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Treuenbrietzen Sattlerlehrling auf bestem Weg zum Traumberuf
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Sattlerlehrling auf bestem Weg zum Traumberuf
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18:44 28.11.2018
Miriam Friedrich (20) von der Sattlerei Mauer in Treuenbrietzen ist von der Handwerkskammer Potsdam als „Azubi des Monats November“ ausgezeichnet worden. Quelle: Thomas Wachs
Treuenbrietzen

Das Nähen hat es ihr angetan. Schon immer fertigte Miriam Friedrich gerne Kleidungsstücke und Taschen selbst. Dieses Hobby will sie nun zum Beruf machen. Dabei ist die 20-Jährige auf einem sehr guten Weg, bestätigt ihr Chef Uwe Mauer. Der Sattlermeister aus Treuenbrietzen überraschte seinen Lehrling daher jetzt mit einer besonderen Ehrung. Die Handwerkskammer Potsdam (HWK) folgte Mauers Vorschlag und ehrte Miriam Friedrich am Mittwoch als „Azubi des Monats“.

Werben um Nachwuchs im Handwerk

„Sie zeigen in der Ausbildung gute Leistungen und sind pfiffig. Ihr Chef lobt sie über den grünen Klee“, erklärte Ralph Bührig, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Potsdam, bei der Auszeichnung gegenüber der völlig überraschten Miriam Friedrich. „Wir folgten dem Vorschlag gerne“, sagte Bührig gegenüber der MAZ.

Seit 2014 organisiert die Kammer die monatliche Auszeichnung, „um für Nachwuchs im Handwerk zu werben“, erklärt der HWK-Geschäftsführer. „Zwar haben wir dieses Jahr einen Rekord erzielt bei der Zahl der Ausbildungsverträge, doch gehört es auch zur ganzen Wahrheit, dass aktuell noch 213 Lehrstellen in 33 Ausbildungsberufen unbesetzt blieben in unserem Kammerbezirk, der von der Prignitz bis in den Landkreis Teltow-Fläming reicht“.

Miriam Friedrich aus der Sattlerei von Uwe Mauer (re.) in Treuenbrietzen ist von der Handwerkskammer Potsdam am Mittwoch als „Azubi des Monats November“ ausgezeichnet worden. Dazu gratulierte Hauptgeschäftsführer Ralph Bührig. Quelle: Thomas Wachs

Dabei sieht Bührig „inzwischen wieder sehr gute Entwicklungschancen auch im Handwerk, das in allen Regionen gute Möglichkeiten bietet“. Er wirbt vor allem auch bei Eltern dafür, „ihre Kinder nicht um jeden Preis zu einem Studium zu drängen“, so Bührig. Das Handwerk sei anders als Fließbandarbeiten in der Industrie oder ein Bürojob, die nicht jedermanns Sache sind. „Auch hier lässt sich beruflich persönliche Erfüllung finden“, sagte der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.

Jeder Auftrag ist anders

Das bestätigt Uwe Mauer. „Bei uns ist jeder Auftrag anders und individuell, nichts ist von der Stange“, beschreibt der Sattlermeister. Teamarbeit ist ihm wichtig. „Allein kann man die Aufträge heute gar nicht mehr abarbeiten“, so Mauer. Das Spektrum ist breit gefächert und reicht von Polsterarbeiten, über Zubehör für den Pferdesport bis hin zur Restaurierung der Innenausstattung von Autos, Booten „und inzwischen auch immer mehr Sportflugzeugen“, erzählt Uwe Mauer.

Für ihn ist Miriam Friedrich als Lehrling „ein Glücksgriff“. Schon am Telefon und beim kurzen Bewerbungsgespräch sei klar geworden, „dass sie den Beruf wirklich will“. Das bestätigt Heide Diener. Sie ist seit acht Jahren in der Sattlerei Mauer tätig und seit ein paar Monaten als Ausbilderin qualifiziert. Zum Team gehören neben dem Meister zwei Gesellen, eine Bürokraft und eben die Auszubildende. „Miriam ist zielstrebig, findet selbstständig eigene Lösungswege und ihre hohe Lernkompetenz fasziniert uns“, sagt Lehrausbilderin Heide Diener.

