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Treuenbrietzen 21 tote Rinder: Alles deutet auf den Wolf
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen 21 tote Rinder: Alles deutet auf den Wolf
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08:41 17.08.2018
Der Rissgutachter untersucht den Kadaver eines Kalbs.
Treuenbrietzen

Ralf Högemann schläft schlecht. Die Anspannung lässt sich von seinem Gesicht ablesen. Am Dienstagmorgen fand der Landwirt auf seinem 500 Hektar großen Gelände bei Treuenbrietzen, auf dem 600 Rinder leben, zwei tote Kälber. Sie wurden gerissen – wohl von einem Wolf.

Ralf Högemanns Rinderherde wurde zum wiederholten Mal dezimiert. Der Landwirt aus Treuenbrietzen vermutet Wolfsattacken.

Es ist nicht das erste Mal, dass Högemann eine solche Entdeckung macht: Seit dem 9. März bis heute – darüber führt er akribisch Buch – sind insgesamt 21 Rinder durch ähnliche Vorfälle getötet worden, im April fand er das Fohlen seiner staatsprämierten Reitpony-Stute zerfleischt am Boden.

„Ich sehe die Wölfe“, sagt der Viehzüchter. „Ich sehe sie morgens, mittags, abends und nachts, mal einen einzelnen, mal drei auf einmal.“ Mittlerweile kämen die Raubtiere auf bis zu 100 Meter an sein Wohnhaus heran. Ihre Fußspuren entdeckt Högemann auf dem Sandweg hinter den Ställen. Seinen drei Kindern hat er verboten, dort zu spielen, er sorgt sich um ihre Sicherheit.

„Wir wissen nicht, wie es weitergehen soll“

Vier Wochen lang hat der Bauer in diesem Sommer bei seiner Herde auf der Weide übernachtet, aus Angst um seine Tiere. „Wenn sie angegriffen werden, schreien sie“, sagt er. „Vom Haus aus hört man das, wenn der Wind günstig steht, dann fahre ich hin und verjage die Wölfe. Jeden Morgen fahre ich mit einem schlechten Gefühl raus – ist wieder etwas passiert?“

Die vergangenen Monate haben den erfahrenen Landwirt mürbe gemacht, mürbe und wütend. Er fühlt sich mit der Situation allein gelassen. „Wir sind ein Familienbetrieb, ein kleines Unternehmen, und wir wissen nicht, wie es weitergehen soll“, sagt er. „Die Schuld wird aber immer auf die Bauern geschoben, wir werden vertröstet und nicht ernst genommen.“

Immer mehr Fälle in der Region

Högemann wünscht sich, dass auch andere Bauern mit ihren Sorgen wegen des Wolfes an die Öffentlichkeit gehen. Denn in der Region gebe es immer mehr Fälle. Nach jedem Angriff auf eines seiner Tiere ruft er über die eingerichtete Hotline den Rissgutachter des Landesamts für Umwelt (LfU), der die Kadaver untersucht. Er dokumentiert den Fall und veranlasst Gen-Analysen, um herauszufinden, ob es sich wirklich um einen Wolfsriss handelt. Aber: „Wir haben bis heute noch keine einzige Entschädigung erhalten“, sagt Högemann.

„Die Gen-Analyse spielt in den seltensten Fällen eine Rolle“, sagt Thomas Frey vom Landesamt für Umwelt (LfU) in Potsdam. „In der Regel geht die Einschätzung aus der Dokumentation des Rissgutachters hervor.“ Die einzelnen Fälle gehen beim LfU ein. Von dort werden sie an das Landesamt für Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft und Flurneuordnung (LELF) weitergeleitet. Dort werden die Preise ermittelt, die den Landwirten als Entschädigung gezahlt werden.

Die Gen-Analysen werden im Senckenberg-Institut Gelnhausen aus wissenschaftlichen Gründen dokumentiert. „Dort werden die Proben untersucht. Es kann mehrere Wochen und Monate dauern, bis das Ergebnis feststeht“, sagt Frey. Aufgrund hoher Auslastung und Formalien, die eingehalten werden müssten, könne es bisweilen zu Verzögerungen kommen. „Alles ist jedoch darauf ausgerichtet, die Fälle im Normalfall innerhalb weniger Wochen abzuschließen“, sagt der Sprecher des LfU.

Maßnahmen des Landes können helfen

„Betroffene Landwirte in Brandenburg können Hilfsangebote des Landes zum Schutz ihrer Tiere wahrnehmen“, sagt Valeska De Pelligrini, Wolfsbeauftragte beim Ministerium für Ländliche Entwicklung, Umwelt und Landwirtschaft (LMUL). In einer Situation wie der von Ralf Högemann sei es wichtig, etwas an der Herdensicherung zu ändern.

„Mit einer Förderungsmaßnahme von bis zu 15 000 Euro ließen sich auf Herrn Högemanns Grundstück relativ einfach die Stromzäune zur Wolfsabwehr verstärken. Ein bis zwei Litzen mehr würden schon ausreichen.“ Die Wolfsbeauftragte kennt das Gelände des Treuenbrietzeners und war im September 2017 zu einem Präventionsgespräch vor Ort.

Ralf Högemann sieht das anders. „Bei der großen Fläche komme ich schnell auf eine weitaus höhere Summe als 15 000 Euro“, meint er. „Wir haften mit Haus und Hof, wir haben viele Fixkosten – das können wir uns gar nicht leisten“, sagt der Landwirt. Vom Staat wünscht er sich mehr Verantwortung und Hilfe. „Ich muss dabei zusehen, wie meine Tiere lebendig gefressen werden. Doch meine Kühe waren vor den Wölfen da. Seit 29 Jahren bin ich Landwirt, so etwas habe ich noch nie erlebt.“

Von Christina Koormann

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