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Treuenbrietzen Stadtwald jetzt unter dem Hammer
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17:56 09.10.2018
Schwarz wie Kohle: Im Stadtwald Treuenbrietzen sieht Förster Dietrich Henke nach dem Großbrand jetzt einige Probleme. Quelle: Foto: Thomas Wachs
Treuenbrietzen

 Jetzt wird es ernst: Ab sofort können Interessenten für den Kauf des großen Treuenbrietzener Stadtwaldes Konzepte und Gebote abgeben. Nach Monaten der Vorbereitung hat die Stadtverwaltung nun offiziell das Interessenbekundungsverfahren gestartet.

Das aus dem Verkauf des gut 1900 Hektar umfassenden Forstes erhoffte Geld in Millionenhöhe soll dazu genutzt werden, um dringend nötige Investitionen in die Infrastruktur für Kindereinrichtungen und Schulen im Stadtgebiet realisieren zu können.

Die Stadt bietet ihren rund 1900 Hektar großen Stadtwald nun zum Kauf an. Quelle: Thomas Wachs

Im April hatten die Stadtverordneten auf Vorstoß von Bürgermeister Michael Knape (parteilos) beschlossen, den Waldverkauf prüfen zu lassen. Der mit einer knappen Mehrheit von zehn gegen sechs Stimmen und einer Enthaltung gefasste Beschluss war und ist im Ortsparlament sowie in der Bürgerschaft stark umstritten.

Zwei Tage zur Besichtigung

Über die Internetseite der Stadt können Interessenten sich ein Exposé zu den Liegenschaften zusenden lassen. Wie Michael Knape der MAZ sagte, gibt es vor dem Abgabeschluss für die Gebote am 26. Oktober in der nächsten Woche noch zwei Termine, an denen der Forst besichtigt werden kann. Nach Auswertung der Gebote und Gesprächen mit dann favorisierten Bietern, soll Ende November in einer Sondersitzung der Stadtverordneten über die Vergabe des Stadtforstes entschieden werden.

Schon vor dem nun erfolgten offiziellen Start des Verfahrens habe es acht Anfragen von Interessenten gegeben. Sie seien unter anderem vom Land Brandenburg aber auch aus ganz Deutschland „sowie von Vermittlern gekommen, die nach ersten Erkenntnissen für ausländische Interessenten bieten könnten“, erklärt der Rathauschef.

Waldbrand überschattet Verkauf

Überschattet wird der geplante Verkauf von den Folgen des riesigen Waldbrandes, der Ende August insgesamt rund 400 Hektar Forstflächen zwischen Frohnsdorf, Klausdorf und Tiefenbrunnen mehr oder weniger stark beeinträchtigt hatte. Neben dem Besitz vieler privater Waldeigentümer sind darunter auch gut 145 Hektar des kommunalen Forstes bei Frohnsdorf. Das Gutachten eines vereidigten Sachverständigen beziffere die Schäden, erklärte Knape.

Beste Flächen mit betroffen

„Betroffen sind vor allem auch die besten Flächen, die wir haben“, sagt Stadtförster Dietrich Henke. Er ist seit 16 Jahren für den kommunalen Forst zuständig und hat die enormen Schäden durch das über Tage wütende Großfeuer nun für sein Gebiet analysiert. Insgesamt geht der Förster von rund 1,8 Millionen Euro Schaden aus. Sie entstehen einerseits, weil ältere Waldbestände, die bald hätten verwertet werden können, durch das Feuer mehr oder weniger stark geschädigt wurden. Andererseits müsse der Zuwachsverlust berücksichtigt werden, der künftige Erträge schmälert.

Dietrich Henke geht davon aus, dass 80 Hektar „voll verloren sind und ganz neu angelegt werden müssen“. 40 Hektar seien in mittlerem Maße geschädigt. Auf circa 25 Hektar kommunaler Brandfläche dürften sich die Bäume jedoch auch wieder erholen. „In welchem Maße das wirklich erfolgt, wird sich im Frühjahr zeigen“, erklärt Henke. Er lehnt diesbezüglich schnelle Einschläge ab und rät dazu abzuwarten, „bis auch die ausgebrannten Böden in ein bis zwei Jahren wieder fruchtbarer sind“.

Wissenschaftler in den Startlöchern

Dem Stadtförster schwebt vor, die Aufarbeitung der kommunalen Brandflächen von Wissenschaftlern begleiten zu lassen. Denn zumindest in den Jahren nach der Wende gebe es bislang keine Erfahrungen mit Feuerfolgen diesen Ausmaßes. „Das ist daher auch für die Forstwissenschaft und andere Forschungen besonders interessant“, erklärt Dietrich Henke.

Daher seien Wissenschaftler der Forsthochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (HNE) sowie vom Institut für Biochemie uns Chemie der Universität Potsdam schon auf die Stadt Treuenbrietzen zugekommen, um das Projekt zu begleiten.

Der Stadtförster sieht in der Brandsituation nun die Chance, den auch vom Land Brandenburg favorisierten Umbau zu Mischwald voranzubringen. Daher hofft der Stadtförster für den möglichen Waldverkauf auf einen Zuschlag für das Land. Dann könnten auch die Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes für die Siedlungen sowie Belange des Naturparkes besser koordiniert werden, glaubt Henke.

Munition im Boden macht Probleme

Das betrifft auch den Umgang mit den aus Erkenntnissen der Brandereignisse mit Altmunition belasteten Gebiete. Betroffen sind rund 400 Hektar des Stadtwaldes, darunter gut 125 Hektar des Brandgebietes. „Dort ist vorerst Sperrgebiet und kein Eingriff in den Boden möglich“, erklärt der Stadtförster. Eine Untersuchung auf Altmunition sei beim Land Brandenburg beantragt. Doch entscheide das Innenministerium nach Prioritäten aller Munitionsgebiete im Land über die Vergabe des Geldes und damit darüber, wann und in welchem Umfang eine Sicherung der Flächen erfolgen könnte.

Von Thomas Wachs

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