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Treuenbrietzen Jetzt erobern die Forscher den Brandwald
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17:37 26.02.2019
Im Stadtwald Treuenbrietzen begleiten Forscher der Hochschule Eberswalde jetzt die Wiederaufforstung des Brandwaldes. Professor Pierre Ibisch (re.) und Stadtförster Dietrich Henke arbeiten zusammen. Quelle: Thomas Wachs
Frohnsdorf

Blaue Unterschriften vor schwarzen Bäumen. In dem voriges Jahr vom großen Waldbrand erheblich in Mitleidenschaft gezogenen Stadtwald von Treuenbrietzen ist am Dienstag die Kooperation der Stadt Treuenbrietzen mit der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde (HNEE) besiegelt worden. Sie ist der Startschuss für ein besonderes Forschungsprojekt. Von dessen Ergebnissen sollen nicht nur Wissenschaftler in Brandenburg profitieren.

Im Brandwald bei Treuenbrietzen ist jetzt ein Kooperationsprojekt gestartet. Forscher bearbeiten ein Areal nun zehn Jahre lang als Freiluftlabor.

Das Projekt unter dem Titel „Clever-Forst 1“, gibt Forschern dieser Forsthochschule und weiteren Partnern in In- und Ausland die Chance, den Umgang mit Brandflächen wissenschaftlich zu begleiten. Die Stadt überlässt der HNEE eine Fläche von rund 28 Hektar in der Nähe des Nieplitztales bei Frohnsdorf für das Projekt.

Der Hochschule wird für zunächst zehn Jahre auf dieser Fläche anhand von wissenschaftlichen Studien über mikroklimatische Veränderungen sowie boden- und vegetationskundliche Entwicklungsphasen nach der Brandeinwirkung erforschen, wie der Wald sich unter Einsatz verschiedener Strategien entwickelt.

„Dabei sollen vor allem auch Erkenntnisse zum Potenzial des natürlichen Zuwachses und der Wiederherstellung möglichst strukturreicher Waldbestände gewonnen werden“, erklärt Pierre Ibisch am Dienstag im Wald bei Frohnsdorf. Der Professor ist der verantwortliche Wissenschaftler der HNE in Eberswalde und hatte die Idee für das Projekt. Untersucht werden dabei die Erfolge ganz ohne beziehungsweise bei zurückhaltender Pflanzung neuer Bäume.

Nichts mehr zu verlieren

„Für uns ist es spannend, dass sich die Kommune als Waldbesitzer hier traut, einen Contrapunkt zu setzen zur großflächigen Abholzung der Brandflächen“, sagte Wilhelm-Günther Vahrson, der Präsident der Hochschule, bei Unterzeichnung des Vertrages mit Treuenbrietzens Bürgermeister Michael Knape (parteilos). Mit Dietrich Henke habe die Kommune einen Stadtförster, „der einen guten Blick darauf hat, was die Natur selbst kann. Und sie schafft viel auch selbst“, sagte der Professor.

Im Stadtwald haben Hochschulpräsident Wilhelm-Günther Vahrson, Bürgermeister Michael Knape, Professor Pierre Ibisch und Stadtförster Dietrich Henke die Kooperation besiegelt. Quelle: Thomas Wachs

„Wir können nun den Mut haben, etwas zuzulassen“, erklärte Bürgermeister Knape. „Denn wir haben hier nichts mehr zu verlieren im Brandwald und können nur gewinnen mit dem Projekt“. Es werde auch dazu dienen, den Druck auf die Landesregierung zu erhöhen für den Umgang mit den von Altmunition belasteten Waldgebieten. Denn noch immer gebe es dazu keine Entscheidung zum Antrag der Stadt auf eine Beräumung. Nun werde die Hochschule ihrerseits einen Antrag stellen, denn auch die Projektfläche zählt zu den Gefahrenzonen.

Einmalige Chance nutzen

„Wir wollen nicht schlauer als andere sein, aber die seltene Chance aus der besonderen Situation des großen Waldbrandes nutzen, um auch Forschung zu betreiben, neue Ansätze zu verfolgen und die Ergebnisse von Clever-Forst nutzen“, sagte Dietrich Henke. „Welchen Erfolg das hat, muss die Zeit zeigen“, so der Stadtförster.

Parallel zum Projekt laufen jetzt auch im Stadtwald die vorbereitenden Arbeiten zur Wiederaufforstung der geschädigten Flächen. So wie schon im Privatwald bei Klausdorf. Doch verfolgt die Kommune unterschiedliche Strategien. Sie geht je nach Schädigung der Bäume gestaffelt vor. Einige Bestände bleiben stehen.

80 Hektar schwer geschädigt

In dem insgesamt rund 2000 Hektar großen Stadtwald Treuenbrietzens waren 145 Hektar vom Brand betroffen. Zuzüglich der privaten Flächen bei Klausdorf hatte das Feuer Ende August 2018 knapp 400 Wald erfasst. „Davon wurden bei uns rund 80 Hektar schwer geschädigt“, erklärt Stadtförster Dietrich Henke.

Im Stadtwald Treuenbrietzen sind 145 Hektar zum Teil stark geschädigt vom Waldbrand. Quelle: Thomas Wachs

Er sieht große Chancen nun auch in der Differenzierung der künftigen Bewirtschaftung. „Unser Ziel ist es aber, unsere seit 2002 erfolgte Strategie zur natürlichen Waldbewirtschaftung fortzuführen“, so der Stadtförster. Große Teile der kommunalen Brandflächen sollen zu Mischwald umgebaut werden. „Anders als private Waldbesitzer sind wir da als Kommune auch in der Verantwortung, nicht nur auf schnellen wirtschaftlichen Ertrag zu schauen“, so Henke.

Mehr als zwei Millionen Euro Schaden

Er beziffert allein den ökonomischen Brandschaden für die Stadt Treuenbrietzen auf rund zwei Millionen Euro. Denn vor allem seien auch rund 70 Jahre alte Kieferbestände mit dem größten Zuwachs ein Raub der Flammen geworden, „die in den nächsten sechs Jahren den Erntevorrat der Stadt bilden sollten“.

Im Stadtwald Treuenbrietzen werden nicht alle Bestände gerodet. Quelle: Thomas Wachs

„Plantagen aus der Historie Brandenburger Waldwirtschaft brauchen einen Umbau zu Mischwäldern“, sagt Pierre Ibisch. „Dabei sollten die Kräfte zur Selbstheilung der Natur nicht unterschätzt werden“, so der Professor. Er wolle bei Clever-Forst nun auch sehen, wieviel Eingriff gut ist und richtig. „Dazu freuen wir uns, dass wir hier im Stadtwald jetzt ein einmaliges Freiluftlabor zur Verfügung haben, in dem wir immer wieder auch mit Studenten praktisch arbeiten können“, so Ibisch. Die Situation nach dem Waldbrand biete Forschern eine besondere Chance.

Von Thomas Wachs

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