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Treuenbrietzen Schmierfett tropft von Windrädern herab
Lokales Potsdam-Mittelmark Treuenbrietzen Schmierfett tropft von Windrädern herab
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18:05 25.07.2018
Im Windpark Rietz bei Treuenbrietzen erfolgten kürzlich aufwendige und umfangreiche Reparaturen an defekten Lagern der Rotorblätter. Quelle: Thomas Wachs
Rietz

Spaziergänger und Anlieger fürchten im Umfeld des Windparkes Rietz Umweltverschmutzungen. Denn an mehreren von der Firma Enertrag ab 2014 errichteten Windmühlen war kürzlich deutlich sichtbar Öl ausgetreten.

Das Schmiermittel tropfte an den Türmen herab und landete unter den in Wäldern und auf Feldern stationierten Anlagen auf dem Boden sowie auf den mit Schotter befestigten Arbeitsfläche und Zufahrtswegen.

Die bis zur Rotorspitze insgesamt fast 200 Meter hohen Anlagen mit einer Nabenhöhe von 138 Metern waren nach gut 15 Jahren Planung sowie knapp zwei Jahren Bauzeit im Juni 2016 offiziell ans Netz gegangen.

Verschmutzung hält sich in Grenzen

Auf Anfrage der MAZ betätigt Steffen Lieske, der bei der Betreiberfirma Enertrag für Vertragsmanagement und Instandhaltung zuständig ist, die „erhöhten Schmierstoffaustritte“ in jüngster Zeit. Dabei handele es sich um ein „nach Bundesimmissionsschutzgesetz zugelassenes Fett für die Schmierung der Blattlager“.

Weil diese schadhaften Bauteile an den Turbinen der Windkraftanlagen eine zentrale Lage haben, sei es nicht zu einer Verteilung des Schmierstoffs im Wald gekommen. Das hatten Beobachter befürchtet. „Nur ein enger Bereich um den Turmfuß der Windkraftanlagen wurde leicht verschmutzt“, so Lieske.

Fast täglich lasse die Firma Enertrag allerdings das Umfeld kontrollieren. Mitarbeiter eines beauftragten Fachunternehmens „sammeln das nicht in Wasser lösliche ausgetretene Fett ab und entsorgen es fachgerecht“, heißt es von der Betreiberfirma.

Errichtet in zwei Phasen

Der Bau des Windparkes Rietz steht im Einklang mit den im Regionalplan der Planungsgemeinschaft Havelland-Fläming sowie im Teilflächennutzungsplan „Windkraft“ der Stadt Treuenbrietzen als Vorranggebiete ausgewiesenen Arealen.

Der Windpark entstand in zwei Phasen. Die seit August 2014 errichteten sechs Windräder haben je eine Maximalleistung von 2,5 Megawatt. Ihre vier ab März 2016 gebauten Nachfolger bringen es auf 2,75 Megawatt Leistung.

Mit dem Ertrag des Rietzer Windparks lassen sich rechnerisch circa 30 000 Haushalte mit Strom versorgen.

Aktuell gibt es Pläne zur Ausweitung des Windparks in der Nachbargemeinde Mühlenfließ. In Kooperation mit der Firma Enercon hat Enertrag dort den Genehmigungsantrag für zunächst neun weitere Anlagen gestellt.

Sie hat einige der insgesamt zehn Anlagen rund um den Schwarzen Grund in der Nähe der Bundesstraße 102 in den zurückliegenden Wochen bereits aufwendig reparieren lassen. Zum gesamten Ausmaß der Schäden sowie zu den Kosten machte das Unternehmen auf MAZ-Anfrage keine Angaben.

Anlagen werden dauernd kontrolliert

„Die noch immer sichtbaren Verschmutzungen stammen zum einen aus den Blattlagern der Windkraftanlagen und zum anderen entstanden sie bei den erfolgten Reparaturarbeiten“, erklärt Steffen Lieske. Die Windkraftanlagen seien „in engmaschiger Beobachtung“.

Lieske widerspricht zugleich Gerüchten, die aktuell in sozialen Netzwerken die Runde machen, wonach es nach den jüngsten Reparaturen nun im Juli erneut Probleme mit austretendem Öl gegeben habe.

Für die umfangreiche Reparatur defekter Windräder bei Rietz rückte schwere Technik an. Quelle: Thomas Wachs

„Dies trifft nicht zu. Der größte Teil der Windkraftanlagen im Park ist bereits einer tiefgreifenden Revision unterzogen worden. Hierbei kamen schweres Großgerät und modernste Montagemethoden zum Einsatz“, erklärt der Enertrag-Mitarbeiter. Zum Ende des Sommers werde es weitere solcher Einsätze geben, um die restlichen Windkraftanlagen zu reparieren.

Anschließend erfolge an jeder Anlage eine umweltverträgliche Reinigung der betroffenen Maschinenteile der Rotoren und Türme. „Hierbei werden auch die durch Montagearbeiten verschmutzten Anlagenteile gereinigt“, erklärt Steffen Lieske.

Heiße Debatte im Internet

Die Reinigungsarbeiten können nur von Spezialkräften durchgeführt werden. Denn die Monteure müssen sich vom Gondelbereich aus mit Seilzugtechnik an den Anlagen hinunter bewegen. „Diese Arbeiten konnten noch nicht an allen Anlagen durchgeführt werden. Es handelt sich dabei jedoch nicht um neu aufgetretene Probleme“, bekräftigt Lieske.

In Internetforen haben die Havarien im Rietzer Windpark unterdessen eine breite Debatte ausgelöst. So fordert die Treuenbrietzener Stadtverordnete Anja Schmollack (CDU), „dass staatlich subventionierte, mit Vorranggenuss versehene und vermeintlich umweltfreundliche Energiegewinnung auch eben eine solche sein muss! Von den Belastungen für Mensch und Tier bei dieser, in meinen Augen noch nicht ausgereiften Technik, einmal abgesehen.“ Dennoch stehe für sie außer Frage, „dass wir Stück für Stück wegkommen müssen von althergebrachter Energiegewinnung“, so Schmollack.

Spezialisten stiegen den Rietzer Windrädern aufs Dach, um Schäden an Rotorlagern zu beheben. Quelle: Thomas Wachs

Sabine Hummel fordert Kontrollen der Naturschutzbehörden. „Hier wird bewusst und sichtbar der Umweltschutz mit Füßen getreten“, schreibt sie im Internetforum. „ Muss da nicht zwangsläufig eine Anzeige erstattet werden und diese Anlagen außer Betrieb gesetzt werden, bis die Reparatur erfolgreich war“, fragt sich die Treuenbrietzenerin.

Wie Steffen Lieske von der Firma Enertrag auf MAZ-Nachfrage mitteilt, seien die verantwortlichen Behörden eingebunden. „Umweltschäden sind nicht festgestellt worden“, so Lieske.

Von Thomas Wachs

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