stadt-Pflasterer wird bald jedoch vor der Gaststätte „Sonneneck“ tätig werden. Dort wird rund um die Bäume Mosaikpflaster verlegt. „Damit wird dem Gastwirt erleichtert, dort seine Tische und Stühle herauszustellen“, erklärt Waldemar Flemmer. Der für die Straßenunterhaltung der Stadt zuständige Polier hat schon selbst an der Pflasterverlegung in der Stadt fleißig mitgearbeitet. Immerhin gibt es dort insgesamt rund 300 000 Quadratmeter Pflasterfläche, die auch gepflegt, ab und an fachmännisch ausgebessert und erneuert werden müssen, wie Bauamtsleiter Christoph Höhne erklärte. Er verwies auf rund 30 Millionen Euro Fördergeld, das in den zurückliegenden Jahren in die Sanierung des historischen Stadtkerns geflossen ist.

Kevin Sprengel zeigt die historische Explosionsramme

Kevin Sprengel zeigt die historische Explosionsramme.

Quelle: Andreas Koska

Die kleine Ausstellung, die im Eingangsbereich und im Treppenhaus des Rathauses zu besichtigen ist, erläutert den Werdegang der Pflasterer-Zunft, beschreibt die Ausbildung und zeigt einige Werkzeuge. So auch eine Explosionsramme. Sie springt bis zu 40 Zentimeter in die Höhe und verlangt vom Pflasterer auch körperliche Fitness. „Außerdem sind gute Arbeitsschuhe von Bedeutung“, machte Sprengel deutlich. Auch Handrammen, Mosaikhammer und Bossekel gehören zu den Exponaten. In einer Vitrine sind die unterschiedlichen Pflastersteine aus Granit, Diabas, Porphyr, Grauwacke und Basalt zu bewundern. Klein-, Groß-, Mosaikpflaster dazu Lesestein und Betonpflasterstein, die Vielfalt ist groß. „Es gibt Qualitätsunterschiede beim Pflaster und intelligente Lösungen, die nicht mehr im Gegensatz zu den Wünschen von Behindertenverbänden stehen müssen“, betonte der Hauptgeschäftsführer der Fachgemeinschaft Bau und ehemalige Brandenburger Bauminister, Reinhold Dellmann, in Treuenbrietzen. Zu diesen Lösungen gehört die auch in der Altstadt gewählte Methode, Granitplatten für Gehwege zu verwenden und diese mit Mosaikpflaster einzufassen. „Unsere Strategie ist es, diese Kombination weiter zu verfolgen und damit auch Rollstuhlfahrern und Rollatornutzern ein Fortkommen zu erleichtern“, erläuterte Christoph Höhne.

Die Ausstellung zum Pflasterhandwerk läuft bis zum 13. Juni im Treuenbrietzener Rathaus.

Von Andreas Koska

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