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Treuenbrietzen Musikerin erfüllt sich Traum vom Landleben
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14:48 13.07.2018
Nicolette Richter hat musikalisch einen furiosen Einstieg in der neuen Heimat gegeben. Die Musikerin trat mit ihrem Berliner Gospelchor in der Niebeler Dorfkirche auf. Quelle: Thomas Wachs
Niebel

Geträumt hat Nicolette Richter schon ganz lange davon. Auf dem Dorf leben, dort die Kirchenorgel spielen und den Chor leiten wollte die vielseitigen Musikern und Musikpädagogin schon ewig. Dieser Traum ist nun in Erfüllung gegangen. Nach 25 Jahren in Berlin und zwei Jahren in Potsdam zog die 46-Jährige mit Mann, Kater und einem wuchtigen Konzertflügel in das verträumte Niebel.

Mit ihrem Gospelchor „The Melodetts“ gab Nicole Richter jetzt musikalisch einen gelungenen Einstieg in ihrer neuen Heimat.

In den kleinen Ortsteil der Stadt Treuenbrietzen habe sie sich sofort verliebt, als kürzlich dort die bereits von den Vorbesitzern zum Wohnhaus ausgebaute ehemalige Mühle zum Verkauf stand, erzählt die Pianistin der MAZ. „Hier gehe ich nicht mehr weg“, sagt die gebürtige Leipzigerin schon nach wenigen Tagen in der neuen Heimat.

Furioser musikalischer Einstand

Dort gab sie jetzt auch musikalisch einen furiosen Einstand. Mit ihrem vor elf Jahren in Berlin gegründeten Jazz- und Gospelchor „The Melodetts“ lud Richter zum Konzert in die Dorfkirche. Das Publikum im voll besetzten Gotteshaus war begeistert vom Auftritt der 30 Sänger und Sängerinnen.

Auch mehrstimmige Passagen meistern sie perfekt. Beim anschließenden Sommerfest im privaten Mühlengarten, zu dem Nicolette Richter Konzertbesucher und ihre neuen Nachbarn einlud, wurden neue Kontakte geknüpft.

Vor der Kirche verabschiedeten Nicolette Richter und ihr Gospelchor die Konzertgäste musikalisch. Quelle: Thomas Wachs

Große Freude herrscht auch beim Treuenbrietzener Pfarrer Gunther Seidel. Er nämlich kann dringend Unterstützung gebrauchen bei der musikalischen Absicherung seiner regelmäßigen Gottesdienste in den vielen Dörfern des Pfarrsprengels. „Solche Leute könnten hier auf jedes Dorf ziehen“, sagt Gunther Seidel.

Seit zehn Jahren ohne schiefe Töne

Die Orgel in der Niebeler Kirche ist 2008 für 30 000 Euro saniert worden. Dafür brachten Einwohner rund 1000 Euro als Spende auf. Das Instrument war einst von Orgelbauer Friedrich Wilhelm Lobbes geschaffen und 1896 in der neuen Kirche montiert worden.

Das mechanische Instrument verfügte damals über nur ein Manual. Schon 20 Jahre später wurde die Schleifladenorgel von der Potsdamer Orgelbaufirma Alexander Schuke auf eine Pneumatik umgebaut. Sie erhielt dann zwei Manuale.

In den 1960er-Jahren folgten kleinere Reparaturen an der Orgel, die seit 2008 wieder ohne schiefe Töne klingt.

Denn als kürzlich der ehrenamtliche Organist in Treuenbrietzen ausfiel, sprang Nicolette Richter bereits spontan ein. Nun kann sie sich vorstellen, regelmäßig einmal im Monat in Niebel die Orgel aus dem Jahr 1896 zu spielen. Sie ist 2008 saniert worden und sollte in Gang gehalten werden. In Absprache mit dem Gemeindekirchenrat möchte Nicolette Richter diese Aufgabe ehrenamtlich übernehmen und regelmäßig auf der Orgel üben.

Beste Akustik in der Dorfkirche

Begeistert ist die Musikerin schon jetzt von der Akustik der Dorfkirche in ihrem neuen Heimatort. Die Proportionen der Kuppel und die Holzkonstruktion der Decke tragen dazu bei, „dass wir uns als Sänger auch selbst hören“, erzählt Richter nach dem Chorkonzert. Das sei nicht überall so. Woanders werde der Gesang von den Gotteshäusern „geradezu verschluckt“, sagt die Leiterin zweier Chöre.

Besonders stark habe sie dies schon einmal erlebt bei einem Auftritt im Petersdom zu Rom, erzählt die Musikerin. Sie kommt in ihrem Beruf viel herum. Seit 2001 ist Richter freischaffende Pianistin und Sängerin. Sie tourt mit eigenen Programmen aus Balladen, Jazz, Tango sowie Evergreens. So begleitet sie auch Galas und Firmenevents musikalisch.

Mit sechs Jahren am Klavier gestartet

Schon während des Studiums der Literatur- und Musikwissenschaften in Berlin verdiente sich Nicolette Richter einst Geld dazu als Pianistin und Sängerin in Lokalen, Café-Häusern, Hotels und Bars. Bis heute ist sie gut gebucht auch von renommierten Hotels in Berlin und Brandenburg.

„Schon mit sechs Jahren begann mein Interesse für Klavier und Gesang“, erzählt Nicolette Richter. Später nahm sie auch Gesangsunterricht und gründete in Berlin zwei Chöre. Längst ist die 46-Jährige nun selbst als private Musiklehrerin tätig.

Im ländlichen Niebel habe sie nun den lange gesuchten Ruhepol gefunden als Ausgleich zu ihren vielen Projekten im Berufsleben. Womöglich unterstützt sie dort bald auch die kleine Sängergruppe des Dorfes.

Herausforderung im neuen Heim

Doch zunächst gibt es im neuen Heim noch eine besondere Herausforderung zu meistern. Denn der 400 Kilogramm schwere Flügel hat nach dem Umzug vorerst nur in der Küche im Erdgeschoss des Mühlenhauses Platz gefunden. Für den Weg ins Obergeschoss ist die hölzerne Stiege nicht geeignet. Ein Kran muss wohl her, um das sperrige Instrument und Arbeitsgerät an seinen neuen Bestimmungsort zu hieven. Dann ist alles dort angekommen, wo Nicolette Richter schon lange hin wollte. Der Traum kann gelebt werden.

Mehr zur Niebeler Kirche lesen Sie hier

Von Thomas Wachs

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