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Trost, Zuspruch, Beratung – und viel Lachen

Bad Belziger Tageshospiz gibt Todkranken und Angehörigen ein Stückchen Halt Trost, Zuspruch, Beratung – und viel Lachen

Der Gedanke und Krankheit und an den eigenen Tod bedrückt. In der Gemeinschaft finden Betroffene nicht nur Trost, sondern oftmals auch Kraft für das letzte Stück Weg. In der Beratungs- und Begegnungsstätte des Bad Belziger Hospizdienstes wird deshalb auch viel gelacht.

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Mit Fröhlichkeit dem Schcksal begegnen: Annett Mätzold (re.) im Kreis der Mittwochsrunde.
 

Quelle: Uwe Klemens

Bad Belzig.  Meist ist es fröhliches Lachen, das durch die die offenstehende Tür und durch die angeklappten Fenster des „Augenblicks“ nach draußen dringt. Zwei Mal im Monat laufen hier die Kaffeemaschinen auf Hochtouren. Zwei Mal im Monat werden die Sitzplätze in der gemütlichen Sitzecke knapp. In der Beratungs- und Begegnungsstätte des Bad Belziger Tageshospiz bekommen die Dichterworte „Verweile doch, oh Augenblick – du bis so schön“, eine ganz besondere Bedeutung. Wer hierher kommt weiß, dass die eigenen oder die Tage eines nahestehenden Menschen gezählt sind.

Besser als jede Sachliteratur vermitteln kann, lernen die Besucher voneinander, wie man mit den kleinen und großen Beeinträchtigungen des Alltags, mit Trauer, Wut und Enttäuschung über das auferlegte Schicksal umgeht. Drei ausgebildete Hospizbegleiterinnen moderieren die Gespräche mit dem nötigen Sachverstand und mit großem Einfühlungsvermögen. Das Kaffeekochen und das Aufschneiden der oft selbstgebackenen Kuchen übernehmen die Besucher selbst.

Der erste Eindruck, den man als „Neuer“ in der Runde bekommt, ist ein heiterer. So viel gelacht wie hier, wird andernorts nur selten. „Kraft auftanken für die nächste Etappe des Loslassens“ könnte man es nennen. Dass das so ist, ist für Heike Schwarz, die den Tageshospiz leitet, und ihr kleines Team der schönste Lohn und ein Zeichen, dass ihre Arbeit nicht vergebens ist.

Annett Mätzold gehört seit fünf Jahren zu den regelmäßigen Besuchern im „Augenblick“. 2010 diagnostizierten die Ärzte bei der Untersuchung nach einem Sturz bei ihr Brustkrebs – für die heute 53-jährige, gelernte Erzieherin ein Schock, wie ihn jeder Betroffene kennt.

Als sie nach der Not-Operation auf der Intensivstation aufwachte, blickte sie in das Gesicht von Heike Schwarz, die als Anästhesieschwester in der Bad Belziger Ernst-von-Bergmann-Klinik arbeitet. Sie nicht allein zu lassen, lautet das Augenversprechen. „Kommen sie doch einfach mal bei uns vorbei“, lautete der Rat, den Heike Schwarz der todkranken Frau mit auf den Heimweg gab. Seither ist der „Augenblick“ für Annett Mätzold ein wichtiger Ort geworden. Seit feststeht, dass der Versuch, den Krebs aufzuhalten, misslang, erst recht.

„Psychologische Beratung seitens des Krankenhauses gab es nicht, obwohl das so wichtig wäre“, sagt Mätzold, die vor zehn Jahren in den Hohen Fläming kam und seit 2008 im Bad Belziger Klinkengrund lebt. In der Beratungs- und Begegnungsstätte hat sie gelernt, ihr Schicksal anzunehmen und kann mit ihrer Fröhlichkeit auch andere anstecken. „Inzwischen nehme ich die Situation, wie sie ist und gehe möglichst souverän damit um, dass es mich praktisch jeden Tag erwischen kann. Außerdem bin ich sowieso zum Glück kein depressiver Typ.“

Ihren Hausrat hat Annett Mätzold inzwischen bis auf das Nötigste aufgelöst und an andere verschenkt. Wenn sie Hilfe braucht, weil zum Beispiel ein Lampe nicht funktioniert oder die Stimmung im Keller ist, kommt Heike Schwarz vorbei und bringt manchmal sogar ihren Mann mit, der sich um die technische Hilfeleistung kümmert. Hilfe bei Behördengängen, beim Beantragen von Hilfsmitteln bei ihrer Krankenkasse und ähnliche Dinge leisten die ehrenamtlichen Hospizmitarbeiter ebenfalls.

„Heimatgefühl“ nennt Annett Mätzold das Stimmungsgefühl, mit dem sie die Mittwochs-Runde im Hospitzdienst jedesmal wieder verlässt. Seit sie weiß, dass weder Chemotherapie noch Bestrahlungsversuche geholfen haben und ihre Lunge und Knochen ebenfalls betroffen sind, ist das noch wichtiger geworden.

Von Uwe Klemens

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