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Treuenbrietzen Wie weiter nach dem Waldbrand?
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18:43 12.09.2018
Mit schwerem Gerät ist gegen die Flammen im Wald bei Treuenbrietzen angekämpft worden. Quelle: Jonas Nayda
Treuenbrietzen

Selbst Astro-Alex war erschrocken. Weil die Erde so viele braune Flecken gezeigt hat, wo sie eigentlich hätte grün sein sollen um diese Jahreszeit. Das Foto aus dem Weltall hat der Astronaut Alexander Gerst – er ist derzeit mit der Raumstation ISS unterwegs – über das Internet verbreitet. Michael Luthardt, Leiter des Landeskompetenzzentrums Forst Eberswalde (LFE), ist darauf aufmerksam geworden und hat es am Dienstagabend mit nach Treuenbrietzen gebracht.

Dorthin hatte der Landesbetrieb Forst Brandenburg eingeladen zu einer Infoveranstaltung mit dem Thema „Waldbrand – und wie weiter?“. Denn nicht nur der heiße Sommer hat den Wäldern in Brandenburg zu schaffen gemacht – die darauffolgenden Brände haben vielerorts zusätzlich großen Schaden angerichtet.

Feuer hatte leichtes Spiel

Der Landesbetrieb Forst wollte daher alle betroffenen Waldbesitzer und interessierte Bürger darüber informieren, wie den Wäldern jetzt geholfen werden kann. Um wieder auf die Beine zu kommen und aus den Bränden drohende Folgeschäden möglichst gering zu halten.

„Nicht nur die Temperaturen waren in diesem Jahr extrem, sondern auch die Strahlung der Sonne“, erläutert Luthardt. „Seit dem 10. April waren wir einer unbarmherzigen Strahlung ausgesetzt. Die Böden waren aufgeheizt und die Feuer hatten somit leichtes Spiel.“ Luthardt hat auch eine Karte mitgebracht, die die Niederschlagsmenge anzeigt. Brandenburg ist tiefrot, noch weniger Niederschlag gab es nur in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. „Obwohl das eine Zeit ist, wo die Bäume Wasser für ihr Wachstum benötigen“, so Luthardt.

2003 war es noch wärmer

Laut Michael Luthardt ist seit 22 Jahren jeder Sommer wärmer als das langjährige Mittel.

Dennoch sei der Sommer 2018 nicht am heißesten gewesen – 2003 seien die Temperaturen noch höher gewesen.

Für alle Waldflächen, die nicht mehr zu retten sind, gilt eine sogenannte Wiederbewaldungspflicht innerhalb von 36 Monaten nach Eintritt des Schadereignisses.

Ob das eigene Waldstück mit Munition belastet ist, können Waldbesitzer anhand von Kampfmittelverdachtsflächenkarten herausfinden, die der Kampfmittelbeseitigungsdienst regelmäßig aktualisiert.

Es ist Aufgabe des Waldbesitzers, die Beräumung der Fläche zu veranlassen.

Besonders häufig für Brände würde weißer Phosphor sorgen, der in den Munitionsspitzen sitzt – er entzünde sich leicht und liege weit oben. Etwa zehn bis 20 Zentimeter tief unter der Grasnarbe, wie Mike Schwitzke vom Kampfmittelbeseitigungsdienst erläutert hat.

Der Wald sei somit einer Art Dauerstress ausgesetzt gewesen – und ist empfänglich geworden für Folgeschäden. Diese würden erst in den kommenden Jahren komplett sichtbar werden. Luthardt rät, den Waldumbau neu zu denken – und beispielsweise wegzukommen vom flächigen Umbau.

Die Kiefer werde zwar die Hauptbaumart in Brandenburgs Wäldern bleiben – aber großflächige Bestände müssten ökologisch stabilisiert werden. Ebenso wie die Waldinnenränder, die nicht nur Schattenspender seien, sondern auch Waldbrandriegel und – fast am wichtigsten – Biotope für natürliche Schädlingsgegner wie zum Beispiel Kieferngroßschädlinge.

Das Feuer hat verbrannte Erde und Bäume hinterlassen. Quelle: Victoria Barnack

Auch Katrin Möller, wissenschaftliche Leiterin Waldschutz beim LFE, hat den Waldbesitzern in Treuenbrietzen dazu geraten, die Chance zu nutzen, um die Wälder jetzt anders zu gestalten – auch mit Blick auf den Klimawandel. Denn gerade Schädlinge seien Gewinner des Klimawandels. „Wir kriegen also auch künftig Probleme, wenn wir weiter auf Kiefern setzen. Ebenso können Pilze zunehmend zu Krankheitserregern für die Bäume werden.“

Möller sieht eine Chance zur Veränderung über die Strukturvielfalt. „Eine große Pflanzenvielfalt bietet eine hohe Zahl ökologischer Nischen und günstige Bedingungen für Schädlingsgegner“, sagt auch sie. Für die Anlage von Waldinnenrändern empfiehlt Möller Sträucher und krautige Pflanzen.

Bäume mit ausgekohltem Stammfuß werden sich vom Feuer nicht mehr erholen. Quelle: Victoria Barnack

„Bäume mit brauner Krone und jene mit teilweise grüner Krone aber ausgekohltem Stammfuß, haben die Brände nicht überlebt“, erläutert Möller. „Außerdem bleibt die Anfälligkeit von beschädigten Kiefern noch über Jahre bestehen – etwa, bis die Nadelmasse wieder 60 Prozent erreicht hat.“ Es sei daher besonders wichtig, auf eventuellen Befall zu achten.

Schließlich hat Lars Boge, Leiter der Bewilligungsstelle beim Landesbetrieb Forst, die Waldbesitzer noch informiert, inwieweit sie Fördermittel für die neuerliche Aufforstung ihrer Flächen beantragen können. „Das wird voraussichtlich nicht in einem Jahr umsetzbar sein – zumal mit Folgeschäden zu rechnen ist, die weiteren Bestand absterben lassen.“

Finanziell gefördert werde zum Beispiel die Umstellung auf naturnahe Waldwirtschaft, Naturverjüngungsvorhaben sowie die Pflanzung von Laubhölzern. „Drücken Sie uns die Daumen, dass wir so einen Supersommer nicht jedes Jahr haben und dass es regnet – denn solche Situationen machen auch einen Behördenleiter nervös, das können Sie glauben“, scherzte Boge.

Von Josephine Mühln

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