Menü
Märkische Allgemeine | Ihre Zeitung aus Brandenburg
Anmelden
Treuenbrietzen Treuenbrietzen rebelliert gegen geplantes Wohnprojekt im Biotop
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Treuenbrietzen rebelliert gegen geplantes Wohnprojekt im Biotop
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:36 13.03.2019
Guido Franz und Petra Hannemann haben gemeinsam mit weiteren Anwohnern eine Unterschriftensammlung gegen ein Wohnprojekt in einem Biotop am Baggersee in Treuenbrietzen gestartet. Quelle: Thomas Wachs
Treuenbrietzen

Am Baggersee in Treuenbrietzen wächst Protest gegen ein Wohnungsbauprojekt. Mehrere Anlieger umliegender Straßen sprechen sich dagegen aus, dass auf einer als Biotop eingestuften Feuchtwiese in zwei Abschnitten ein modernes Mehrfamilienhaus mit circa 28 Wohnungen entstehen könnte. Nun läuft eine Unterschriftensammlung gegen das Projekt.

Bürger und Naturschützer kritisieren Eingriffe von Bauherren in ein geschütztes Biotop am Baggersee in Treuenbrietzen.

Für dieses erarbeiten die privaten Bauherren in Kooperation mit der Stadt Treuenbrietzen einen Bebauungsplan. Denkbar wäre nach aktuellen Stellungnahmen der in einer ersten Auslegung beteiligten Behörden ein Dreigeschosser zuzüglich zurückgesetztem Dachgeschoss. Er soll die Firsthöhe des unter Denkmalschutz stehenden Bahnhofsgebäudes nicht überschreiten.

Erneute Auslegung steht bevor

Ihre Bedenken gegen das Projekt haben mehrere Anlieger schon in ihrer Stellungnahme im Rahmen der vorzeitigen Bürgerbeteiligung deutlich gemacht. Diese führte zu leichten Planänderungen. Nach Zustimmung der Stadtverordneten steht der nächste Planungsschritt nun vor einer erneuten öffentlichen Auslegung und Beteiligung der Bürger sowie Träger öffentlicher Belange.

Anlieger und weitere Bürger kritisieren vor allem den Umgang der Bauherren mit dem als gesetzlich geschütztes Biotop eingestuften Areal einer Feuchtwiese unmittelbar am See.

Brief an Stadtverordnete verschickt

Petra Hannemann und ihr Partner Guido Franz, Bewohner des benachbarten Bahnhofsgebäudes, sammeln gemeinsam mit weiteren Bürgern aus dem Umfeld des geplanten Baugebietes nun Unterschriften. Verfasst haben die Bahnhofsbesitzer zudem einen offenen Brief an die Stadtverordneten.

Im Biotop einer Feuchtwiese an der Bahnhofstraße Treuenbrietzen fanden Eingriffe statt für ein Bauprojekt. Das rügen Anlieger und Naturschützer. Ein Teilstück wurde als Weg verfestigt. Quelle: Naturschutzbeirat

Darin bemängeln sie mangelnden Umweltschutz. „Wer den vorigen Sommer noch im Kopf hat, sollte wissen, dass Klimaschutz uns doch alle auch im Kleinen angeht“, sagt Petra Hannemann. Sie und ihr Partner sprechen sich nicht gegen mehr Wohnbebauung aus in der Stadt. „Doch könnten die Bauherren auch an der Leipziger Straße bauen, wo ihnen ebenfalls ein Grundstück gehört“, sagt Guido Franz.

Naturschützer kritisieren Salamitaktik

Kritik kommt auch vom Naturschutzbeirat des Landkreises Potsdam-Mittelmark. „Wir bemängeln, dass hier seit 2016 Stück für Stück mit juristischen Winkelzügen Tatsachen geschaffen wurden, um die als geschütztes Biotop einer Feuchtwiese eingestufte Fläche für eine Bebauung vorzubereiten, noch bevor davon öffentlich die Rede war“, sagt Andreas Päpke, der Vorsitzende des Beirates, gegenüber der MAZ.

Anwohner und Beirat haben diverse Schritte, die nach ihrer Ansicht Verstöße gegen Umweltrecht darstellen, dokumentiert und an zuständige Behörden gemeldet.

Mindestens 16 Eichen verschwunden

So seien mindestens 16 großwüchsige Eichen, die dort im Außenbereich unter die Baumschutzsatzung des Landkreises fallen, sowie weitere Bäume entfernt worden, ohne dass es dafür eine Genehmigung gegeben habe, sagt Andreas Päpke. Zudem fand auf der Wiese ein Wegebau statt. Dazu wurde teils der Oberboden abgetragen und Verfestigungsmaterial eingebaut. Ein anderes Stück der Biotop-Wiese ist mit Erdaushub aufgeschüttet worden aus einem anderen Bauprojekt der Investoren auf dem benachbarten Gelände ihres Autohauses. „Ferner fanden auf dem Wiesengelände bereits Arbeiten zur Munitionssuche statt“, sagt Andreas Päpke.

