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Treuenbrietzener wollen Aaron Isaak ehren

Gedenkstein für berühmten Juden Treuenbrietzener wollen Aaron Isaak ehren

Aaron Isaak (1730-1816) soll in seiner Geburtsstadt Treuenbrietzen eine Würdigung erfahren. Zu seinem 200. Todestag sollte ihm die Stadt im Jahr 2016 einen Gedenkstein errichten. Das schlägt die Fraktion der Linken vor. Isaak gründete die Jüdische Gemeinde in Stockholm und war der erste Jude, der sich in Schweden niederließ, ohne zur lutherischen Kirche zu konvertieren.

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Hellmut Päpke möchte am Jüdischen Friedhof in Treuenbrietzen einen Gedenkstein errichten.

Quelle: Thomas Wachs

Treuenbrietzen . Die Stadt Treuenbrietzen sollte ihrem berühmten Sohn Aaron Isaak einen Gedenkstein in der Nähe des jüdischen Friedhofes widmen. Das schlug die Fraktion Die Linke in der jüngsten Sitzung der Stadtverordnetenversammlung vor. Diese delegierte das Ansinnen zur weiteren Beratung zunächst in die Fachausschüsse. Anlass der Initiative ist der 200. Todestag Isaaks im nächsten Jahr, erklärte Fraktionschef Walter Treu. Der im September 1730 Treuenbrietzen geborene Jude Isaak war später Gründer der Jüdischen Gemeinde in Stockholm und der erste Jude, der sich in Schweden niederließ, ohne zur lutherischen Kirche zu konvertieren.

Initiator der Initiative für den Gedenkstein in Treuenbrietzen ist Hellmut Päpke aus Rietz. Nach Ansicht des Heimatforschers und früheren Lehrers habe Aaron Isaak Bedeutung für die Entwicklung der Stadt und darüber hinaus erlangt. Im Rahmen der von Hellmut Päpke geleiteten Geschichtswerkstatt gab es dazu bereits Arbeiten.

Aaron Isaak gründete die Jüdische Gemeinde in Stockholm

Aaron Isaak gründete die Jüdische Gemeinde in Stockholm.

Quelle: Privat

Als Sohn eines Kaufmannes aus Treuenbrietzen ließ sich Aaron Isaak mit 20 Jahren in der damaligen Universitätsstadt Bützow im Herzogtum Mecklenburg-Schwerin nieder. Dort war er als Gehilfe eines Graveurs und als Händler tätig. Von einem schwedischen Offizier erfuhr er, dass es an Handwerkern dieser Art in Schweden mangele. Er ging deshalb 1774 nach Schweden und ließ sich dort mit Frau und Kind nieder, berichtet Hellmut Päpke. 1779 erteilte der schwedische Reichstag den Juden die Erlaubnis, in Stockholm und höchstens drei weiteren Städten des Landes eine Synagoge zu errichten. Diesen Prozess begleitete Aaron Isaak federführend. Als Graveur war der gebürtige Treuenbrietzener auch in seiner Wahlheimat erfolgreich. So wurde er für den Krieg mit Russland 1788 Armeelieferant und ein Jahr später auch Hoflieferant in Schweden. Auch als Bankier kam er dort zu Ansehen und Reichtum.

„Judentempel“ an der Stadtmauer

Das jüdische Leben in Treuenbrietzen begann vor rund 650 Jahren. Das dokumentiert auch eine vom Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte und des Moses-Mendelssohn-Zentrums für europäisch-jüdische Studien der Universität Potsdam initiierte Wanderausstellung von 2013 mit dem Titel „Synagogen in Brandenburg“.

Demnach erhielt Bürgermeister Hans Kaiser 1356 von Markgraf Ludwig der Römer das Recht, in Treuenbrietzen Juden anzusiedeln.

Doch erst seit dem 18. Jahrhundert lässt sich eine kleine Anzahl von jüdischen Einwohnern nachweisen, die weitgehend in der Bevölkerung geachtet gewesen seien, heißt es in der Dokumentation.

Ob sich eine Synagoge in Treuenbrietzen befand, ist unklar. Doch gibt es für das Jahr 1720 einen Hinweis auf einen solchen Bau. Der Überlieferung nach existierte an der südlichen Stadtmauer eine Stelle nahe dem jüdischen Friedhof, die von den Treuenbrietzenern einst als „Judentempel“ bezeichnet worden sei.

Im Alter von 71 Jahren verfasste Aaron Isaak seine Lebenserinnerungen. In dem 1994 in einer von Bettina Simon kommentierten deutschen Auflage des Buches widmet er einige Seiten seinem Geburtsort Treuenbrietzen, wo er von 1730 bis 1750 lebte.

Nach Ansicht von Hellmut Päpke gehört Aaron Isaak in die Reihe berühmter Söhne Treuenbrietzens — ebenso wie der Theologe Martin Chemnitz sowie die Musiker und Komponisten Friedrich Heinrich Himmel und Christoph Nichelmann. „Mit einer Würdigung Isaaks könne auch der ehemalige jüdische Friedhof in Treuenbrietzen jetzt sein Denkmal bekommen in Erinnerung an alle jüdischen Mitbürger der Stadt aus sechs Jahrhunderten sowie an die Vertreibung der letzten Juden durch die Nationalsozialisten“, so Päpke. Der Jüdische Friedhof befindet sich im heutigen Stadtpark in der Nähe des Schwanenteiches und der Badeanstalt. Heute erinnert nur ein schlichter Stein an den 1944 eingeebneten Friedhof.

Lauri Pihlajamaa (Mitte) und Willibald Jacob im Gespräch mit Treuenbrietzens   Ortschronist Ernst-Peter Rabenhorst (li)

Lauri Pihlajamaa (Mitte) und Willibald Jacob im Gespräch mit Treuenbrietzens Ortschronist Ernst-Peter Rabenhorst (li).

Quelle: privat

Hellmut Päpke vertritt mit seiner Initiative auch Vorschläge des gemeinsam mit ihm zu dem Thema aktiven Willibald Jacob. Der Autor war zwischen 1959 und 1966 Gemeindepfarrer in Treuenbrietzen und nach der Wende 1994 bis 1998 Bundestagsabgeordneter auf der Liste der Partei des Demokratischen Sozialismus (PDS). Jacob hatte in den 1960er-Jahren Kontakt zu Kirchenkreisen in Schweden. Aus Stockholm war jetzt Lauri Pihlajamaa, ehemaliger Pfarrer der finnischen Gemeinde in Stockholm, gemeinsam mit Willibald Jacob zu Besuch in Treuenbrietzen. Der Pfarrer unterstützt die Initiative zur Ehrung Aaron Isaaks. Schon in den 1960er-Jahren hatte Pihlajamaar in Stockholm Geld gesammelt, das für neue Leuchter in der damals sanierten Treuenbrietzener Marienkirche verwendet wurde. Nun will er helfen, Kontakte zur Jüdische Gemeinde in Stockholm herzustellen. „Diese möchten wir um ihre Meinung bitten, sobald die Ideen zur Ehrung von Aaron Isaak konkretere Formen annehmen“, sagt Hellmut Päpke.

Von Thomas Wachs

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