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Trinkwasser: Wieder kein Geld für Grüneiche

Kampf weiter erfolglos Trinkwasser: Wieder kein Geld für Grüneiche

Die von Golzow nach Reckahn (Potsdam-Mittelmark) führende Hauptleitung geht zwar direkt durch Grüneiche, doch auch nach 20 Jahren haben die 73 Einwohner kein sauberes Trinkwasser aus dem Netz. Die Planung für einen Anschuss schlummern schon seit Jahren in der Schublade. Um sie umzusetzen, klafft eine Finanzierungslücke von 62.000 Euro.

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„Hier läuft die Leitung lang“, sagt Heinz Maaß. Die Grüneicher fühlen sich als fünftes Rad am Wagen.

Quelle: Claudia Nack

Golzow. Die von Golzow nach Reckahn führende Hauptleitung geht zwar direkt durch Grüneiche, doch auch nach 20 Jahren haben die 73 Einwohner dieses beschaulichen Dörfchens kein sauberes Trinkwasser aus dem Netz. Sie beziehen ihr Nass aus eigenen Hausbrunnen, doch mit der Wasserqualität steht es nicht zum besten. Es ist mit Mangan belastet und stark eisenhaltig. „Man kann keine weiße Wäsche waschen, denn die würde sofort braun“, berichten sie. „Auch Armaturen und Fliesen in den Bädern laufen an.“

Enteisungsanlagen selbst angeschafft

Einige bringen ihre Weißwäsche zu Verwandten oder Freunden, andere ziehen statt weißer Baumwollhemden gedeckte Farben an. Laut Gesundheitsamt seien die Werte für Erwachsene zwar unbedenklich, doch etwa ein Viertel der Grüneicher Haushalte hat sich inzwischen Filter- oder Enteisungsanlagen für noch mehr Geld angeschafft. Andere scheuten diese Investition bisher wegen des ersehnten Trinkwasseranschlusses. Die Planung schlummert schon seit mehr als zwei Jahren in der Schublade

„Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagen Hinzugezogene wie Ralf Bollmann oder Carsten John und Alteingesessene wie Heinz Maaß oder Manfred Jungnickel. Doch inzwischen ist es Galgenhumor. Ihre Gefühle lägen irgendwo zwischen Enttäuschung und Resignation, zwischen Gelassenheit und Hoffnung.

Gemeinde hat kein Geld

Am Dienstagabend gab es auf der Ratssitzung wieder einen Dämpfer: Die klamme Gemeinde Golzow, die seit Jahren mit einem Haushaltssicherungskonzept leben muss, könne keine 62 000 Euro aus dem Ärmel schütteln, um dem Trink- und Abwasserzweckverband „Freies Havelbruch“ bei der Erschließung Grüneiches aus der Patsche zu helfen, zumal es dessen Pflichtaufgabe sei. Christiane Jans, die selbst in Grüneiche wohnt, und Bürgermeister Ralf Werner enthielten sich.

Gemeindeteil Grüneiche

Die Gemeinde Golzow hat etwa 1325 Einwohner. Dazu gehören die Gemeindeteile Grüneiche, Müggenburg, Hammerdamm und Lucksfleiß, das seit 1950 ein eigenes kleines Wasserwerk hat.

Im Zuge der Gemeindegebietsreform von 2002 ist Golzow aus dem damaligen Amt Lehnin nach Brück gewechselt, um die Eigenständigkeit als Kommune zu bewahren.

In Grüneiche leben etwa 75 Einwohner. Weiteres Problem seit Jahren ist die marode Ortsdurchfahrt. Außerdem haben sie Bedenken wegen der geplanten Sauen-Anlage.

Zuvor erläuterte Christian Köppel, der die Gemeinde Golzow neben Wolfgang Göricke und Amtschef Christian Großmann in der TAZV-Verbandsversammlung vertritt, die aus Sicht der Kommune einleuchtenden Beweggründe offenherzig. „Wir haben im Verband für euch gekämpft. Vielleicht bringt es war, wenn ihr dort vorsprecht. Vielleicht könnt ihr die Vertreter von Krahne, Reckahn und Oberjünne überzeugen“, so Köppels Appell an die Grüneicher.

Verband seit Jahren in der Auflösung

Die Krux: Der TAZV „Freies Havelbruch“ befindet sich in der Auflösung, die laut Verbandsvorsteher Bernd Kreykenbohm nun zum 31. Dezember 2016 angestrebt wird. Ob das gelingt, darf zumindest bezweifelt werden, denn sie ist seit Jahren im Gespräch. Termine gab es schon einige, doch bisher ist eine Auflösung an der Auseinandersetzungsvereinbarung gescheitert.

Die Vorstellungen der Golzower und der anderen Parteien sind – um es unverfänglich auszudrücken – nicht konform. Offenbar vor dem Hintergrund der Auflösung hatte die Verbandsversammlung mehrheitlich gegen eine Übernahme der 62 000 Euro gestimmt, die bei der 126 000 Euro teuren Trinkwassererschließung Grüneiches als Investitionslücke klaffen würde. Denn nur die Differenz wäre als Refinanzierung über Beiträge abgedeckt.

Katze beißt sich in den Schwanz

Da die TAZV-Mehrheit offenbar keine Umlagen und weitere Kredite will, sind nur zwei Alternativen übrig geblieben: Entweder alle Grüneicher greifen noch tiefer in ihre Taschen, wobei nur 80 Prozent für eine solche Ablösevereinbarung waren, oder die Gemeinde Golzow springt in die Bresche. Am Ende beißt sich die Katze in den Schwanz.

In der Gemeinde gibt es inzwischen Überlegungen, sich Hilfe bei der Kommunalaufsicht oder beim Innenministerium zu holen. Die Grüneicher wollen nur eins – sauberes Trinkwasser.

Von Claudia Nack

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