Umweltprüfung vereinfacht

Nicht nur der Landschaftsarchitekt hätte sich für dieses Areal eine tiefgründigere Umweltprüfung gewünscht. Genutzt haben Verwaltung und Stadtverordnete jedoch die Möglichkeit eines verkürzten Verfahrens mit frühzeitiger Bürgerbeteiligung. So wie auch für drei weitere private B-Plangebiete in der Stadt, mit denen die große Nachfrage nach Bauland und für Wohnraum gedeckt werden soll. Dazu ist eine vereinfachte Umweltprüfung möglich.

Für ein umfassenderes Verfahren plädiert hatte auch Christoph Höhne, der Leiter des Bauamtes Treuenbrietzen: „Das Gelände ist viel zu sensibel für ein verkürztes Verfahren. Ein umfassendes Verfahren ist sonst anderswo immer üblich“. Entsprechend formuliert hatte Höhne seine Stellungnahme im Rahmen des bisherigen Verfahrens.

Behörden reagieren zögerlich

Die Anzeigen und Bürgerhinweise wurden nach Einschätzung von Andreas Päpke bislang nicht intensiv genug verfolgt von den Behörden. „Begünstigt wurde dies wohl auch durch Wechsel von Mitarbeitern und die Umstrukturierung der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) beim Kreis“, sagt der Vorsitzende des Naturschutzbeirates.

Im Biotop einer Feuchtwiese an der Bahnhofstraße Treuenbrietzen fanden Eingriffe statt für ein Bauprojekt. Das rügen Anlieger und Naturschützer. Eine Teilfläche wurde aufgeschüttet. Quelle: Naturschutzbeirat

„Bezüglich der Verfolgung der Baumfällungen ist ein Bußgeldverfahren durchgeführt worden“, sagt Kai-Uwe Schwinzert, ein Sprecher der Kreisverwaltung auf Anfrage der MAZ. „Das ordnungsbehördliche Verfahren zur Festsetzung der Ersatzpflanzungen ist noch nicht abgeschlossen“. Wegen der Beeinträchtigungen des Biotops durch Aufschüttungen liege der UNB eine Anzeige vor, „die derzeit bearbeitet wird“, so Schwinzert.

Biotop noch immer vorhanden

Im Rahmen der frühzeitigen Bürgerbeteiligung begleitet die Naturschutzbeörde des Kreises die Belange des Biotopschutzes. Dabei sei bei einer erneut beauftragten Überprüfung festgestellt worden, dass die Biotopeigenschaften noch immer vorhanden sind. Doch könne die planende Kommune den Biotopschutz überwinden, „wenn die Beeinträchtigungen ausgeglichen werden können“, erklärt Schwinzert. Diese Möglichkeit wird nun genutzt. Die Bauherren haben eine private Ausgleichsfläche an der Nieplitz vorgeschlagen, die sich in der Prüfung befindet.

Zweite Runde Beteiligung

Als Bauherren sagten Yvonne und Frank Kröger einen Gesprächstermin mit der MAZ ab. „Für eine Stellungnahme zum Bauvorhaben ’Wohnbebauung Bahnhofstraße’ sind wir erst nach Ablauf der Frist des Auslegungsbeschlusses gemäß Baugesetzbuch bereit“, teilten die Investoren kurz mit: „Die Unterlagen können von jedem Bürger bei der Stadt eingesehen werden!“

Erneut ausgelegt wird der Entwurf für den B-Plan demnächst nach Bekanntmachung im offiziellen Amtsblatt der Stadt. Dann können auch Bürger erneut ihre Anmerkungen formulieren.

Von Thomas Wachs

Der aktuelle Bericht des mittelmärkischen Gutachterausschusses zu den Bodenrichtwerten für 2018 liegt vor. Er zeigt, wo die Grundstückspreise im Hohen Fläming besonders hoch sind – und wo besonders niedrig.

14.03.2019
Polizei Bad Belzig/Treuenbrietzen - Musikboxen und TV geklaut

Dreiste Diebe waren am Wochenende in Bad Belzig und Treuenbrietzen unterwegs. Sie brachen einen Kleintransporter auf und stiegen in eine Gartenlaube ein.

10.03.2019

Während der Feier am Sonnabend in Dietersdorf kam es zu einem Streit zwischen zwei angetrunkenen Gästen. Beide wurden handgreiflich und die Polizei musste anrücken.

10.03.2019