Stolz auf ein neues Verdeck

Für Miriam Friedrich ist es ein Traumberuf. „Man sieht immer, was man mit seinen eigenen Händen geschaffen hat“, sagt die Auszubildende im dritten Lehrjahr. Stolz ist sie auf ein neues Verdeck für ein Boot, das sie bereits gefertigt hat. Ihr Gesellenstück jedoch wird ein Trense für Pferde werden, erzählt die junge Frau. Dabei habe sie privat „mit Pferden gar nichts am Hut“. Neben den Näharbeiten ist ihr neues Hobby nun eher das Bogenschießen. Das übt sie auf Vermittlung ihres Chefs beim Krähenberg-Verein in Treuenbrietzen aus. In der Kleinstadt fühle sie sich seit gut zwei Jahren wohl.

Ein Shirt und eine Tasche mit Präsenten erinnern Miriam Friedrich an ihre Auszeichnung als „Azubi des Monats November“ der Handwerkskammer Potsdam. Dazu gratulierte Hauptgeschäftsführer Ralph Bührig. Quelle: Thomas Wachs

Geboren wurde Miriam Friedrich in Anklam. Zuletzt wohnte sie 14 Jahre lang mit ihrer Familie in Schleswig-Holstein.

Bewusst zurück nach Ostdeutschland

„Zur Ausbildung wollte ich bewusst zurück nach Ostdeutschland“, erzählt die junge Frau. Drei Bewerbungen schrieb sie und schließlich war der Ausbildungsplatz in Treuenbrietzen ihr Favorit. „Ich bin stolz darauf, schon als Lehrling hier ein wichtiger Teil der Sattlerei geworden zu sein“, sagt die 20-Jährige.Ihre schulische Ausbildung absolviert sie parallel in drei Blöcke von jeweils vier Wochen pro Jahr in Herford (Nordrhein Westfalen).

Miriam ist eine Auszubildende die mitdenkt, die mit Lust und Liebe dabei ist. Darüber hinaus bezaubert sie ihr berufliches Umfeld mit ihrer respektvollen, zielstrebigen und freundlichen Art“, lobt Uwe Mauer. Ihren Ehrgeiz unterstütze sein Betrieb, der seit 2002 ausbildet, gern auch mit Zusatzqualifizierungen.

Produkte europaweit gefragt

Längst agiert die Sattlerei weit über die Stadtgrenzen hinaus. Das Unternehmen bedient beispielsweise Hersteller von Feuerwehrfahrzeugen, den Flugzeugzulieferer MTU in Ludwigsfelde oder einen international agierenden Spielplatzhersteller. Auch in Österreich sind die Treuenbrietzener Sattler-Produkte gefragt, erzählt der Chef, der den Familienbetrieb schon vor der Wende führte und seit 1991 selbst Meister ist.

Onlineshop schon lange aktiv

Zur guten Geschäftsentwicklung beigetragen habe auch ein Onlineshop, den er bereits vor gut zehn Jahren ins Leben rief – zu einer Zeit, „als das Handwerk mit der Digitalisierung durchaus noch fremdelte“. Bis nach Spanien verkaufte Mauer damit seine Produkte. Doch sei die beste Werbung noch immer die Mund-zu-Mund-Propaganda.

Intensiv beschäftigt sich der 60-jährige Unternehmer nun auch schon mit dem Fortbestand seines Betriebes. Die Familientradition werde direkt zwar keine Fortsetzung finden. Aber aus den eigenen Reihen der Mitarbeiter heraus soll langfristig die Nachfolge entwickelt werden.

Von Thomas Wachs

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