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17:28 11.07.2018
Anne Block verkauft in ihrer Drogerie Stoffbeutel in verschiedenen Farben und Formen. Quelle: Josefine Kühnel
Treuenbrietzen

Seit der Einführung der freiwilligen Gebühr für Plastiktüten im Juli 2016 ist der pro Kopf-Verbrauch der Deutschen stark zurück gegangen:

2015 nutzte jeder Deutsche noch durchschnittlich 68 Tüten im Jahr, 2016 waren es nur noch 45 Tüten und 2017 sank die Zahl sogar auf 29 Tüten.

Damit ist der von der EU geforderte maximale Wert von 40 Plastiktüten pro Kopf bis 2025 schon jetzt unterschritten.

Die Statistik liest sich gut, doch wie sieht es vor Ort aus?

Plastikschleuder Supermarkt

Eine Verkäuferin entfernt im Treuenbrietzener Nettomarkt gerade tonnenweise Verpackungsfolie von neuen Lebensmitteln, um sie anschließend in die Regale zu räumen.

Den Plastik-Konsum im Netto schätzt sie realistisch ein: „Schauen Se sich doch mal um, hier ist einfach alles aus Plaste. Ich finds ja selbst blöd, aber was sollen wir machen?“

Alternative Wochenmarkt

„Man könnte sich ein Beispiel am Wochenmarkt nehmen. Da werden Obst und Gemüse nicht überflüssig verpackt“, sagt Verkäuferin Janine Kölbl vom Bäcker Dahlback ein paar Straßen weiter in der Innenstadt.

Als sie selbst noch im Zentrum wohnte, kaufte sie ausschließlich dort ein. Doch seit sie außerhalb wohnt, muss sie zugeben „dass der Weg zum Supermarkt um die Ecke einfach schneller und bequemer ist“.

Das sei das Hauptproblem: „Die Menschen sind nun mal bequem geworden. Im Supermarkt gibt es alles an einem Fleck, da nimmt man dann das viele Plastik in Kauf“, sagt sie.

Plastiktüten und Wegwerfbecher

Der Bäcker selbst geht allerdings nicht mit dem besten Beispiel voran. Zum Einen werden Plastiktüten kostenfrei herausgegeben, zum anderen verkauft er Kaffee in Wegwerfbechern.

„Aber fast niemand braucht die Plastiktüten, die Papiertüten reichen den meisten. Ein Kunde lässt sich jeden Morgen Kaffee in seinen selbst mitgebrachten Kaffeebecher füllen, das freut mich sehr.“

Hemdchentüten kostenfrei

An der Nettokasse zahlt der Kunde den Tribut für seine Bequemlichkeit: 10 Cent kostet eine Plastiktüte in allen Treuenbrietzener Filialen.

Die so genannten Hemdchentüten am Obst-und Gemüseregal und an der Backwarentheke sind kostenlos.

Deshalb werden sie weiterhin fleißig konsumiert. Eine Dame, die den Einkaufswagen voller Obst und Gemüse in Hemdchentüten hat, könnte auf die Tütchen verzichten:

„In der DDR hatten wir auch nur ein Häkelnetz und konnten damit prima einkaufen.“ Doch jetzt nutze sie die vielen Tütchen, „weil sie eben da sind.“

Vorzugsweise plastikfrei

Mit Ausnahme dieser Tütchen ist der Einzelhandel in Treuenbrietzen nach und nach komplett auf gebührenpflichtige Plastikbeutel umgestiegen.

Dadurch fand ein Umdenken bei den Kunden statt, sagen viele Verkäuferinnen in den einzelnen Läden.

Etwa bei Ernstings kosten die Tüten, je nach Größe und Material zwischen 5 und 20 Cents für dünne Plastiktüten und ab 99 Cents für die robusteren Plastik-oder Stoffbeutel.

Der Erlös wird an den Verein Herzenswünsche gespendet. „Seit die Tüten etwas kosten, nehmen deutlich weniger Kunden welche“, sagt Verkäuferin Kerstin Hinze. Mittlerweile hätten die meisten Kunden eigene Stoffbeutel dabei.

Schuhladen tütenfrei

Die Besitzer des Schuhladens Schuhbidu bieten gar keine Tüten an. „Wir sind Ossis. Bei uns gab es auch keine Tüten“ sagt Regina Wiesatzki, die Frau vom Inhaber Matthias Wiesatzki.

„Unsere Kunden kennen unsere Philosophie und haben sich daran gewöhnt.“

Vorbild ran Anne

Die Betreiberin der Drogerie „ran Anne“ verlangt seit letztem Jahr für eine kleine Plastiktüte 20, statt vorher 10 Cent.

„Die Leute sollen eigene Beutel mitnehmen, ich habe schon ein schlechtes Gewissen, weil meine Neuware in Plastikbergen angeliefert wird“, sagt Anne Block.

Als Alternative verkauft sie außergewöhnliche Stoffbeutel. „Mit zwölf Euro sind die zwar teurer als ne Plastiktüte, aber dafür halten sie auch ewig, sehen besser aus und sind nicht umweltschädlich“, verteidigt Block den Preis.

Alternative Polyester-Beutel

Die ökologisch sinnvollste Alternative zu Plastik- und Papiertaschen- die ebenfalls umweltschädlich sind- sind laut Umweltbundesamt die zusammenfaltbaren, äußerst stabilen Polyester-Beutel, die immer häufiger an Supermarktkassen zu finden sind.

Guter Anfang

Die Zahl der 2015 noch 5,6 Milliarden in Umlauf gebrachten Tüten hat sich im Jahr 2016 auf 3,6 Milliarden Stück reduziert. 2017 waren es in Deutschland „nur noch“ 2,4 Milliarden Tüten.

Die Klimaschutz-Managerin für den Landkreis Potsdam-Mittelmark Barbara Ral findet: „Das ist schon ein sehr guter Anfang, doch noch lange nicht genug.“

Hersteller zahlen drauf

Das findet auch die EU. Deshalb fordert sie strengere Richtlinien auch für die Kunststoffhersteller.

Sie sollen zur Deckung der Kosten für die Abfallbewirtschaftung und die Säuberung der Umwelt sowie für Sensibilisierungsmaßnahmen herangezogen werden.

Baerbock steht dahinter

Die Bundesvorsitzende der Grünen, Annalena Baerbock, sieht darin genau den richtigen Handlungsansatz.

„Plastikmüll kann nur verringert werden, wenn die Herstellung unattraktiv wird. Dies kann entweder über eine Förderung für andere Verpackungsmaterialien, Negativsteuern oder Gesetze geregelt werden.“

Verantwortung der Verbraucher

Barbara Ral unterstreicht wiederum, dass die Verantwortung der Verbraucher nicht zu unterschätzen sei.

„Deshalb ist erstmal das Wichtigste, dass das Thema in den Köpfen der Leute ankommt. Ich brauche erst das Bewusstsein, dann kann ich drüber nachdenken mein Handeln zu verändern."

Grundstein ist gelegt

In Treuenbrietzen hat sich gezeigt, dass diese Grundvoraussetzung bei der Vielzahl der Konsumenten schon geschaffen worden ist und damit der Grundstein für weitere Müllreduzierungsmaßnahmen gesetzt worden ist.

Von Josefine Kühnel

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